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Fulaga ein Paradies

Am 18.06. sind wir morgens aus der Bucht auf Matangi Island ausgelaufen. We herrscht leichter NE Wind, wir laufen um das Riff um die Insel herum und durch Kreuzen zwischen einem anderen Riff noch durch! Dann erreichen wir „freies“ Wasser, bei dem NE geht es fast genau S. wunderbares Segeln. Nach etwa 40NM liegen die Nukutolu Islets genau in unserem Weg. Ich kann nicht höher ran, aber ich will auch keine Höhe verlieren, so fahre ich durch die Schneise, die etwa 70m breit ist durch. Die Tiefe sollte bis 8m runter gehen, ich sehe aber nur 45m. Dann habe ich wieder freies Wasser. Der Wind soll noch mehr nach NE drehen, was er auch leicht tut. Am 19.06. mache ich noch einen Schlag nach NE um mehr Höhe zu gewinnen, bevor der Wind dreht. Schlussentlich dreht er dann auch nicht wirklich. In der zweiten Nacht, lass ich Pacifico quasi treiben, nahe der insel Kabara, es fehlen bis Fulaga noch etwa 25NM. Morgens um 4:30 schaue ich auf den Plotter und sehe 4 AIS Kontakte aus N auf mich zukommen. Diese Flotte heizt mein Ego soweit an, dass ich Segel setze um in der Poolposition zu sein, wenn wir am Pass sind. Vor Fulaga mĂŒssen wir nochmal Höhe gewinnen und machen einen Schlag. Dabei kreuzen wir deren Fahrwasser jeweils mit etwa einer NM. Ob die wissen, dass ich Vorfahrt habe??? Amis und NZ den traue ich das nicht wirklich zu, aber es klappte ja. Über Funk disscutieren sie, wann sie durch den PAss wollten, weil noch ablaufend Wasser ist, und dann gibt es unangenehme Wellen im Pass. Wir laufen einen Bogen passieren den Pass als erste, um 7:30. Richtig viel sehen konnte ich nicht, aber ich kenne den Pass ja nun und alles ist OK. Ich gebe dann den anderen den Rat, noch etwa 45Min zu warten, damit sie die Felsen sehen können. Die Tage in Fulaga vergehen, der Chief, Besse ist schon 92!! und schwĂ€chelt. Ich denke schon der „geht“ bald. So ist es dann auch nach einigen Tagen. Wir Segler sind eingeladen, an den Feierlichkeiten teilzuhaben. In den ersten Wochen bin ich mit meinen Host-Bruedern zu Fischen aus der Lagune raus gefahren, doch ausser dass wir einige Köder verlieren, fangen wir nichts. Doch am letzten Montag, hatte ich Vormittags einen Yellofin Thuna, 6Kg am Haken. Dann tat sich lange nichts. Nachmittags, wir waren schon im „Anflug“ zu dem Pass, kamen noch 2 Skipthuna, ein Bonito und dann ein 20Kg Yellofinn Thuna dazu!! Welch eine Pracht. Die Brueder Sekelly und Joe nehmen die kleineren Fische mit, die Yellowfinns bleiben an Bord. Ich freue mich riesig sie in Olivenöl einkochen zu koennen. Da es ja nun echt viel ist, gebe ich ein grosses Filet an BOB THE CAT ab. Am naechsten Tag bekommt AMAZING GRACE und HELO auch noch Filet. Ich habe in 2 TAgen dann 21 GlĂ€ser Thuna in Oel eingekocht. Die schlechteren und kleinen Partien fĂŒttere ich an Trude, der Schildkröte am Platz. Gestern hatten wir fuer 2 neue Boote eine kleine Strandparty, dazu habe ich kleine „Handpizzen“ gebacken, naklar mit FulagaThuna. Die Begeisterung war gross. In diesen Tagen habe ich auch mein neues UKW FunkgerĂ€t eingebaut und einiges nicht genutzes hinter der Schlttafel ausgebaut. Es ist erstaunlich, was Yachtfunk-Joerg fuer ein Blödsinn gemacht hat! Er hatte mir einiges Verkauft und eingebaut, wovon er offensichtlich nichts verstand und es viel zu kompliziert ist um auf Langfahrt zu gehen. Der Tiefenmesser geht nicht mehr, Kompetenzzentrum-Henning will mir in D Ersatz besorgen und es mir nach Vuda schicken. In diesen Gewaessern ist es doch „blind“ recht mĂŒhsam und gefĂ€hrlich. Da ich ja im Anschluss nach Vanuatu will, ist das schon nötig.

Ausflug zur "Insel Gottes"

Sa. 30.9. Heute will ich mit Ma&Teddy und dem Sohn Josh einen Ausflug machen. NatĂŒrlich sind sie dann auch zum Mittagessen eingeladen. Wir wollen uns um 8:00 am „Hafen“ treffen. Naklar sind sie nicht da, um 8, sondern es wird 9:15. Sie kommen auch nicht alleine. Sie bringen Oma, und Freunde mit, im Endeffekt sind wir 7+6Ki. Pacifico hat ganz schön zu tun. Ich hatte ja schon das Essen in Planung, aber nicht fuer 10 Leute!! Nun, es wird schon irrgendwie. Sie haben auch ein Fischnetz mitgebracht. Als wir bei der Insel ankommen, ist grosses Baden angesagt, mit Kajac und Pacifica ist grosses hin und her. Ich mache schon mal 2 Töpfe Reis, auf der Insel wird nach Yasawa (Tapioca) gesucht. Einige legen das Netz aus und so zieht es sich hin. Teddy bastelt einen Tisch, La und ich schĂ€len die Yasawa, die ich anschliessend koche. Ich zaubere noch einen grossen Pott mit Gulasch. Gegen 14:30 Ist dann der Tisch gedeckt, ich habe all meine Tellerreserven aktiviert. Zu meiner Verwunderung wird alles weggeputzt, bis auf einen Teil der Yasawa, das war einfach zuviel. Es ist erstaunlich, was FijiÂŽs so essen können! Nach den Mittagessen wollen sie noch etwas Kava trinken, zum GlĂŒck habe ich genug Pulver dabei. In einer Plastikschale wird die BrĂŒhe dann angerĂŒhrt und ganz traditionell in einer halben Kokosschale verteilt. Nachmittags waren alle etwas geschafft, aber glĂŒcklich! Gegen 17.30 Bringe ich sie zurĂŒck zum Hafen und mache mich schon in der DĂ€mmerung auf zu meinem Lieblingsankerplatz. Das geht nur, weil ich den Weg schon kenne und weiss, das da keine Bommies sind, die mir gefĂ€hrlich werden können. FĂŒr den nĂ€chsten Tag, Sonntag, habe ich mich ausgeklinkt, einmal Kirche reicht in 3 Wochen. Auch mĂŒsste ich dann wieder zum Essen bleiben,…. Mo. 2.10. Ich ziehe segelnd durch die Lagune, es ist wenig Wind. Leise plĂ€tschert es am Rumpf und Pacifico gleitet langsam durchs Wasser. Da Ebbe ist, gönne ich mir den Spass durch die kleien Inselchen zu segeln, zum Teil nur mit 30cm unter dem Kiel. Teils muss ich auch kreuzen, es ist spannend, ob ich stecken bleibe, aber nicht gefĂ€hrlich, da eben Ebbe! In einigen Std. geht das Wasser wieder rauf, dann wĂŒrde ich in jedem Falle wieder frei kommen. Aber schlussendlich geht alles perfekt auf, gegen Mittag setzte ich PacificoÂŽs Kiel bei einem abgelegenen Strand in den Sand. Zur Sicherheit lasse ich den Anker runter. Es ist ein herlicher Tag, die Sonne brezelt und die Solarpaneele schaffen lĂ€chelnd ihren Job, die Batterien voll zu halten!

Gegen den Passat nach Fulaga

So, 17.9. sind wir frĂŒh um 5Uhr Ankerauf gegangen, um die Zeit mit wenig Wind auszunutzen. Es weht mit 7-8Kn fast genau gegenan. Im laufe des Vormittags ĂŒberlege ich mir direkt nach S zu laufen, nicht erst zur Taveuni Insel, was 40NM Umweg wĂ€ren. Es ist ein gefĂ€lliger Tag. um 14:00 wird der Wind doch etwas stĂ€rker, so setze ich Segel und es geht SW wĂ€rts. Leider nicht ganz unser Kurs, dafĂŒr aber segelnd. Bis Mo. Abend segelnd erreichen wir Lakeba, wo wir fĂŒr einige Std vor Anker gehen, um die richtige Ankunftszeit fuer Fulaga zu planen. Neben uns liegt noch ein Boot, aber ausser einem Gruss haben wir keinen Kontakt. Abend gehts weiter. Der Wind hat etwas zu genommen, so motoren wir in die Nacht. Gegen 2Uhr stoppt Yan. Ich hatte gerade etwas geschlummert, eine erste Durchsicht, sagt mir, es ist ein Spritproblem. Also die Doppelfilteranlage umgeschaltet, aber nichts tut sich, Yan verweigert seinen Dienst. Nun puste ich alle Diesel Leitungen vom Tank bis zum Motor duch, wechsle den Motorfilter, dann laeft Yan wieder…… 30min. lang. dann das gleiche Problem. Mir gehen kangsam die Einfaelle aus, bis ich zuletzt doch eine Lösung gefunden zu haben scheine, Yan lĂ€ft wieder. Als es schon hell wird, tritt das Problem wieder auf, ich setze Segel und versuche es spĂ€ter, denn fuer die Einfahrt nach Fulaga brauche ich Yan!! Im Windschatten von der Insel starte ich problemlos Yan, schalte wieder ab, denn ich will ihn schonen. Bis direkt vor die Passeinfahrt segle ich, dann der spannende Augenblick! Yan hĂ€lt durch, wir passieren die Einfahrt gegen die Strömung, alles gut. Seither hat Yam keine Probleme mehr gezeigt! Nachmittags gegen 16 Uhr mache ich mich auf den Weg nach Moana-i-cake, dem Village, um dem Chief das Sevusevu (Gastgeschenk) zu bringen. Ich habe das ĂŒbliche Kava, einen grossen Mahimahi und ein selbstgebackenes Brot fĂŒr den Chief dabei. Ich werde herzlich empfangen, einige Gesichter kenne ich schon vom letzten Jahr. Auch der Chief tat so, als wĂŒder er sich erinnern, ob das stimmt, weiss ich nicht. Meine Hostfamilie ist die Cousine von Sara, die letztes Jahr uns hostete. Ich verabschiede mich schnell, weil doch recht mĂŒde. ZĂŒgig such ich uns einen Ankerplatz etwas weiter draussen aus dem „Hafen“ denn da sind keine Moskitos, die sind hier immer sehr hungrig! Die nĂ€chsten Tage „bummle“ ich mit Pacifico durch die Lagune, besuche ein entlegeneres Village. Da haben sie gerade viele dieser Tanoas, Holzschalen in denen die FijiÂŽs Kava bereiten. Das Versorgungsschiff soll Heute kommen, und die Tanoas nach Suva bringen. Wie ich so drĂŒber schaue, und nach Preisen frage, komm ich naklar an einer nicht vorbei, die will ich dann doch haben. Sie ist nicht verziert, auch nicht geschliffen. Das will ich dann machen. Wir einigen uns, die Tanoa wandert auf dem wackeligen Kajak zur Pacifico. Sonntag, 24.9. Ich hatte mich mit Ma und Teddy zur Kirche verabredet. Mit den ĂŒblichen Mitbringsel mache ich mich auf den Weg ins Village. Nach der Kirche soll ich zum Mittagessen bleiben,…..Muscheltopf, GemĂŒsetopf, einige KartoffelĂ€hnliche Knollen. Auf den Fisch verzichte ich. Mit Teddy rede ich ueber eine Tanoa, die ich von ihm gemacht haben will, auch frage ich ihn, ob er mir die frisch Erstandene dekoriert. Da ich sehen möchte, wie die Teile gemacht werden, besuche ich ihn am Di. in seinem „workshop“, einem Unterstand bei Mini am Haus. Da sitzen sie und „picken“ am Holz rum. Zu Mittag soll ich naklar auch zum lunch kommen, es gibt Schweinefleisch und Schildkröte dazu Pfannkuchen. Das Schwein ist eigentlich nur Fett, die Turtle ganz lecker. Nachmittags wird langsam aus dem Holzklotz eine tolle Schale! Eine letztes Jahr erstandene Tanoa ist recht schwehr, Teddy will sie fuer mich tiefer und damit auch leichter machen. Auch dabei kann ich zusehen. Diese wird er auch mit Deko versehen. 29.9. Gestern war im Hause Ma& Teddy eine Geburtstagsparty fuer einige Kinder. Ich war geladen und es gab Unmengen an super sĂŒssen Kuchen, teils mit Fisch und Thunfisch. Naja ich habe mich drum gedrĂŒckt. Meine Schalen sind fertig, ich bin ziemlich begeistert. Nun kann ich Teddy auch die groessere Neuerwerbung zum Verzieren geben.

Die Weite und Stille des Pacific’s

Mi 16.5. Es weht recht flott, wir kommen gut voran. Zwar hoch am Wind, aber da die Wellen moderat sind geht es. In der Nacht zu Do flaut der Wind ab und dreht wie erwartet nördlicher. Mit der Windsteueranlage laufen wir in einen grossen Bogen Rtg. NW. Vormittags wende ich dann um nicht zu weit nach Westen zu kommen, und duch die Winddrehung machen wir nun mehr Nord. Dann schlĂ€ft der Wind leider ganz ein, wie vom Kompetenzzentrum in Hamburg vorhergesagt. Vor einigen Tagenn hatte ich bemerkt, dass der linke Wassertank an der Reinigungsoeffnung etas leckt, wenn er voll ist. Das will ich dichten. Da der Wassertank eh relativ leer sein mĂŒsste, spĂŒhle ich noch das Copi aus und wasche WĂ€sche. Nun, da der Tank leer ist, öffne ich ihn und wische etwas Ablagerungen aus dem Tank. Danach dichte ich mit Lanolin den Deckel. Mitlerweile hilft Yan uns fĂŒrs Weiterkommen. Bei der Gelegenheit lĂ€uft auch der Wassermacher und ich kann spĂ€ter sehen, das der Deckel hĂ€lt. Gestern hatte ich schon die eine Copibank geschliffen und geölt, heute sollte noch die zweite dran kommen. Durch die Sonne und Wasser wird das Teak dunkel und rauh. Ich habe es gerne glatt und holzfarbig, sieht halt gepflegter aus. Dazu muss man es eben ab und an mit sehr feinem Sandapier schleifen. Dadurch, dass ich es ja öle, schmiert das Papier immer sofort zu und es ist ein MĂŒhsal die FlĂ€che schön zu bekommen. Heute habe ich, Gott weiss warum es ausprobiert, nass zu schleifen, also mit stĂ€ndig etwas Wasser dabei! Und siehe da, in nullkommanix bin ich fertig und es sieht sogar noch besser aus als die Flaeche vom Vortag!! Warum das so klappt, ist mir allerdings unverstaendlich, aber das Ergebnis ist toll! Man lernt eben nicht aus! Um 17:00 ich sitze draussen und freue mich ueber den schoenen Tag, Yan geht aus…. Der Skipper denkt, “ das klingt nach einem Spritproblem“! Also runter, erstmal prĂŒfen ob die Dieselpumpe geht, OK!! Aber der Ruecklauf plĂ€tschert nicht!!! also, kein Sprit! Das bestĂ€tigt sich auch, als ich den Motordieselfilter abschraube,…. halb leer!mmmmmm Also baue ich den Schnulli, der in den Tank nach unten geht aus, puste durch, … OK. Dann die erste Leitung bis zum SeparFilter, durchpusten,….OK. Dann die Leitung bis zur Spritpumpe, … OK. nun die 20cm von der Pumpe, bis zum Dieselfilter,….halt, da ist Diesel drinnen! Ich tausche also den Dieselfilter, den wir zuletzt in Fiji letztes Jahr gewechselt haben, nach 5 Jahren!!!!!!! aus. Der Probelauf lĂ€uft immer noch!!!!! Hurrraaaaaa , Yan lĂ€uft wieder!!! Der Filter und der Sprit darin sieht sauber aus, aber,…. er scheint “ dicht “ zu sein!!! Zum Glueck hat Hermann nach der Erfahrung in Fiji letztes Jahr 6 neue Filter eingekauft!! Ray Roberts hat extra nachgefragt, ob ich das ernst meine mit der Bestellung und nannte mir den Einzelpreis! Fazit; die Filter sind nicht teuer, wenn man sie braucht! Langfahrtsegeln ist eine Schule! Es ist ein super gutes Gefuehl, ein Problem gelöst zu haben!! Ich bin in richtig guter Stimmung, so will ich mal wieder richtig Musik hoeren. Seit einiger Zeit geht das Mikrofon der Signalanlage nicht mehr. Ich habe sie heute mal ausprobiert, es stört hier ja keinen, wenn ich einige Male hupe! Nun spiele ich mit dem Mikrofon rum und frage mich, warum es nicht geht, obwohl der Rest der Anlage lĂ€uft. Und siehe da, auch das Mikro will wieder, so lege ich es mit gedrueckter Taste auf den Lautsprecher vom Laptop und lasse so richtig Helene ueber den Pacific schallen! Zum Einlaufen in Vuda wird es Bocelli sein, der dort ertoent!! Vor einigen Tage ist etwa 25m neben Pacifico ein Wal ausgetaucht, ich denke ein Pilotwal, Ă€hnlich den Delfinen, nur eben erheblich grĂ¶ĂŸer. Leider war es nur ein kurzer, einen Atemzug dauernder Besuch! Die Nacht zu Fr. lasse ich Yan durchlaufen, weiter nördlich soll etwas mehr Wind sein. Heute am Fr.19.5. dreht der Wind gegen 7:00 auf Ost, ist allerdings noch etwas flau! Am östlichen Himmel sind einige Kumulus Wolken zu sehen, vielleicht bringen die mir den erwarteten Wind. Ich gönne Yan mal etwas Ruhe und seit 8:00 plĂ€tschert es leise an der Bordwand, bei 3-4Kn Fahrt. Mit den in Whangarei aufgeruesteten Solarpaneele bin ich sehr zufrieden. Seither sind die Batteien stĂ€ndig voll, die zusĂ€tzlichen Platten stören den Ablauf an Bord nicht. Evtl. könnte, bei steilem Sonnenstand sogar die Energie fĂŒr das Wassermachen reichen, was noch zu testen ist! Gegen Mittag kommt der erwartete Wind mit 12Kn, Pacifico macht etwa 5.6Kn Fahrt, ganz ohne Motor, einfach klasse. Diese Stille ist wunderbar! Leider haelt auch dieser Traum nicht lange, der Wind geht genau so wie er gekommen ist. Ich will sehen, ob ich fĂŒr die Fiji`s einen Fisch angeln kann. Sie freuen sich immer diebisch, ĂŒber mitgebrachten Fisch, weil sie nicht so weit rausfahren, mit ihren kleinen Booten, haben sie eben keinen Tiefseefisch! Also, zum ersten Mal in diesem Jahr kommt die Angel zum einsatz. Ich mache derweil eine KĂŒrbissuppe! Als ich wieder nach oben komme, hatte ich offensichtlich etwas grösseres an der Angel, sie ist gĂ€nzlich abgerollt und waagerecht, hĂ€ngt nur noch an meinem Sicherheitsstropp! Uff, GlĂŒck gehabt, nur die Leine samt Köder ist weg, nicht die kostbare Rolle und Rute! Jetzt ist alles neu bestĂŒckt in erwartung eines erneuten Bisses!

Es ist kalt in Whangarei "Time to leave"

Am Vorabend des Auslaufens aus der Marina, hatte ich das Pech mal schnell ein halbes Glas Rotwein auf meinen Haupt PC zu schĂŒtten. Sofort aufgestellt und den HeizlĂŒfter die Nacht dagegenpusten lassen, half alles nichts. Ein Pc Doctor sagte mir, der sei tot! Ich hatte mit der BefĂŒrchtung schon PC II nachts geprĂŒft und an den Strom gehĂ€ngt. Er lĂ€uft! Also noch schnell los einen Ersatz besorgen, denn die Auswahl wird in Fiji sicher kleiner sein. Da meine PC AnsprĂŒche nicht so hoch sind, ist schnell was gefunden. Pacifico ist gepackt, ausgerĂŒstet, startklar. Ich habe Bruce vom Zoll angerufen, um am Freitag, den 12.5. mich auszuschecken! Dazu braucht man hier in NZ einen Termin, denn der Beamte kommt extra dafĂŒr zum Boot! Seit Tagen schaue ich auf das Wetter, es sah gut aus, doch am MI zeichnet sich eine Störung ab, die mich beschiessen lĂ€sst, doch etwas spĂ€ter auszulaufen. Also rufe ich Bruce wieder an, er hat VerstĂ€ndnis und gibt mir Sa Morgen den Ersatztermin. Ich bin zu der Zeit schon unten an der FlussmĂŒndung, wollte noch den Wassermacher laufen lassen. In der Nacht zu Fr. ist es dann auch recht stĂŒrtmisch, bis zu 37Kn Wind am Anker. Morgens dann, dreht der Wind wie ursprĂŒnglich vorgesehen auf SW, das passiert innerhalb von wenigen Minuten. Aber nun steht mein Termin fĂŒr Sa und ich kann in aller Ruhe noch die verbleibenden 4 rechten Wanten lösen, fetten und neu spannen. Sa.,den 13.5. laufen wir dann pĂŒnktlich um 8:00 in die Marina ein, Bruce fertigt uns ab und um 9:00 laufen wir wieder aus, Richtung Fiji. Es weht ein flotter SW Wind, gegen den wir erstmal aus der Bucht motoren muessen. Gegen 10:30 rolle ich die Segel aus und wir rauschen mit voller Fahrt die KĂŒste entlang nach NW. Ich hatte mich fĂŒr diesen Weg entschieden, denn es ist wenig Welle und ich hab noch so lange Internet!! Die Fahrt geht wirklich mit imposanntem Tempo. Abends, gegen 18:00 drehen wir raus auf den offenen Pacific, in die Dunkelheit. Mit uns laufen, wie ich spĂ€ter erfahre ca.25 Boote an diesem Tag aus. Zwei habe ich nachts noch gesehen, bevor auch sie im Dunst verschwanden. In dieser Nacht hatte ich 5 Big Ship Sichtungen, aber nur auf AIS. Lichter sehe ich nur von einem Fischer, etwa eine Meile weg. Leider lĂ€sst der Wind in der Nacht etwas nach, mit 13Kn gleiten wir so dahin. So, 14.5. Es dĂŒmpelt so vor sich hin, ich hole den kargen Schlaf der vergangenen Nacht auf. Nachmittags gegen 16:30 lese ich dann vom Kompetenzzentrum Hamburg eine Warnung, es kommt böses Wetter auf uns zu, wir sollten sehen, dass wir nach NE kommen. Ich starte also den Motor und es geht mit flotter Fahrt in die Nacht. Henning hatte mir einen Koordinatenpunkt gegeben, den ich ansteuern sollte. Dieser liegt 140NM weit, also einen Tag motoren. Mo, 15.5. Den ganzen Tag laeuft Yam, sehr brav und gleichmĂ€ssig! Der Wind ist quasi auf null runter gegangen, so zieht Pacifico nur eine kleine Schaumspur hinter sich her, die wenn aufgelöst, nichts mehr von uns erkennen lĂ€sst. Abends kommt nun doch etwas Wind auf, ich setze die Segel und mache so mehr Fahrt, immer noch nach NE, nun richtung Minervareef. Gegen 23:30 will ich eine Wende fahren, dabei reisst die Genoa entlang des UV Schutzes ein, so dass fast der gesammte UV Schutz, ein 50cm Streifen achtern am Segel ausgerissen ist. Was tun….. Da es halbwegs Mondhell ist und wenig Wind, beschliesse ich gleich, nachts die Segel zu wechseln. Es soll ja noch mehr wind kommen, also lieber im Dunklen als bei Welle! Ich schnalle mich also an die Spifall an, so kann ich mich frei an Deck bewegen und,…. sollte ich fallen, komme ich noch nichtmal ins Wasser! Nach etwa einer Std ist also der Wechsel getan, die alte Genoa tut nun wieder ihren Dienst. Zum Teil ist der Wind nachts dann wieder so gut, dass wir nur segeln, aber das hĂ€lt nicht lage und Yam muss wieder helfen. Di.16.5. Die Nacht war ja etwas gestört, richtig geschlafen habe ich erst morgens, ab 4 Uhr. Was solls, die Stimmung ist gut, ausser dem Segelriss ist nichts passiert!! Der Wind lĂ€sst weiter auf sich warten! Gerade, als ich den Bericht schliessen will, sehe ich 7 NM vor uns auf AIS ein Kollege. Wie soll es mitten auf dem Pacific sein? Ein deutsches Segelboot, TRINITY.

Fidschi – Sototale – vom 30.9. bis 4.10.2016

Nachdem wir meinen gestrigen Geburtstag am Strand auf ‚Sarahs Insel‘ gefeiert haben, sind wir heute Nachmittag wieder im Dorf eingeladen. Heute gibt es Kava und Dinner. Es sind etwa 20 Erwachsene mit ihren Kindern bei Sarah und Kelly eingeladen, die so nach und nach eintrudeln. Mit der Zeit nimmt es hier niemand so genau.

Der Abend soll fĂŒr das Schulfest am nĂ€chsten Freitag Geld bringen.
Geld heißt in diesem Fall auch das wichtigste Zahlungsmittel sammeln, um hier im Shop einkaufen zu können: Kava-Bowls. Der Wert in Geld hĂ€ngt von der GrĂ¶ĂŸe der Holzschale ab und ist genau festgelegt. So werden diese Holzarbeiten gefertigt und wenn man etwas im Shop kaufen möchte, zahlt man mit den Kava-Bowls. Der Preis wird von den Indern festgelegt, die in ganz Fidschi mit diesen Souvenirs handeln. Wir rechnen uns aus, das die MĂ€nner auf Fulaga fĂŒr ihr Holzkunsthandwerk mit ein bis zwei FJD pro Stunde bezahlt werden, einschließlich des Materials.
Es werden also Kava-Bowls und Bargeld an diesem Abend gesammelt. Insgesamt errechnet Sarah am Ende des Abends einen Wert von 180 FJD, davon wird die HĂ€lfte fĂŒr Lebensmittel und die andere HĂ€lfte fĂŒr Kava ausgegeben werden.

Wie klein die Welt hier ist, wird uns an diesem Freitag Nachmittag besonders deutlich.
Die Kinder spielen vor dem Haus und setzen sich spĂ€ter zu den Frauen, wĂ€hrend die MĂ€nner um die große Kava-Bowl herum sitzen. Die Kinder sind nie laut, benehmen sich ausgesprochen wohlerzogen. Ansonsten werden sie sofort zur Ordnung gerufen. Dabei ist es völlig egal, von welchem der anwesenden Dorfbewohner. Alle werden von den Kindern gleichermaßen respektiert. Dass die Kinder streng gefĂŒhrt werden, war uns bereits am Sonntag in der Kirche aufgefallen. Jetzt sitzen einige Kinder neben mir, blĂ€ttern fasziniert durch die bunten Bilder einer Hochglanz-Zeitschrift. Einige Frauen lesen in Tageszeitungen, die wahrscheinlich schon einige Wochen alt sind. Eine der wenigen Möglichkeiten zu erfahren, was außerhalb der Insel passiert. Internet gibt es nicht, der Ă€ltere Fernseher im Wohnzimmer von Kelly und Sarah ist scheinbar nur Dekoration und ist mit einem Tuch abgedeckt. Dann gibt es noch drei Telefone im Dorf, um den Kontakt zur Außenwelt zu halten. Briefe gibt es nur alle vier Wochen, wenn die FrachtfĂ€hre kommt.
Sarah hat in der Hauptstadt selbstverstĂ€ndlich, wenn sie dort ist, eine Mailadresse, ein IPhone und ein Bankkonto. Kelly lebt jetzt seit 2000 wieder auf seiner Heimatinsel und hat nichts dergleichen. Die beiden sind weltoffen, interessiert und haben ihre Meinung zur Politik, zum indischen Bevölkerungsanteil und deren Verhalten, haben feste Vorstellungen, was ihrem Paradies Fulaga gut tut und was nicht. Auch PlĂ€ne fĂŒr ihre Zukunft haben sie, die sie vielleicht nach Neuseeland oder Australien fĂŒhren wird. Und Kelly Ă€ußert immer mal wieder, wie gut es sich hier leben lĂ€sst. Kommt die FĂ€hre nicht, gibt es trotzdem immer genug Obst, FrĂŒchte, Fisch und Muscheln, um die Inselbewohner zu ernĂ€hren. Keiner muss Not leiden. Und was man hat, wird geteilt. Sehr viel arbeiten muss man fĂŒr das Leben hier nicht. Kellys Lieblingsplatz ist in eine Mehr-Personen-HĂ€ngematte unten am Strand direkt hinter dem Haus. „Was will man mehr? Es ist das Paradies.“ Seiner Aussage gibt es wohl kaum etwas hinzu zu fĂŒgen.

Am Samstag haben wir die „Kelly-Family“ zu uns an Bord eingeladen. Die drei sind entsprechend der „Fidschi-Time“ pĂŒnktlich und Hermann holt sie vom Strand ab. Nach der Besichtigung der PACIFICO geht es Anker hoch und das kleine StĂŒck durch die Bucht zu ‚Sarahs Island‘. Sie war schon einige Jahre nicht mehr hier und freut sich deshalb besonders ĂŒber diesen Ausflug. Kelly kennt sich in der Lagune aus, wie in seiner „Westentasche“, weiß wo jeder Stein liegt, wo ein Riff oder eine Sandbank ist. Entsprechend sicher und auch ein bisschen stolz steuert er PACIFICO durch die Lagune.
Zum Lunch gibt es Chili con Carne mit Reis und frischem Knoblauchbrot, als Nachtisch frische Ananas, unsere letzte Wassermelone und Vanille-Joghurt. Bevor wir anfangen gibt es zunĂ€chst eine kurze Einweisung in unsere deutschen Essgewohnheiten: wir essen alle gemeinsam und wir essen mit Besteck, weil das Essen heiß ist und man sich sonst die Finger verbrennt. Wir lachen alle herzlich und es ist natĂŒrlich kein Problem.
Es ist ein toller Nachmittag, den wir mit den dreien verbringen. Viel zu schnell ist es Zeit den RĂŒckweg anzutreten, sie wohlbehalten am Strand wieder abzusetzen und uns einen der traumhaften AnkerplĂ€tze fĂŒr die Nacht und den nĂ€chsten Tag auszusuchen. Die anderen Boote sind mittlerweile alle am Landing vor Anker gegangen. Sicherlich wollen die anderen Yachties am morgigen Sonntag die Kirche besuchen. Da waren wir ja nun schon einmal und haben auf einen zweiten Kirchgang keine Lust.

Wir verbringen den Sonntag lieber in der Sonne und grillen abends am Strand. Unser Lagerfeuer aus der Glut der Grillkohle und gesammeltem trockenem Holz wird irgendwann von der kommende Flut ergriffen. Sie bringt es, trotz unserer Dammbauten im Sand, zum erlöschen. Zeit zurĂŒck zu rudern zu der in der Dunkelheit kaum auszumachenden PACIFICO und an Bord zu gehen.

Unser letzter Tag auf Fulaga ist angebrochen. Dienstag Morgen geht es Richtung Bay of Island im Norden. Noch einmal fahren wir nach ‚Sarahs Island‘. Wir haben die Erlaubnis uns dort Papaya zu pflĂŒcken. Danach geht es ins Dorf. Zum Abschied gibt es noch einmal Kava bei unserer Gastgeber-Familie. Vorher besuchen wir noch einmal den Chief, um uns auch von ihm zu verabschieden und uns fĂŒr die schöne Zeit hier zu bedanken. Sarah begleitet uns und hat wie immer ihre Augen und Ohren ĂŒberall. Sie ist mit Leib und Seele Insel-Krankenschwester und fĂŒhlt sich den Menschen hier nicht nur verbunden, sondern fĂŒhlt sich auch fĂŒr ihr Wohlergehen verantwortlich. Wie aufmerksam sie jederzeit ist, konnten wir bei jedem Dorfbesuch beobachten. Sogar als sie bei uns an Bord war und ein Boot schneller als ĂŒblich durch die Lagune fuhr, wurde sie sofort aufmerksam und machte sich Sorgen, dass etwas passiert sein könnte und sie nicht erreichbar ist.
Wir tragen uns ins GĂ€stebuch des Dorfes ein. Der Chief holt alte Fotos heraus und Sarah ĂŒbersetzt fĂŒr uns seinen Kommentar hierzu. Als jĂŒngerer Mann hĂ€tte er elf Jahre an dem Kanu aus Holz gearbeitet, das auf einem der Fotos abgebildet ist. Mit einem Steinkeil hat er damals solange das Holz bearbeitet, bis das Kanu fertig war. Und diesen Steinkeil schenkt er uns jetzt zum Andenken an Fulaga. Wir sind ĂŒberrascht und wissen gar nicht, wie wir zu dieser Ehre kommen.

Wir ĂŒbergeben unsere letzten Geschenke an unsere neuen Freunde, wĂ€hrend schon fleißig Kava getrunken wird. Kellys Bruder ist vorbei gekommen, der Pfarrer gesellt sich eine Zeitlang zu unserer Runde, die Crew der JOSHUA, eine Kusine Sarahs, die Großmutter Biju und wer gerade vorbei kommt. Kelly hat heute Morgen noch eine Schale als Abschiedsgeschenk fĂŒr uns geschnitzt, die uns nun ĂŒberreicht wird. SpĂ€ter musizieren die beiden BrĂŒder und singen Fidschi-Lieder zu unserem Abschied. Es ist alles sehr herzlich.
SOTOTALE NEXT YEAR! (nÀchstes Jahr sehen wir uns wieder!)
Ob es tatsĂ€chlich so sein wird, weiß keiner von uns. Unsere ReiseplĂ€ne fĂŒr das nĂ€chste Jahr sind noch offen und Sarah wird in Suva im kommenden Jahr eine Hebammen-Fortbildung machen. Kelly wird zwischendurch hierher zurĂŒck kommen, um ein Haus fĂŒrs Alter und fĂŒr seine Tochter zu bauen. Wir werden sehen.

Fast zuletzt haben wir noch einen Blick in den Dorf-Shop geworfen. Dort gibt es so gut wie nichts zu kaufen. Dagegen waren die kleinen GeschÀfte in Puerto Eden, Chile, die reinsten Luxus-SupermÀrkte. Und dort gab es schon wenig.
Wir hatten uns in Suva erkundigt, was auf den Inseln gebraucht wird und entsprechend eingekauft.
Hier ein Auszug: Kernseife/Blockseife zum WĂ€sche waschen, WĂ€scheklammern, MĂŒckenschutz, Streichhölzer, Milchpulver, Thunfisch in Dosen, Reis, Linsen, Mehl, Zucker, Kekse und Ă€hnliches. Gefreut haben sie sich auch ĂŒber Trinkschokolade, H-Sahne und Nudeln. Auf der Wunschliste fĂŒr nĂ€chstes Jahr steht ganz oben an Schokolade.
Unsere Gastfamilie hat uns nicht ein einziges Mal das GefĂŒhl gegeben, dass sie etwas von uns erwarten. Im Gegenteil. Wir sind nie mit leeren HĂ€nden aus dem Dorf zurĂŒck zum Boot gegangen. Mal waren es Papaya oder SĂŒĂŸkartoffeln, mal ein komplett fertig gekochtes Essen. Das mag auch daran liegen, das es ihnen finanziell gut geht, da Sarah mit ihrer SchwesterntĂ€tigkeit ein festes Einkommen hat. Was sie aus Suva brauchen, kauft ihr Vater dort zu gĂŒnstigeren Preisen ein und schickt es per Fracht mit dem monatlichen Schiff hierher. Das können sich die meisten Dorfbewohner nicht leisten. Auch wohnen unsere neuen Freunde in einem staatlichen Haus, dass stabiler und besser gebaut ist, als die teilweise sehr, sehr Ă€rmlichen WellblechhĂŒtten. Wir mögen gar nicht denken, wir sollten in so einer HĂŒtte ĂŒbernachten.

Begeisterung zeigten die Dorffrauen und Kinder, wenn wir mit dem Fotoapparat aufgetaucht sind. Viele baten darum fotografiert zu werden. Die Kinder hatte ich in einer Traube um mich herum, wenn ich ihnen die Fotos gezeigt habe, die ich gerade vorher von ihnen gemacht habe. Die Frauen waren nur wenig zurĂŒckhaltender als die Kinder und hatten mindestens genauso viel Spaß daran.
So sind alle Fotos auf einen USB-Stick kopiert worden, von dem Sarah dann in Suva sicherlich Fotos ausdrucken lassen wird. Zum ersten Mal bedauern wir wirklich, dass wir keinen entsprechenden Drucker und Fotopapier an Bord haben.

Fulaga ist einer der schönsten PlĂ€tze unserer Reise. Fernab vom Tourismus hat sich diese Insel einen Teil ihres ursprĂŒnglichen Charmes bewahrt und wird damit zur seltenen Perle. Was wir vorher von Fidschi gesehen und erlebt hatten, hatte uns etwas verwundert, denn es heißt bei vielen Seglern, dass Fidschi fantastisch sein soll. Eine Meinung, die wir bisher so nicht teilen konnten. Die Ankermöglichkeiten sind hĂ€ufig nicht richtig gut, oft wurden wir von den Resorts gebeten woanders hin zu gehen und auch die Menschen sind nicht so offen und freundlich, wie wir es bisher in der SĂŒdsee erlebt haben.
NatĂŒrlich freuen wir uns, wenn wir mal einen Kaffee oder Bier trinken gehen können oder gut einkaufen. Das ist dann auch schön. Aber es reizt uns nun einmal besonders, die Orte zu erleben, die vom Tourismus noch nicht verĂ€ndert wurden und auch die unberĂŒhrte Natur. Orte, die von der westlichen Welt noch nicht zu sehr geprĂ€gt wurden.
Wir ahnen, dass es manchmal sicherlich schwer nachzufĂŒhlen und zu verstehen ist, was wir auf unserer Reise erleben, wenn man beispielsweise in Deutschland lebt, eine schöne Wohnung oder Haus hat, gut eingerichtet ist, TV, Internet, Telefon, Waschmaschine, KĂŒhlschrank, Handy, Zeitung, Autos, SupermĂ€rkte, unzĂ€hlige GeschĂ€fte mit allem Möglichen um sich hat, Theater- und Kinobesuche selbstverstĂ€ndlich sind, man jederzeit alles bekommen kann. Ein vielleicht bequemes Leben in einem selbst gewĂ€hltem Umfeld lebt. Wir haben einen Teil dieses Lebens aufgegeben, als wir unser Zuhause aufgelöst, die Autos verkauft haben und an Bord gegangen sind. Die Schilderungen unserer Erlebnisse und EindrĂŒcke sind so, wie wir es wahrnehmen, unsere Sichtweise. Andere Reisende nehmen es anders war mit ihrem ganz persönlichem Fokus. Und wieder andere, die nach uns auf die Reise gehen, sollten unsere Berichte und unsere Erfahrungen nur als Idee nehmen und dann ihren ganz eigenen Weg finden, wollen sie diese Welt wirklich erleben.
Hier auf Fulaga wird die Zeit nicht still stehen. Die Chiefs sind unterwegs in Verhandlungen, um einen Sendemast fĂŒr TV, Mobiltelefon und Internet fĂŒr Fulaga zu erhalten. Es war fĂŒr uns besonders die Insel in ihrem Jetzt so zu erleben. Ein zurĂŒck in dieses Jetzt kann es vielleicht bereits im nĂ€chsten Jahr wohl schwerlich geben.

Kelly und Sarah haben uns gesagt, in Fidschi sagt man nicht „Good Bye“, sondern immer „Sototale“ – „Auf Wiedersehen!“

Fidschi – Fulaga – vom 23.9. bis 29.9.2016

Bei unserer Ankunft heute Morgen in Fulaga (gesprochen: Fulanga) haben wir bereits mit PACIFICO eine Runde durch die westliche Lagune gedreht, bevor wir am Landing des Hauptdorfes Moana-I-Cake vor Anker gehen. Hauptdorf wohl in erster in Linie deshalb, weil hier der Chief zu finden ist, zu dem wir fuer das Seusevu muessen. Fulaga ist voellig anders, als die Inseln, die wir bisher in der Suedsee kennen gelernt haben. Die Lagune ist umgeben von einer niedrigen Gebirgskette, nach Norden offen, dort wo sich auch zwischen den Riffen die schmale Zufahrt vom Pacific in dieses Inselparadies befindet. Die Lagune ist eher flach, ueberwiegend unter 10 m tief, mit einem hellen sandigen Boden. Im Westen ist die Lagune bis zur kleinen Gebirgskette weit und offen. Doch der weitestgehende Teil ist gepraegt von kleinen und groesseren Inseln, aehnlich dem aeusserem felsigen Ring mit seinem dicht bewachsenem Dschungel. Die kleinen Inseln sehen hauefig aus wie spitze Pilzkoepfe oder die Daecher von runden Dschungelhuetten. Dort, wo die Flut die felsigen Inseln umspuelt, sind sie im Laufe der Jahrtausende immer schlanker geworden, so das der obere Teil manchmal mehrere Meter Schatten spendend ueber dem Wasser haengt. An den groesseren Inseln steigt der Lagunenboden zu weissen Straenden aus dem Meer empor. Durch den hellen Sand leuchtet das Wasser der Lagune in vielen Blau-, Tuerkis- und Gruentoenen, unterbrochen von fast weissen Sandstraenden, den Felsen und der Farbenpracht des Dschungels. Ein Seglerparadies, das unzaehlige Ankerplaetze bietet und uns eine bisher so nicht erlebte Vielfalt. Nach 9.00 Uhr morgens machen wir uns vom Landingplatz auf den etwa 20 minuetigen Fussweg durch den Dschungel ins Dorf, das auf der Suedseite der Insel liegt. Am ersten Haus auf der linken Seite des Weges treffen wir auf Kelly, der uns freundlich begruesst. Er laedt uns ein naeher zu treten. Wir lernen seine Frau Sarah und ihre Grossmutter Biju kennen. Biju kommt immer dann zu ihnen, wenn Sarah Unterstuetzung im Haus benoetigt, wie wir spaeter erfahren. Sie haben auch eine neunjaehrige Tochter, die jetzt im Moment natuerlich beim Unterricht in der Inselschule weiter hinten im Dorf ist. Wir sind gekommen um Sevusevu zu machen. Mit unserer Kleidung haben wir uns an das gehalten, was in den Seglerberichten und Buechern steht: von der Kleidung bedeckte Knie und Schultern, keine TShirts sondern Bluse oder Hemd, keine Huete, keine Sonnenbrillen und keine Rucksaecke. Unsere Sachen haben wir in einem Stoffbeutel, den wir in der Hand tragen und nicht ueber der Schulter. Hermann hat zum Schutz seiner Kopfhaut vor der Sonne einen Regenschirm dabei, traegt seinen Tongasarong mit passendem Hemd. Fuer die Dorfbewohner sieht er in dem Aufzug aus wie ein hoher Regierungsbeamter, wie wir hinterher erfahren. Smiley Emoticon Kelly geht mit uns zum Chief fuer die Sevusevu- Zeremonie. Wir haben unser Kava-Geschenk, 50 FJD gewuenschte Spende und auch unsere Cruising-Erlaubnis dabei. Letztere wird von Chief, einem weisshaarigen Gentleman, nach der Begruessung als erstes begutachtet. Kelly uebersetzt, was so gesprochen wird. Leider nicht alles, was der Chief erzaehlt, was wir sicherlich interessant gefunden haetten, Kelly aber wohl fuer nicht wichtig haelt. Nach Uebergabe unserer Geschenke werden die ueblichen Begruessungs- und Aufnahmeformeln gesprochen, begleitet von dem Haendeklatschen, dass dazu gehoert. Einklarierung im Dorf auf fidschianisch eben. Das haetten wir geschafft und erledigt. So schlimm war es gar nicht und eigentlich sogar ganz nett. Jetzt sind wir gespannt, wie es mit der Gastgeber-Familie laufen wird. Da kann ja noch etwas auf uns zukommen, dem wir vielleicht lieber aus dem Weg gehen wollen. Kelly zeigt uns erst einmal das Dorf mit der Schule, der Methodisten-Kirche, Wellblech-, Holz- und Steinhuetten, der kleinen Post und der Schwesternstation. Die Krankenschwester, einen Arzt gibt es nicht, fuer die drei Inseldoerfer und die Doerfer einiger Nachbarinseln ist seine Frau Sarah, erzaehlt er uns ganz stolz und er waere der Boss. Zwinkerndes Smiley Emoticon Als Hermann nachfragt, wie es jetzt mit der Gastgeber-Familie sei, meint er, er denke, dass es seine Familie sei. ‚Sicher? Glauben oder wissen?‘ Er sei eigentlich sicher. Es stellt sich heraus, dass das ‚eigentlich sicher‘ dann sicher ist, nachdem er mit Sarah gesprochen hat und sie auch einverstanden ist. Aha, Sarah und Kelly sind jetzt unsere Gastgeber-Familie. Sie bitten uns ins Haus, doch wir wollen lieber draussen im luftigen Schatten bleiben. Also werden fuer uns zwei Stuehle aus dem Haus geholt und in den Schatten gestellt, waehrend die Frauen es sich auf dem Boden und Kelly in einem alten Drehstuhl bequem machen. Als Begruessung-Cocktail bekommen wir frische Kokosnuesse gereicht, die Kelly auf dem Rueckweg zum Haus von einer Palme mit einem langen Stab gepflueckt hat. Die Trinkhalme dafuer schneidet er aus den Stengeln von Papayablaettern. Durch den Halm zu trinken, laesst den gruenen suessen Kokossaft irgendwie angenehm fruchtig schmecken. Wir werden fuer den Sonntag zum Lunch nach der Kirche eingeladen. Kontakt werden wir ueber das Funkgeraet der Schwesternstation "Fulaga Radio" halten. Zum Abschied bekommen wir zwei Papaya geschenkt und sollten wir sonst irgend etwas benoetigen, wir wuerden es von ihnen bekommen. Zurueck an Bord lichten wir direkt den Anker, cruisen durch die oestliche Bucht, bis wir einen schoenen Ankerplatz fuer diesen Nachmittag und die kommende Nacht finden. Zeit unsere erste Eindruecke nachwirken zu lassen. Wir kommen zu dem Schluss, dass alles doch viel netter ist, als erwartet und wir bestimmt eine sehr nette Gast-Familie haben werden. Am Samstag lassen wir uns es gut gehen, suchen uns einen weiteren schoenen Platz fuer den Tag. Im Laufe des Tages erreicht ein weiteres Boot die Insel. Die LOBSESSION, die auf dem Weg nach Tonga ist. Schade, nun sind wir nicht mehr allein. Naja, hier ist ja soviel Platz, dass es eigentlich dann doch nichts ausmacht. Doch wir haetten es schon gerne noch einige Zeit genossen, dass einzige Boot hier zu sein. Das Wetter ist sonnig schoen, blauer Himmel und kaum Wind. Hier zu sein ist einfach wunderbar. Hier gibt es keine Resorts, nur die Inseldoerfer. Das Versorgungsschiff kommt nur einmal im Monat. Wenn es sich dann auch noch um weitere Tage verspaetet, wie diesmal, gibt es im Dorfladen keinen Zucker und kein Mehl zu kaufen. Dann leben die Menschen hier von dem, was die Natur ihnen gibt, also von Fisch, Muscheln und dem, was sie in ihren Gaerten anpflanzen, wie Kasava, Kuerbis, Papaya, Brotfrucht, Suesskartoffeln. Ausserdem soll es ein paar Huehner und Schweine geben, die im Dorf aber nicht zu sehen sind. Wasser kann auch schon mal eng werden, wenn es nicht genuegend regnet. Quellen gibt es nicht. Doch Kelly sagte, dass sie gut leben, auch wenn die meisten Fremden, die her kommen, dass nicht verstehen koennen. Es waren auch einmal Leute hier, die ein Resort bauen wollten. Doch die Verhandlungen sind dann irgendwann im Sande verlaufen. Im Laufe der Woche wird uns klar, dass der Bau und Betrieb eines Resorts, den Menschen hier zwar Geld und Arbeit bringen wuerde, aber es wuerde ihnen auch ihre Freiheit nehmen. Es gibt hier jede Menge Feierlichkeiten im Laufe der Woche, grosse und kleine, wie zum Beispiel der einhundertste Tag nachdem jemand verstorben ist, eine Baby-Party aehnlich einer Taufe, die Vorbereitung fuer eine Schulfeier oder einen nationalen Feiertag, die dann jeweils ja auch gefeiert werden. Neben dem Essen, dass dann fuer das ganze Dorf oder alle drei Inseldoerfer gekocht und gegessen wird, heisst feiern auch von morgens bis spaet in die Nacht Kava-trinken und manchmal auch singen und tanzen. Traditionelle fidschianische Taenze sind rythmische Bewegungen im sitzen und offenbar nicht die Hueften schwingenden Damen, wie beispielsweise auf den Marquesas. Fuer die Nacht zum Sonntag haben wir einen Ankerplatz gewaehlt, von dem aus wir in einer viertel Stunde am Landing sind, damit wir am Sonntag Morgen nicht so frueh aufstehen muessen. Nachts gegen 23.30 Uhr, es ist draussen eigentlich stockfinster, leuchtet ploetzlich etwas in unsere Kabine hinein, es wird an die Bordwand geklopft und gerufen. Hermann schiesst aus dem Schlaf hoch um draussen nachzusehen, was da los ist. Schliesslich ist bei uns alles offen, wenn wir schlafen. Es ist das fidschianische Crew-Mitglied der LOBSESSION. Er ist mit dem Dingi unterwegs und kann sein Boot in der Dunkelheit nicht finden. Hermann versucht, so gut es geht, ihm zu erklaeren, in welche Richtung er fahren muss. Allerdings braucht der junge Mann eine Weile, um es zu verstehen und dann doch in die falsche Richtung davon zu fahren. Eine dreiviertel Stunde irrt er in der Lagune herum, faehrt spaeter auch noch einmal an PACIFICO vorbei, und dann ist irgendwann Ruhe. Nach 1.00 Uhr morgens soll er dann auch sein Boot tatsaechlich gefunden haben und wieder an Bord gewesen sein. Wir brauchen zwei Tage, um zu verstehen, was da passiert ist. Zunaechst nehmen wir an, der Fidschianer hat zu viel Kava getrunken. So meint es Kelly aus dem Dorf. Doch dann wird uns klar, dass er ja gar nicht wusste, dass wir fuer die Nacht umgeankert haben. Und von unserem Ankerplatz tagsueber waere er durchaus in die richtige Richtung gefahren. Erstaunlich ist nur, dass er PACIFICO in der Dunkelheit gefunden hat, denn wir hatten nicht einmal ein Ankerlicht an. Zwinkerndes Smiley Emoticon Am Sonntag Morgen sind wir puenktlich um 9.00 Uhr bei Kelly. Puenktlich nach deutschen Zeitmassstaeben. Viel zu frueh nach fidschianischen Massstaeben. Das mit der Zeit wird Sarah uns noch mehrmals in dieser Woche erklaeren, doch wir sind trotzdem immer puenktlich viel zu frueh da. Smiley Emoticon Kelly geht nicht mit zur Kirche sondern kocht den ganzen Vormittag fuer unseren Lunch. Der Gottesdienst ist aus unserer Sicht nicht so stimmungsvoll froehlich, wie auf Tahuata, Marquesas, was wohl der Methodisten Religionsgemeinschaft zuzuordnen ist. Trotzdem ist es von den Gesaengen her sehr schoen. Wir werden sogar waehrend des Gottesdienstes besonders begruesst und willkommen geheissen. Eine sehr nette Geste. Fuer den Lunch wird draussen unter einem Schatten spenden Blechdach auf der Sitzmatte ein Tischtuch ausgebreitet und eingedeckt. Unsere Plaetze sind unschwer zu erkennen. Es sind die einzigen, an denen auch Messer und Gabel neben dem Teller liegen. Die lauwarmen Speisen sind schmackhaft und sehr vielfaeltig. Kein Wunder, dass Kelly dafuer den ganzen Vormittag benoetigt hat. Es gibt verschiedene Variationen von Fisch, Muscheln, Chinesische Nudeln, Suesskartoffelblaetter in Kokos, Kasawa und auch richtige Kartoffeln. Und keiner am Tisch isst, bevor wir nicht alles probiert haben und mit dem Essen fertig sind, was fuer uns schon ein etwas seltsames Gefuehl ausloest. Da wir Wuensche aeussern duerfen, jedoch nicht wirklich Fisch moechten, fragen wir nach einer Languste. Kein Problem. Also geht es am Montag zum Fischen. Hermann wird Montag am spaeten Vormittag von Kelly und seinem Freund Tonga mit dessen Boot abgeholt. Nach ein paar Stunden, in denen die drei sich wohl zum tauchen und schnorcheln in der ganzen Lagune herum getrieben haben, kehren sie auch tatsaechlich mit einem ziemlich grossen Exemplar einer Languste zurueck. Hermann wird samt Languste wohlbehalten an Bord der PACIFICO wieder abgeliefert, bevor sich die beiden Freunde wieder aufmachen. Sie wollen sich ein Netz leihen, um noch einige Fische zu fangen. Am Dienstag laufen fuenf weitere Boote in die Lagune und ankern in Sichtweite. Nun sind wir wirklich nicht mehr allein. Nachmittags nehmen wir einen frisch gebackenen Kuchen mit ins Dorf. Dort wird gefeiert und wir sind herzlich eingeladen, daran teilzunehmen. Der Kuchen wird uebrigens in winzige Stuecke geteilt, so das moeglichst viele davon etwas bekommen. Diese Feier ist eine Gelegenheit fuer Hermann auch einmal Kava zu probieren, das ueberwiegend von den maennlichen Anwesenden getrunken wird. Ein Aufguss nach dem anderen wird bereitet, in die grosse, in der Mitte stehenden Kava-Bowl geschuettet und dann schaelchenweise an die Anwesenden verteilt. An Maenner und Frauen. Wer mag. Uns beeindruckt insbesondere die Menge, die hier an Kavawurzeln verarbeitet wird, da wir doch wissen, was ein Kilo davon auf den Maerkten kostet. Und auf Fulaga waechst hiervon nur sehr wenig. Was hier heute vertrunken wird, ist am Samstag mit dem Versorgungsschiff gekommen. Auch am Mittwoch sind wir wieder im Dorf. Heute wird ein Baby gefeiert. Es sind die Chiefs und Gaeste aus den drei Doerfern im Village. Gefeiert wird im Haus der grossen Chiefs, wo es auch Reden und eine Tanzvorfuehrung gibt, und natuerlich Kava und in den Haeusern der jungen Eltern. Die Frauen treffen sich an verschiedenen Plaetzen, viele haben ein kleines Geschenk fuer das Baby dabei. Nach der festlichen Zeremonie im Hause des Chiefs zu Ehren des kleinen Erdenbuergers, versammeln sich die Frauen im Haus der Mutter. Die Geschenke werden auf den Boden in die Mitte gelegt. Es sind wohl an die vierzig Frauen in dem Raum. Und dann wird das Baby von Frau zu Frau gereicht und von jeder gekuesst und geherzt. Am meisten hat es mich erstaunt, dass das kleine Wesen diese Zeremonie voellig entspannt und ohne zu quengeln ueber sich ergehen laesst. Der Pfarrer und der Kindsvater tauchen kurz auf und es werden segensreiche Worte gesprochen. Danach wird von den Frauen das Mittagessen zubereitet und verteilt. Auch wir sind natuerlich zu Fisch, Muscheln, Kartoffeln und gruener Papaya eingeladen, bevor wir uns dann am fruehen Nachmittag verabschieden. Die Feier im Village wird noch bis weit in die Nacht gehen. Wir suchen uns einen Ankerplatz vor der Insel, die eigentlich einmal ein Resort werden sollte. Es ist wohl die groesste der Inseln in der Lagune. Am heutigen Donnerstag erkunden wir die Insel, gehen schwimmen und bereiten am Strand die brasilianischen Pasteten. Auch wenn heute die Sonne nicht scheint, oder vielleicht auch gerade deshalb?, ist es angenehm warm und nicht zu heiss. Wir ueberlegen, wie so ein Resort hier wohl aussehen wuerde, was es alles braucht, damit Menschen an so einem wunderschoenen Ort einen sehr exklusiven und teuren Urlaub verbringen. Eine guenstige Urlaubsvariante koennen wir uns aufgrund der Transportschwierigkeiten und der damit verbundenen Kosten nicht vorstellen. Zu weit liegt die Insel von der Hauptinsel entfernt. Und irgendwie sind wir doch ganz froh, dass wir hier ganz allein sitzen koennen, dass es kein Luxusresort gibt oder in naechster Zukunft geben wird.

Fidschi – gegen den Wind – vom 18.9. bis 23.9.2016

Sonntag ist Bummeltag. Wir faulenzen den ganzen Tag in der Sonne vor Likuri Island. Gestern Abend durften wir im Robinson Crusoe Island Resort eine tolle Show erleben. Fr 30 FJD pro Person (etwa 13,50 ) fuer das Essen war die Show inclusive. Die angebotenen Speisen, verschiedene Fleischsorten, Gemuese, Kartoffeln usw. waren durchaus nicht schlecht, nur fuer unseren Geschmack nicht heiss genug, also nur lauwarm, und voellig ungewuerzt. Jedoch sind wir hauptsaechlich wegen der Show dort gewesen. Und die ist absolut sehenswert. Etwa eineinhalb Stunden Unterhaltungsprogramm mit Darstellung der Geschichte, wie die Inseln bevoelkert wurden. Hueftschwingende Suedseedamen, auch traditionelle Taenze und der Fire-Dance, der in den 1940ern von Samoa nach Fidschi gebracht wurde. Das alles in einer authentischen Atmossphaere vor einer Bambushuette und am Strand im Fackelschein. Ob die Show nun tatsaechlich auch die Kultur der Fidschianer darstellt, bleibt offen und fuer uns fraglich. Aber man darf ja mal traeumen und so ist es ein bisschen Suedsee, wie wir sie uns vorstellen. Was uns mittlerweile jedoch auch klar ist, dass die Fidschianer nicht so stolz auf ihre eigene Kultur sind, wie die Samoaner. Auf Samoa wird die Kultur hochgehalten und den Touristen praesentiert. Hier in Fidschi haben wir bisher den Eindruck, dass Kultur durch den Tourismus verloren geht. Moeglicherweise auch bedingt durch ihre eigene Geschichte. Stammt die Ur-Bevoelkerung aus Asien und Afrika, haben heute die Inder massgeblichen Einfluss und machen wohl fast die Haelfte der Bevoelkerung aus. Und auch politisch ist der Einfluss der Inder wohl sehr stark. ‚Fruitsalad‘ ist in diesem Zusammenhang uebrigens keine Speise, sondern ein aus unterschiedlichen Voelkern abstammender Mischling. Der Wind soll in der kommenden Woche weniger werden. Eine gute Chance nach Osten zu fahren, vielleicht sogar bis zur suedlichen Lau-Gruppe, einer Inselgruppe zwischen Tonga und Fidschi, die durch den bestaendig wehenden Sued-Ost-Passat nur schwer zu erreichen ist. Fast kein Wind bedeutet fuer uns, dass wir die rund 200 Meilen von Suva zur Lau-Gruppe motoren koennten, denn dorthin zu segeln, ist so gut wie unmoeglich. Kurz nach 6.00 Uhr am Montag Morgen verlassen unseren Ankerplatz vor Likuri. Es ist fast windstill. Aufgrund unserer Erfahrungen in der letzten Woche ist davon auszugehen, dass der Passat uns spaetestens gegen 10.00 Uhr so stark entgegen blaest, das wir uns eine schuetzende Bucht fuer die kommende Nacht suchen werden. Wie viele Meilen wir bis dahin geschafft haben werden, bleibt abzuwarten. Mit dieser Taktik wollen wir uns an der Suedkueste der Hauptinsel Viti Levu bis Suva, Fidschis Hauptstadt, durchhangeln. Wie viele Tage werden wir wohl fuer die rund 80 Meilen in kleine Etappen brauchen? Hinter uns ist mittlerweile die TOUCAN unterwegs. Sie waren die letzte Nacht vor Likuri mal wieder unsere Nachbarn. Das erste mal haben wir sie in Fatu Hiva im vergangenen Jahr getroffen. Ihr Ziel ist die Insel Beqa, rund 25 Meilen suedwestlich von Suva. Wir schauen uns das auf der Karte an. Die Insel waere eine moegliche Alternative zur Lau-Gruppe, wenn der Wind dann doch nicht den Vorhersagen entsprechen sollte. Um kurz nach 9.30 Uhr brist der Wind aus Sued-Ost tatsaechlich auf. Also heute ist noch nichts mit Windstille und so steuern wir die schoene Sovi-Bay an, in der wir relativ gut geschuetzt vor den Pacificschwell fuer die Nacht vor Anker gehen. Kaum eine Stunde spaeter liegt auch die Toucan in unserer Nachbarbarschaft. Sie hatten wohl auch keine Lust gegen Wind und Welle anzustampfen. Am Dienstag Morgen sind wir schon vor 6.00 Uhr unterwegs. Wir wollen jede Minute ohne, oder zumindest fast ohne, Wind nutzen, um voran zu kommen. Fuer die Nacht moechten wir die Inselgruppe um Beqa erreichen. Das waere schon toll. Es ist sonnig und schoen, der leichte Wind ist im Winkel fuer uns so guenstig, dass wir motorsegeln koennen und so gute Fahrt machen. Wir halten, wie immer Ausschau nach Delphinen, Walen, Schildkroeten. Doch so viele Wale, wie letztes Jahr in Tongas, gibt es hier nicht. Und gerade als Hermann sagt, "keine Wale in Sicht", tauchen etwa 200 Meter von uns entfernt ein paar Finnen aus dem Wasser auf. Delphine? Dann muessten sie gleich auf uns zu schwimmen. Tun sie aber nicht. Also fahren wir auf sie zu. Es ist eine Gruppe kleiner Pilot-Wale. Wir zaehlen etwa 40 bis 50 Stueck, die in der gleichen Richtung, wie auch wir unterwegs sind. Gemaechlich tauchen die feucht-schwarz im Sonnenlicht glaenzenden Tiere immer wieder aus dem Wasser auf, schwimmen in kleineren Gruppen ganz dicht beieinander. Kommen wir ihnen zu nahe, tauchen sie einfach unter PACIFICO durch. Vom Bug aus kann man in der Tiefe des Meeres schemenhaft ihre Leiber erkennen, wie sie zuegig unter uns hinweg gleiten. Als wir Beqa erreichen ist es noch Vormittag. Der Wind ist so guenstig, dass wir beschliessen noch die letzten 25 Meilen bis Suva zu fahren. So haben wir gut Zeit, am Donnerstag und Freitag die vorhergesagte Windstille fuer unsere Fahrt zur Lau-Gruppe zu nutzen. Und die Vorhersagen scheinen ja tatsaechlich zu stimmen. Wir erreichen Suva gegen 15.00 Uhr. Zeit genug um noch auf dem Markt, der bis 17.00 Uhr geoeffnet hat, einzukaufen. Denken wir. Doch so einfach, wie man glauben sollte, ist es nicht. Wir wollen in der Suva Royal Yachtclub Marina festmachen. In erster Linie aus Sicherheitsgruenden. Denn Philip von der BLUE BIE hatte uns erzaehlt, als er hier vor Anker lag, war ihm ein Laptop vom Boot gestohlen worden. Auf solche Erfahrungen haben wir nun so gar keine Lust. Also in die bewachte Marina. Wir melden uns dort ueber Funk an und fragen nach einem Liegeplatz. Freundlich, mehr oder weniger, sagt man uns, wir muessen vor der Marina ankern, erst einmal mit dem Dingi an Land kommen und dann mit dem Manager sprechen, ob wir einen Liegeplatz bekommen koennen. Royal Yachtclub eben. Nach etwa einer Stunde ist Hermann zurueck, hat 100 FJD bezahlt fuer eine Nacht Liegeplatz und einen vollen Monat Nutzung der Facilities. Fuer den Markt ist es jetzt zu spaet, aber vielleicht ist noch Zeit einen Latte Coffee und ein Bier in der Marina? Nachdem wir in der Marina vor Anker gegangen sind, und mit dem Heck am Schwimmsteg liegen, geht es heute also doch noch an Land. Oooooookkkkkkkk. Royal Yachtclub in Suva. Hier hat man die besten Zeiten wohl ganz, ganz frueher irgendwann gehabt. Zwinkerndes Smiley Emoticon Die meisten Boote und auch die Steganlage sind nicht gerade in dem besten Pflegezustand. Und die Bar und ueberhaupt die ganze Clubanlage ist nun wirklich nichts besonderes. Dagegen ist die Vuda Point Marina Luxus pur und viel, viel netter. Na, wir werden wohl nur eine Nacht bleiben. An der Bar treffen wir die vier Amerikaner, mit denen wir in Savusavu, an einem der Abende dort, bereits einmal Pizza essen waren. Pam und Ted haben auch eine Moody, die ROUNDABOUT II. Die vier kommen mit ihren beiden Booten gerade von der Lau-Gruppe zurueck. Pam erzaehlt uns mit leuchtenden Augen, wie schoen es dort gewesen ist und was sie dort alles erlebt haben. Dort muesste man unbedingt hin. Ihre Begeisterung wirkt auf uns ansteckend. Doch abends kommen bei uns im Gespraech auch wieder Bedenken hoch. Neben Sevusevu, also dem Kava-Geschenk, zahlt man in Fulaga beispielsweise 50 FJD an den Chief. Geld wird doch wohl nicht der Tradition entsprechen, oder? Allerdings wird dort nebenbei wohl nicht das Handy klingeln, da es in der Lau-Group keinen Empfang gibt, wie es eben auch kein Internet geben wird. Auf Fulaga, so hat Pam es erzaehlt, bekommen wir eine Gastgeber-Familie zugewiesen, die sich um uns kuemmert. Also uns zum Essen einlaedt, mit uns Ausfluege unternimmt und uns so dies und das zum Leben auf den Inseln erzaehlen kann. Auch hat Pam gesagt, dass man dort fuer Zucker und Mehl sehr dankbar waere, denn das Versorgungsschiff kommt nur einmal im Monat, und auch dann ist nicht immer alles dabei, was eigentlich benoetigt wird und gebracht werden sollte. Bei uns macht sich einfach ein ungutes Gefuehl breit. Wir geben gerne. Grundsaetzlich. Doch wir moegen nicht das Gefuehl, abgezockt zu werden oder das uns Tradition vorgegaukelt wird, (Kava kostet mittlerweile das doppelte von dem was es vor drei Jahren noch gekostet hat), die nicht wirklich mehr authentisch gelebt wird. Wir fuehlen uns hin- und hergerissen, was sich die naechsten Tage auch etwas auf unsere Stimmung niederschlaegt. Und diese Geschichte mit der vom Dorf organisierten Gastgeber-Familie. Wir wissen nicht, ob wir das so wollen und ob wir das gut finden. begin: Am Mittwoch Morgen beschaeftigt uns zunaechst jedoch ein ganz anderes Problem. Die verschmutzte Dieselleitung und auch der Filter, die in der letzten Woche fuer Aerger gesorgt hatten, lassen uns noch nicht los. Hermann moechte einmal in den Dieseltank schauen, ob dort noch alles so sauber ist, wie in Port Montt im letzten Jahr. Dort hatte er das letzte mal nachgeschaut. Diesmal sind wir beide etwas fassungslos, als wir den grossen Tank oeffnen. Wie geplant ist er fast leergefahren und wir muessen nur noch die letzten sechs Liter abpumpen. Was aber an schmutzigen kleinen Klumpen an den Waenden und am Boden klebt ist unglaublich. Mindestens einen Kaffeebecher voll von diesem Zeug holen wir in der naechsten Stunde aus dem Tank. Kein Wunder, dass bei der Menge auch etwas die Leitungen verstopft hat. Drei Papierrollen und viele Schweisstropfen spaeter ist es dann geschafft. Alles wieder gut. Am Nachmittag wird der Tank kontrolliert mit 300 Liter sauberem Diesel fuer die naechste Reiseetappe neu befuellt. Den restlichen Vormittag verbringen wir in Suva. Der erste Eindruck laedt uns nicht ein, hier laenger als unbedingt noetig, zu bleiben. Also nur Einkaufen und verproviantieren. Dann zurueck zum Boot und alles verstauen, waehrend Hermann den Dieseltank befuellt. Wir erfahren, das den Amerikanern, die vor der Marina vor Anker liegen, in der letzten Nacht ein Aussenborder gestohlen wurde. Auch auf der ROUNDABOUT sollen die Diebe wohl gewesen sein, wurden dann aber irgendwie gestoert, bevor sie etwas mitnehmen konnten. Diebstahl, wie er trotz Wachpersonal, auch in der Marina vorkommen soll. Hier muessen wir nicht bleiben. Nachdem wir soweit klar sind, Anker hoch und erst einmal aus der Marina heraus. Waehrend wir aus der geschuetzten Landecke heraus fahren, stellen wir fest, das der Wind in der Bucht ganz kraeftig aus Sued-West weht. Unser Wind!!! Nicht vorhergesagt, aber die beste Voraussetzung fuer unsere Fahrt Richtung Osten. Deshalb ist es uns zunaechst auch egal, dass Yan jetzt wieder Hitzeattacken bekommt und wir ihn ausschalten muessen. Wir segeln. Und das bei bestem Wind. Raus aus der Bucht von Suva Richtung Fulaga, eine der suedoestlichsten Inseln der Lau-Gruppe. Erst am naechsten Morgen geht Hermann der Ursache fuer die Motorueberhitzung auf den Grund. Er findet zwei Leckagen, aus denen Kuehlfluessigkeit austritt. Danach ist der Schaden schon bald behoben und Yan hoffentlich endgueltig zukuenftig ohne weitere Ueberhitzung. Der Westwind haelt vor und beschert uns eine angenehme Reise. Achtunddreissig Stunden, (wir mussten nachts mal wieder abbremsen um nicht zu frueh anzukommen), nach unserer Abfahrt in Suva erreichen wir am fruehen Freitag Morgen die fuenfzig Meter schmale Riffeinfahrt von Fulaga und gehen um 8.00 Uhr in der Lagune vor Moana-I-Cake vor Anker. Schon unser erster Eindruck von Fulaga macht uns klar, dass sich diese Reise gelohnt hat, auch wenn wir immer noch mehr als skeptisch sind bezueglich dieser Geschichte mit dem Sevusevu und der Gastgeber-Familie.

Neuseeland – Here we come … – 15.10 bis 22.10.2015

Nach nur einer Nacht lichten wir Donnerstag morgens gegen 9.00 h gemeinsam mit der SALMON und der TWIGA Anker, verlassen das Minerva Riff und machen uns bei guten WindverhĂ€ltnissen auf nach Neuseeland. Es sind rund 900 Meilen, die wir noch zurĂŒck zu legen haben, um unser diesjĂ€hriges Etappenziel zu erreichen. Also, verglichen mit der in diesem Jahr zurĂŒck gelegten Strecke, nur noch ein Katzensprung von 6 bis 9 Tagen.
Unsere Zeit auf diesem Törn ist geprĂ€gt vom Wetter. Sind die ersten zwei Drittel der Strecke relativ unkritisch. Das letzte Drittel vor Neuseeland kann es dann jedoch noch richtig in sich haben. In Neiafu haben wir gelernt, welche Wetterbedingungen gĂŒnstig fĂŒr die Reise von Tonga nach Neuseeland gĂŒnstig sind und was man beachten sollte. Doch das Wetter verhĂ€lt sich aktuell einfach nicht so, dass es planbar ist. Es benimmt sich in keiner Weise so, wie es sich regulĂ€r verhalten sollte, um die Reise wettertechnisch sicher planen zu können. Das einzige, was wir sicher zu wissen glauben, ist, dass es keinen verspĂ€teten Wintersturm vor Neuseeland geben soll. FĂŒr uns der Grund, diese letzte Etappe ohne weitere Verzögerung anzutreten. Unterwegs ist in Funkrunden das Wetter deshalb Thema Nummer eins. TatsĂ€chlich vorhersagen lĂ€sst es sich, wie wir im Laufe der Woche dann feststellen, nur fĂŒr maximal zwei Tage. Alles andere ist mehr ein „Kaffeesatz lesen“ aus den vielfĂ€ltigen Informationen, die wir erhalten. Letztendlich verlassen wir uns auf unser Kompetenz-Centrum in Hamburg im Abgleich mit unseren Standard-Wettergribs. Und nachdem wir dann erst einmal unterwegs sind, ist es dann einfach so wie es ist und wir machen das Beste daraus.
Die erste Strecke legen wir so schnell zurĂŒck, dass wir unsere Ankunft schon fĂŒr den kommenden Mittwoch planen. Doch das Wetter vor Neuseeland macht da nicht ganz mit 😉 Es sollen leichte SĂŒd- bis SĂŒdwestwinde kommen. Das bedeutet fĂŒr uns, genau gegenan segeln. Vorsichtshalber kĂŒndigen wir unsere Ankunft also fĂŒr Mittwoch oder Donnerstag bei den Behörden in Neuseeland an, und sind dann gespannt, ob wir das wirklich schaffen werden.

Wir sind zu unserer alten Gewohnheit zurĂŒck gekehrt und kochen wĂ€hrend dieser Reise wieder zweimal tĂ€glich. Schliesslich wollen wir nicht so viel wegwerfen und unsere vielen VorrĂ€te lieber statt dessen aufessen 🙂 Lieblingsdessert sind gebackene Bananen mit Zimt und Zucker, denn uns begleitet am Heck von PACIFICO mal wieder eine ganze Bananenstaude, die verzehrt werden will. Auch hatten wir ja reichlich GemĂŒse in Nukualofa gekauft, da wir nicht wussten, wie lange wir uns in Minerva aufhalten wĂŒrden. Und zwei TĂŒten Kartoffelchips hatten dann auch den Weg zu uns an Bord gefunden. Beim Verzehr stellen wir dann fest, dass die in Tonga gekauften Chips aus Deutschland stammen. So klein ist die Welt!
Hermann ist also ziemlich beschĂ€ftigt mit allem, was unter Deck zu tun ist. Also insbesondere in der KombĂŒse. Aber auch der Mailkontakt mit der Familie, Freunden, Wetterabfragen und die Funkrunden wollen tĂ€glich erledigt sein.
Und wer keine Arbeit hat, macht sich welche. Eine kleine Unachtsamkeit und schon lĂ€uft der SpĂŒlwasserkanister des Wassermachers ĂŒber. Der Schaden ist kaum der Rede wert, doch sind viele Sachen nass oder zumindest feucht geworden, die jetzt ĂŒber und unter Deck zu trocknen ausliegen. Kurzfristig sieht PACIFICO aus wie ein kleines Schlachtfeld.

Auf der letzten Segelstrecke kommt dann der angekĂŒndigte SĂŒdwind. Uns das gar nicht so schwach, wie angekĂŒndigt. In den Spitzen blĂ€sst der Wind dann schon mal mit 25 Knoten. Wir können nur ablaufen. Nachts legen wir weit ĂŒber 50 Meilen zurĂŒck, um am nĂ€chsten Morgen dann jedoch 15 Meilen weiter von unserem Ziel entfernt zu sein, als am Vortag. Den Mittwoch als Ankunftstag in Neuseeland können wir nun also getrost streichen. Vor Donnerstag wird es jetzt bestimmt nichts. Da heisst es, nicht ungeduldig werden und darauf zu warten, das entweder der Wind in eine gĂŒnstigere Richtung dreht oder er so sehr abflaut, dass wir unseren Jan (Dieselmotor) zu Hilfe nehmen können. Trotzdem steigt bei uns die Spannung etwas. Es ist anders, als bisher auf unserer gesamten Reise. Wir wollen jetzt unser Ziel zĂŒgig erreichen. Es gibt noch viel zu tun, wenn wir in Whangarei sind, bevor wir im November in den Flieger nach Deutschland steigen können. Aber nicht nur dass drĂ€ngt uns, sondern natĂŒrlich auch die Freude Familie und Freunde wieder zu sehen. Nun soll der Wind in der nĂ€chsten Nacht weniger werden bis fast zur Flaute. Wir wagen kaum daran zu glauben. Doch dann, tatsĂ€chlich, der Wind flaut ab. Gegen Mitternacht wird Jan gestartet, die Segel eingerollt und der Kurs gegen den Wind direkt auf Whangarei angelegt. Endlich schaffen wir wieder Meilen. Am frĂŒhen Nachmittag können wir sogar wieder Segel setzen und den Kurs hoch am Wind auch ohne die UnterstĂŒtzung von Jan halten. Jetzt sind wir fast sicher, dass wir am Donnerstag ankommen werden.

Die letzte Nacht vor unserer Ankunft ist lang. Nach Mitternacht laufen wir unter der KĂŒste und Inselwelt Neuseelands entlang. Schiffsverkehr und die LandnĂ€he lassen an Schlaf nach Mitternacht nicht mehr denken. Doch die Aufregung und Erwartung, wie es in Neuseeland sein wird, halten Hermann wach. Sobald es hell wird, fangen wir an PACIFICO aufzuklaren. Alles was noch an frischen Obst und GemĂŒse an Bord ist, sowie Getreidekörner, KĂ€sereste und Ă€hnliches wandert in MĂŒllsĂ€cke zur Entsorgung durch die QuarantĂ€ne in Marsden Cove. Wir rĂ€umen auf und machen sauber. Alles, was laut Formular gemeldet werden muss, wie zum Beispiel unsere Tikis von den Marquesas, stellen wir bereit. Denn wir wollen schnell von den Behörden abgefertigt werden, um mit dem Nachmittagshochwasser in die Whangarei Town Marina einlaufen zu können.
Kurz vor Marsden Cove sieht Hermann, dass bei zwei Booten die Anker slippen und informiert das Hafenamt ĂŒber Funk. Wir wundern uns, dass sich sonst keines der vorbei fahrenden Schiffe darum gekĂŒmmert hat. Die Boote drohen auf die Steine zu laufen, können nun aber rechtzeitig davor bewahrt werden. Noch wĂ€hrend viel am Einklarierungssteg liegen, bekommen wir ein Dankeschön, das wir Bescheid gesagt haben.
Die Einklarierung, QuarantĂ€ne und Zoll, verlĂ€uft problemlos und nach etwa eineinhalb Stunden können wir weiter zu unserem Liegeplatz in der Town Marina fahren. Die Fahrt dauert etwa zwei Stunden. Und dann haben wir noch einmal GlĂŒck mit unserer Planung. Um zehn Minuten vor vier erreichen wir die bewegliche BrĂŒcke, die fĂŒr uns geöffnet werden muss. FĂŒnf Minuten spĂ€ter und wir hĂ€tten zwei Stunden warten mĂŒssen. So öffnet der freundlichen BrĂŒckenmann uns noch schnell vor der Sperrzeit die BrĂŒcke und wir können durch um unser Ziel und den Liegeplatz fĂŒr die nĂ€chsten Wochen zu erreichen.
Geschafft. Donnerstag, 22. Oktober 2015 um 16.30h, machen wir in der Whangarei Town Marina, Neuseeland, am Dock C16 fest. Seit unserem Start im Januar in Buenos Aires haben wir laut Bordbuch 15.409 Meilen zurĂŒck gelegt. Es fĂŒhlt sich schon etwas merkwĂŒrdig an, jetzt unser diesjĂ€hriges Ziel erreicht zu haben. TatsĂ€chlich wird es wohl noch einige Tage dauern, bis wir dass wirklich fĂŒhlen und nachempfinden können, es wirklich greifbar fĂŒr uns wird.

Auf geht es nach Neuseeland – vom 12.10. bis ….

Ohne Frage – Tonga hat uns sehr gefallen. In 28 Tagen haben wir einen Streifzug durch die Inselwelt von Neiafu, im Norden, nach Nukualofa, der Hauptstadt im SĂŒden, gemacht. Wir haben in der kurzen Zeit viel erlebt und gesehen. FĂŒr uns steht jetzt schon fest, dass wir im nĂ€chsten Jahr,  also im April 2016, wiederkommen werden.

Die „Friendly Island“ haben ihrem Namen Ehre gemacht. „You’re wellcome!“ war dass, was wir hier meisten gehört haben. Am Sonntagabend entschließen wir uns, nachdem wir uns noch einmal ĂŒber das aktuelle Wetter und die weiteren Aussichten informiert haben, dass der Montag unser Abreisetag sein wird. Unsere letzte Station, an der PACIFICO dann „ĂŒbersommern“ wird, ist Whangarei, Neuseeland. Vorher wollen wir jedoch noch einen Stopp einlegen. Und zwar mitten im Pacific im Minerva Riff Nord. Minerva gehört noch zu Tonga, ist keine Insel oder Motu, sondern tatsĂ€chlich nur ein ringförmiges Riff, dass bei Ebbe so ca. einen halben Meter aus dem Meer auftaucht. Es bietet zwar keinen Schutz vor starken Winden, die Lagune ist jedoch durch das Riff vor den Wellen und der DĂŒnung des Pacifics geschĂŒtzt. Der Ankergrund im sĂŒdlichen Bereich des Riffs ist gut. Hier hat schon so mancher Segler Regen und Sturm abgewettert, bevor er sich wieder auf den Weg machen konnte. Das wollen wir uns unbedingt ansehen. Und nicht zu letzt ist Minerva der beste Ausgangspunkt, um die letzten 800 bis 900 Meilen nach Neuseeland zu segeln. Hier hat man die Möglichkeit ein entsprechendes Wetterfenster abzuwarten, um die Strecke mit möglichst gĂŒnstigen Winden und ohne StĂŒrme ĂŒberwinden zu können.

Wir treffen unsere letzten Vorbereitungen, kaufen mehr Obst und GemĂŒse ein, als vielleicht nötig. Möglicherweise mĂŒssen wir ja einige Tage in Minerva auf gutes Wetter warten. Das können wir vorher nicht abschĂ€tzen. Deshalb unser Einkauf nach der Devise „lieber zu viel, als zu wenig!“. WĂ€hrend Hilde die EinkĂ€ufe fĂŒr den Törn verstaut, absolviert Hermann noch die nötigen BehördengĂ€nge und klariert PACIFICO aus. Um 13 Uhr lichten wir unseren Anker und setzen die Segel. Das Wetter ist gut, der Wind weht mit 20 bis 25 Knoten und treibt uns schnell voran. Im Sonnenlicht glitzert die aufspritzende Gischt neben PACIFICO in bunten Regenbogenfarben. Es fehlen nur noch die Wale, die uns verabschieden. Doch heute ist weit und breit kein Wal in Sicht. Auch diesmal sind wir nicht allein unterwegs. Am vergangenen Donnerstag haben sich bereits die WALKABOUT und die SALMON von Neiafu aus auf den Weg Richtung Neuseeland gemacht. Die MEERBAER bleibt vorerst noch in Neiafu und wartet auf Crewersatz. Anne Meerbaer musste ĂŒberraschend fĂŒr einige Wochen nach Deutschland zurĂŒck und jetzt wird der Meerbaer-Sohn sie vertreten. Doch noch dauert es ein paar Tage, bis er aus Deutschland eingeflogen sein wird. Seit unser Abfahrt aus Neiafu finden wieder die tĂ€glichen Funkrunden statt, die in Anbetracht des gemeinsamen Zieles, gespickt sind von Wetterdiskussionen und Positionsmeldungen.

Nach 41 Stunden haben wir morgens um 6 Uhr bei Sonnenaufgang Minerva Riff erreicht. Zu sehen ist zunĂ€chst nichts. Aber die GPS Koordinaten stimmen mit unserer Karte ĂŒberein. Also muss es da sein. Wir halten auf den Punkt zu, wo die Einfahrt in das Riff sein muss. Es dauert noch fast eine Stunde bis zwischen den Riffenden, ĂŒber denen sich schĂ€umend und tosend die Wellen brechen, hindurch fahren können. Wir haben zwei Knoten Strömung gegen uns. Also ebbt es und das Wasser lĂ€uft aus der Lagune heraus. Dazu kommt der Wind mit rund 23 Knoten, gegen den wir direkt gegen an laufen. Trotzdem schafft PACIFICO die Einfahrt gut. An dem auf der Karte eingezeichneten Ankerplatz liegen die SALMON und auch die TWIGA aus Österreich, die uns bereits erwarten. Wie am Vortag in der Funkrunde angekĂŒndigt, gehen wir pĂŒnktlich um kurz vor 8 Uhr morgens vor Anker. Mitten im Pacific!!! Wir feiern dieses besondere Erlebnis mit leckerem Essen. Denn wer weiß, wie es die nĂ€chsten Tage um unsere KĂŒche bestellt sein wird, wenn Seegang und Wind, wie vorher gesagt, etwas ruppig sein werden. Doch weitergehen soll es Morgen frĂŒh trotzdem.

Am Nachmittag werden wir plötzlich ĂŒber Funk angerufen „in Minerva ankernde Boote bitte melden!“ Also melden wir uns. Es ist eine Marine-Kontrollschiff aus Tonga. Nachdem wir gezielt Ausschau halten, können wir es draußen vor dem Riff auch sehen. Es lĂ€uft ebenfalls in die Lagune ein. „Ob wir Hilfe oder anderes benötigen, ob alles in Ordnung sei“ werden wir gefragt. Wir dĂŒrfen dem Schiff auf 350 m nicht nahe kommen. Aber wir sind herzlich willkommen und dĂŒrfen ansonsten alles tun, was wir möchten.

Das Marineschiff bleibt dann auch ĂŒber Nacht und liegt auch am nĂ€chsten Morgen dort noch vor Anker. Als wir uns von ihnen verabschieden wollen, bekommen wir allerdings keine Funkkontakt mehr mit ihnen. Schade. Aber es war trotzdem sehr nett, wie sie mit uns gesprochen haben 🙂