Fidschi – Bula Bula – vom 2.7. bis 1.8.2016

FrĂŒher am Vormittag als erforderlich, verlassen wir Futuna und damit auch wieder Europa. Bis Fidschi und Savusavu sind es rund 260 Meilen.
Wir sind mal wieder zu schnell. Der Wind, der nur eine leichte Brise sein sollte, weht mit um die 20 Knoten und bringt uns am Wind schnell Richtung SĂŒden und in die große, Riff-freie Passage Richtung Vanua Levu. Am Sonntag bremsen wir unsere Fahrt, machen die Segel kleiner. Trotzdem mĂŒssen wir mit mehreren langen SchlĂ€gen nachts in der Bucht vor Savusavu kreuzen, bevor es wieder Tag wird und wir die Einfahrt durch das Riff bei guten Tageslicht nehmen können. Montag morgen kurz vor 8.00 Uhr machen wir pĂŒnktlich zu Dienstbeginn der Marina und auch der Behörden an einer Mooring der Waitui Marina fest.

Dem umfangreichen Einklarierungsverfahren sehen wir gelassen entgegen. Schlimmer oder komplizierter als in Neuseeland wird es hier nicht sein, da man sich hier an das NeuseelĂ€nder Verfahren angelehnt hat. Nur sind es hier vier Personen, die an Bord kommen: Health, Quarantine, Migration und Customs. Und so ist es dann auch tatsĂ€chlich relativ entspannt. Wir haben nur zu viel Bier und Wein an Bord und auch das lĂ€sst sich unkompliziert mit dem Zollbeamten regeln. Man möchte uns schließlich unseren Aufenthalt in Fidschi nicht verderben, heißt es in der BegrĂŒndung

Bula Bula (Hallo, Guten Tag) – herzlich willkommen in Fidschi!!!

In Savusavu sind hier und da noch die VerwĂŒstungen zu erkennen, die der Cyclon „Winston“ Anfang des Jahres hinterlassen hat. Das Boot, das neben uns liegt, hat den Besanmast verloren, diverse Schrammen und eine verbogene Stahlreling. Der Katamaran PACIFICA hat an Land vor dem Supermarkt auf der Straße gestanden Nun schwimmt er wieder relativ unversehrt neben uns. Sie haben insgesamt dann doch wohl GlĂŒck gehabt.
Der Steg der Marina ist nur noch ein trauriger Rest. Hier und da sehen die DĂ€cher sehr neu aus. „Winston“ hat die alten DĂ€cher ergriffen und durch die Luft gewirbelt. Auch an vielen anderen Stellen werden wir spĂ€ter noch die Spuren sehen, die der Cyclon hinterlassen hat und wo bisher weder Zeit, noch Geld und Material vorhanden sind, um die SchĂ€den zu beheben.

Savusavu ist ein sehr kleines StĂ€dtchen, Ă€hnlich wie Neiafu in Tonga, doch mit besseren Einkaufsmöglichkeiten. DarĂŒber hinaus gibt es nicht allzuviel zu sehen und wir wollen, nachdem wir uns mit Fleisch, Obst und GemĂŒse versorgt haben, eigentlich weiter. Doch dann erreicht uns die Nachricht, das die WALKABOUT ihren Kurs geĂ€ndert hat und noch diese Woche ebenfalls hier eintreffen wird. Grund genug unsere PlĂ€ne fĂŒr die Weiterreise zu verschieben. Wir freuen uns darauf, Thomas und Frauke wieder zu sehen. Am Donnerstag Morgen hören wir dann, wie die WALKABOUT versucht sich ordnungsgemĂ€ĂŸ ĂŒber Funk bei den Hafenbehörden anzumelden. Ein ziemlich hoffnungsloses Unterfangen, wie wir aus eigener Erfahrung wissen. Dort meldet sich niemand und man kann sich freuen, wenn andere Segler sich erbarmen und einem RĂŒckmeldung geben, wohin man zum Einklarieren muss und wo man am besten festmacht.
Das Wiedersehen feiern wir dann Abends an Bord der PACIFICO. Er gibt natĂŒrlich viel zu erzĂ€hlen und zu berichten, denn es sind ja mehr als zwei Monate vergangen, seit wir uns zu letzt in Neuseeland gesehen haben.

Am Sonntag sehen wir uns gemeinsam mit Thomas und Frauke Vanua Levu an. Wir haben ein Taxi fĂŒr diese Fahrt angeheuert. Diesmal haben wir auch darauf geachtet, das der Fahrer ein fĂŒr uns verstĂ€ndliches Englisch spricht.
Die Insel ist natĂŒrlich viel zu groß, um alles an einem Tag zu sehen. So sehen wir nur einen kleinen Ausschnitt, wie beispielsweise die brodelnden heißen Quellen in HafennĂ€he. Die Anwohner nutzen diese kostenlose Energiequelle, um ihre Speisen zu garen. Auch heute steht hier ein mit Jute abgedeckter Kochtopf im brodelnden Wasser mit der Sonntagsmahlzeit einer der Familien, die hier wohnen. Mahendra, der Taxifahrer, erzĂ€hlt uns die Geschichte von einem kanadischen Segler der „zu tief ins Glas geschaut“ hatte, und beim Einsteigen ins Dhingi unten am Wasser in die dortige heiße Quelle gefallen war. Die schweren Verbrennungen waren fĂŒr ihn tödlich, berichtet Mahendra.
Der anschließende Besuch des botanischen Gartens ist dann ein ĂŒberraschend teueres VergnĂŒgen. Bevor wir uns darĂŒber Ă€rgern, verbuchen das Eintrittsgeld unter „Winston“ -Hilfe, denn auch hier hat der Cyclon ziemlich gewĂŒtet und vieles zerstört. Die FĂŒhrung durch den von privater Hand gestalteten Garten ist durchaus interessant und wir erfahren vieles auch ĂŒber die einheimische Vegetation.
Bei dem Besuch eines schon seit 10 Jahren zum Verkauf stehenden Resort, wundern wir uns dann doch leicht schmunzelnd ĂŒber Mahendra. Will er, dass wir dieses großzĂŒgig angelegte und gut gepflegte Millionen teure Objekt kaufen und bekommt er dafĂŒr möglicherweise sogar Provision? Zum Abschluss fahren wir noch in ein Village, ĂŒbergeben dort unser Kava-Geschenk , zahlen pro Person zusĂ€tzlich noch zehn Dollar und dĂŒrfen uns nach der Übergabezeremonie auf dem VillagegelĂ€nde mehr oder weniger frei bewegen. Wir wollen zu dem Wasserfall, der sich hier befindet und nehmen ein erfrischendes Bad.

Von Mahendra erfahren wir auch so einiges ĂŒber Land und Leute. Ein Großteil der Bevölkerung ist indisch. Das ist die Bevölkerungsschicht, die arbeitet und GeschĂ€fte betreibt. Die Ur-Fidschianer leben im Village und arbeiten eigentlich nur das nötigste, haben ein großes freundliches Herz und trinken Kava. Wegen dem trinken von Kava (gemahlene Wurzeln) erreichen sie auch kein sehr hohes Lebensalter und sehen mit 50 Jahren bereits aus, als wĂ€ren sie 80 Jahre alt. Kava-trinken lĂ€sst die Haut schneller altern und verringert die Lebenserwartung. So in etwa sagt Mahendra. Im Village wĂŒrde er nicht leben wollen.
Nun, es wird sicherlich nicht ganz so drastisch sein, doch es wird schon etwas Wahrheit in dieser Aussage stecken. Das mit dem großen Herz und der Freundlichkeit stimmt ganz bestimmt
Wir beschließen diesen Ausflug abends mit unserer eigenen Kava-Zeremonie an Bord, denn wir sind doch inzwischen ziemlich neugierig, wie dieses Gesöff denn schmeckt und wirkt. Alle sind sich einig, dass es wie lauwarme PfĂŒtze schmeckt. Auf Lippen und im Mund entsteht ein taubes GefĂŒhl und ĂŒberhaupt fĂŒhlt man sich ziemlich entspannt. Trotzdem, ein Renner ist das nicht und schon gar kein Ersatz fĂŒr ein leckeres Glas Wein oder ein kĂŒhles Bier.

Nach letzten EinkĂ€ufen am Montag geht es dann los Richtung Flughafen Nadi, um unseren Besuch aus Deutschland abzuholen. Wir haben fĂŒr die Strecke von rund 140 Meilen Luftlinie ĂŒber 14 Tage Zeit. Viel Zeit, um sich unterwegs auf mehr oder weniger direktem Weg die KĂŒste der Hauptinsel Viti Levu anzusehen. Leider bleiben aus Wind- und ZeitgrĂŒnden der Besuch der bestimmt reizvollen Inseln weiter östlich von Savusavu auf der Strecke. Sehr zur EnttĂ€uschung von Hilde. Der Besuch der Insel Yadua zwischen den beiden großen Hauptinseln entschĂ€digt dann jedoch etwas. Es ist unsere dritte Station, seit wir am Montag in Savusavu aufgebrochen sind. Die idyllische Nadi Bay in der NĂ€he des Flughafens von Vanua Levu erwies sich durch den eindringenden Pacifc-Schwell als eher ungemĂŒtlich. Der nĂ€chste Ankerplatz war zwar ruhiger, aber die ufernahen Mangroven trĂŒben dort das Wasser und laden auch nicht zum Baden ein.

Wir ankern in Yadua in einer windgeschĂŒtzten Bucht im Osten der Insel. Zwei weitere Boote verbringen in unserer Nachbarschaft die erste Nacht hier, bevor sie am nĂ€chsten Morgen zur Yasawa Group aufbrechen. Danach haben wir die Bucht, bis auf eine kurzen Besuch einer Gruppe Einheimischer, fĂŒr uns. Wir genießen jetzt unbefangenes freies SĂŒdsee-Feeling, wie wir es mögen.

Bis wir Vuda Point, eine Marina in der NÀhe des internationalen Flughafens Nadi, erreichen, beschÀftigen uns so einige andere Probleme.

ZunĂ€chst hatte ja in Savusavu unser KĂŒhlschrank gestreikt. Nach unserer Erfahrung mit einem defekten KĂŒhlschrank durch Patagonien zu fahren, hatten wir ein Ersatzteil fĂŒr diesen Fall bereits aus Deutschland mitgebracht. Doch letztendlich war nur eine Sicherung verschmort und musste ersetzt werden. Das Ersatzteil braucht also angenehmer weise nicht eingebaut werden.

Das nĂ€chste Problem ist die elektronische Selbststeuerungsanlage. Als wir sie einschalten steuert sie, trotz Standby-Modus, schon los. Und zwar immer im Kreis! Und auch ansonsten verhĂ€lt sie sich ĂŒberhaupt nicht, wie im Handbuch beschrieben. Der Selbsttest fĂ€ngt immer wieder von vorne an, ohne ein Ergebnis zu zeigen. Kurzfristig reagiert die Anlage mal wieder richtig. Dann „spinnt“ sie wieder völlig. Hermann misst, soweit möglich, alles durch und kommt zu dem Schluss, dass es das Bedienelement ist, das da defekt ist. Eine Bestellung in Deutschland wird in Auftrag gegeben. Doch da die Anlage schon ĂŒber 20 Jahre alt ist, gibt es keine Ersatzteile mehr. Wir finden ein Angebot eines passenden gebrauchten Bedienungselements bei eBay. Erst auf den zweiten Blick erkennen wir, das dieses Angebot schon zwei Jahre alt ist und damit schon lange abgelaufen. Im nĂ€chsten Versuch wird das Teil noch einmal ausgebaut und in die Sonne gelegt. Und, oh Wunder, als wir es ein paar Stunden spĂ€ter wieder einbauen, funktioniert es wieder. NatĂŒrlich beobachten wir eine Zeitlang unseren Kurs ganz genau, wenn wir die Selbststeuerungsanlage eingeschaltet haben. Doch sie scheint tatsĂ€chlich wieder ganz normal zu arbeiten. Erst einmal eine Sorge weniger.

Wir liegen in Yadua vor Anker. Am spĂ€ten Abend rattert plötzlich die Ankerwinsch los. Hermann schaut nach und stoppt sie. Das StĂŒck Kette, das ausgelaufen ist, wird wieder eingezogen. Alles gut. Doch es dauert gar nicht lange, da rattert das Ding schon wieder los. Jetzt schaltet Hermann die Stromzufuhr ab, damit wir erst einmal Ruhe haben. Am nĂ€chsten Tag wird die Anlage geprĂŒft und durchgeschaut. Sie lĂ€sst sich nur noch mit der Fernbedienung in Gang setzen. Also ist logischer weise das Bedienungselement defekt. Durch einen kleinen Riss ist Feuchtigkeit eingedrungen und hat die Kontakte korrodieren lassen. Eine grĂŒndliche Reinigung und neue Abdichtung behebt den Fehler.

Lautoka ist die nĂ€chst grĂ¶ĂŸere Stadt in der wir einkaufen können. Wir wollen dort direkt vor Anker gehen, um unseren Obst und GemĂŒsevorrat wieder zu ergĂ€nzen. Es dauert eine Weile bis wir einen geeigneten Ankerplatz in der kleinen Bucht neben dem großen Pier finden. Wie gewohnt wird der Anker eingezogen und hĂ€lt auch sicher. Doch als wir den Motor ausschalten wollen, passiert gar nichts. Er, der Motor, tuckert weiter munter vor sich hin. Da nĂŒtzt kein Knopf drĂŒcken, kein SchlĂŒssel drehen. Was ist das denn jetzt???!!! Hermann prĂŒft, soweit weit möglich, woher der Fehler kommen kann. NatĂŒrlich könnten wir die Dieselzufuhr stoppen. Dann geht der Motor auf jeden Fall aus. Doch was dann??? Wir sind zunĂ€chst etwas ratlos. Und all zu viel Zeit bleibt uns auch nicht mehr, bevor es dunkel wird. Prima ist, dass wir vom Boot aus ins Internet können. Schnell ist dann ein Service Dienst fĂŒr unseren YAN gefunden. Und es geht sogar jemand ans Telefon als wir dort anrufen. Wir vereinbaren einen Termin fĂŒr den nĂ€chsten Morgen in der Vuda Point Marina, die wir heute noch vor Sonnenuntergang erreichen können. In Vuda Point klappt denn auch alles bestens. Am nĂ€chsten Morgen finden die Techniker die beiden Fehler sehr schnell. Ein durchgescheuertes Kabel und ein gebrochener Pin in einer Steckverbindung. Nach einer Stunde ist alles wieder so, wie es sein soll.
Jetzt nur noch WĂ€sche in die Marina-Maschine zum waschen geben, nach Lautoka mit dem Bus zum Einkaufen, Betten frisch beziehen und schon sind wir wieder unterwegs. Auf eine zweite Nacht in der Marina haben wir aufgrund der vielen kleinen Kakerlaken Ă€hnlichen ZuckerrohrkĂ€fer, fĂŒr die die Moskitonetze ĂŒberhaupt kein Hindernis sind, keine Lust.

Wir hoffen, das es das jetzt erst einmal war und dieser kleine Elektro-Troll bei uns nicht weiter sein Unwesen treibt.

Nach Yadua Island liegen unsere AnkerplĂ€tze meistens vor einem der vielen Resorts, die die einigermaßen schönen Ankerbuchten sĂ€umen. Die Erfahrungen, die wir hierbei machen sind sehr unterschiedlich. Einige sind sehr freundlich und haben nichts dagegen, das wir vor dem Resort ankern, an Land kommen, um etwas zu essen oder zu trinken. Beim Vatai Eco Beach Resort fragt man uns sogar, ob wir damit einverstanden sind, dass sie ein Foto von PACIFICO und unsere Namen auf ihrer Facebookseite veröffentlichen. Wir sind einverstanden.
Bei anderen werden wir regelrecht von den Mitarbeitern, die mit einem Motorboot an PACIFICO herankommen, verscheucht. Yachties unerwĂŒnscht und nicht Willkommen!!! Vor einem 5-Sterne-Resort bekommen wir das sogar schriftlich. Höflich, aber bestimmt.

Die Dörfer haben wir bisher gemieden. Irgendwie ist uns diese Sevusevu-Geschichte (Kava) suspekt. Wir haben zwar genĂŒgend Kava-Wurzeln an Bord, um die geforderten Gastgeschenke zu machen, nach dessen Erhalt der DorfĂ€lteste es einem dann erlaubt, baden zu gehen, an Land zu dĂŒrfen und das Dorf zu besuchen. Auch haben wir es ja nun erlebt, dass zusĂ€tzlich zum Geschenk noch Geld verlangt wird.
Ein schweizer Segler, dem wir unterwegs begegnen und der schon seit vielen Jahren in Fidschi segelt, bezeichnet das Ganze als ‚Abzocke‘. Er wĂŒrde da nicht mehr mitmachen. Wir sind nach wie vor unsicher und wissen noch nicht, wie wir damit umgehen wollen. Haben wir doch auch gehört, dass selbst die Polizei, wenn sie die Inseln der Lau-Gruppe besuchen, diese Gastgeschenke macht und den DorfĂ€ltesten um Erlaubnis fragt, wenn sie sich vor Ort umsehen wollen.
Also ankern wir erst einmal vor Resorts, wo wir um Erlaubnis fĂŒr den Landgang fragen, vor einsamen StrĂ€nden oder gehen eben nicht an Land.

Hermann besucht im August in Deutschland seine Kinder und wird fĂŒr drei Wochen unterwegs sein. Da Hilde nicht alleine cruisen will, gilt es einer guten Standplatz fĂŒr PACIFICO fĂŒr diese Zeit zu finden. Und Hilde hat sich fĂŒr Musket Cove entschieden. Bevor unsere Mitsegler aus Deutschland kommen, haben wir noch genĂŒgend Zeit uns hier einmal umzuschauen. Unser erstes Ziel ist die östliche Bucht der Insel Malolo. Hier kann man wunderbar ankern und das auch noch kostenfrei. Mit dem Dhingi fahren wir an den Strand und laufen das kurze StĂŒck am Strand entlang und durch das dazugehörige Resort zur Marina. Wir können fĂŒr die Zeit hier entweder eine Mooring nehmen oder einen Platz in der Marina buchen.
Es gibt hier Bars ,
Restaurants ,
Pools ,
einen SPA Bereich ,
einen Geldautomaten ,
einen Souvenir Shop
und einen kleinen Supermarkt .
Also alles was man fĂŒr einen drei-Wochen-Aufenthalt so benötigt
Wir sind zufrieden mit dieser Wahl und gehen zurĂŒck zum Dhingi.
Als erfahrene Segler haben wir unser Dhingi den Strand hoch gezogen und an einem Baum festgebunden. Was diese erfahrenen Segler nicht berĂŒcksichtigt haben ist die Tide. Und jetzt ist Ebbe! Vor uns liegen etwa 300 m Riff ohne Wasser.
Wir kehren um und gehen erst einmal in einem der Restaurants Mittag essen. Als wir zurĂŒck kommen ist immer noch nicht sehr viel mehr Meer da, dafĂŒr um so mehr Riff. Wer weiß wann die Flut kommt, denn auf den Tidenkalender hatten wir nun gar nicht gesehen. Nun denn. Statt zu schwimmen wird PACIFICA jetzt samt Aussenborder getragen. Zu Fuß um einiges mĂŒhsamer, als die Strecke ĂŒber Wasser mit Motorkraft zurĂŒck zu legen. Aber mit etlichen kleinen Pausen erreichen wir dann irgendwann das offene Wasser und können das letzte kleine StĂŒck dann doch in PACIFICA zur PACIFICO zurĂŒck legen. Ich glaube, ich brauche nicht erwĂ€hnen, das wir von dieser Aktion denn doch leicht geschafft sind.
Die nĂ€chsten Tage gondeln wir hier um die Inseln herum, bleiben auch noch einmal zwei NĂ€chte an einer Mooring in Musket Cove, bevor wir in die Vuda Point Marina zurĂŒck kehren, um letzte Vorbereitungen fĂŒr die Ankunft unserer Besucher zu treffen.

Das Taxi ist bestellt, EinkĂ€ufe erledigt, an Bord alles umgestaut, damit fĂŒr unsere GĂ€ste entsprechend bequemer Platz in der vorderen Kabine und Bad zur VerfĂŒgung steht. PACIFICO erstrahlt, so weit möglich, in bestem Glanz und freudiger Erwartung.
Der Flieger aus Sydney landet mit nur leichter VerspÀtung und wenig spÀter haben wir an Bord Zuwachs bekommen. Thorsten und Inis, langjÀhrige Freunde Hermanns, haben schon mehrere Urlaube auf der PACIFICO verbracht, zuletzt in Brasilien. Diesmal ist es zudem ein besonderer Urlaub: Silberhochzeits-Flitterwochen.
Im GepĂ€ck haben sie auch vieles, was wir in den letzten Wochen in Deutschland bestellt haben, um diese gĂŒnstige Transportmöglichkeit auszunutzen. So ist es fĂŒr uns auch ein bisschen wie ‚Weihnachten‘, als sie ihre Koffer auspacken. Auch einige leckere Tropfen Wein sind dabei, die wir in der nĂ€chsten Zeit gemeinsam genießen wollen.
Gleich am nÀchsten Morgen brechen wir nun zur viert auf, um die Inseln der Yasawa Group zu erkunden. Unsere beiden MitSegler sind mit Feuereifer dabei und können es kaum erwarten, dass auch die Segel gehisst werden. Der einzige, der da nicht mit macht, ist der Wind. Aber der wird sich schon noch einstellen.

Die Ankerbuchten der Insel Waya Seva sind egal ob im SĂŒden, Westen oder Norden zwar landschaftlich schön mit langen StrĂ€nden, doch die NĂ€chte, die wir hier verbringen sind unruhig durch den Pacific Schwell und Windwellen. GeschĂŒtzte Buchten sind etwas anderes. Wir hoffen auf einen besseren und ruhigeren Platz bei der nĂ€chsten Insel.

Beim ersten Landgang mit unseren Besuchern geht es ins Octopus Resort im Osten der Insel Waya. Dieses Resort ist bekannt dafĂŒr, dass es Yachtie-freundlich ist. Und so ist es auch. Nicht so selbstverstĂ€ndlich, wie wir inzwischen wissen und auch die nĂ€chsten Tage immer wieder erfahren werden. Obwohl wir dann nur fĂŒr einen kurzen Badestopp ankern mit genĂŒgend Abstand zum Strand, möchte man uns schon des Platzes verweisen. Doch manchmal schalten wir dann auch auf stur. Zum Abschied wird trotzdem freundlich gewunken. Unser Eindruck ist hierbei auch immer öfter, dass es nicht die Fidschianer selbst es sind, sondern die Resortbetreiber, die hier so unfreundlich sind.

Ein besonderes Erlebnis erwartet uns am nĂ€chsten Ankerplatz. Kaum eine halbe entfernt ist die bekannte Manta-Passage. PACIFICA muss sich hier am Samstag beweisen. AufgerĂŒstet mit Aussenborder und an Bord vier Personen mit SchnorchelausrĂŒstung. Das ist fast das Maximum des möglichen. Und dann auch das wir aus dem Wasser ein- und aussteigen wollen. Eine Herausforderung fĂŒr sich, denn unser Bananenboot ist dann doch eher wackelig und fĂŒr solche Aktionen weniger geeignet. Aber es geht. Bei Hochwasser geht es also zur Passage, wo auch bereits diverse andere Motorboote unterwegs sind, von denen sich Touristen ins Wasser gleiten lassen, ein StĂŒck weit mit der Strömung schwimmen, vom Boot wieder eingesammelt werden, zurĂŒckfahren und erneut ins Wasser springen.
Schon von weitem sehen wir die FlĂŒgelspitzen der Mantas, die hier durch das Wasser gleiten. Mit ihnen wollen auch wir schwimmen. Beim ersten Versuch sehen wir unter Wasser einen der großen Mantas mit seiner immensen FlĂŒgelspannweite nur wenige Meter an uns vorĂŒber ziehen. Beim zweiten Versuch gelingt es ganz nah an eines der ruhigen gelassenen Tiere heran zu kommen, zum berĂŒhren nah, und es ist möglich ein kleine Strecke mit zu schwimmen bevor es wieder entgleitet. Unglaublich. Einfach fantastisch. Ein unwiederbringliches Erlebnis.

Um in dieser Nacht etwas weniger Bewegung im Boot zu haben, haben wir zusĂ€tzlich zum Anker eine lange Landleine gespannt, damit wir nicht wieder quer zur Welle und zum Schwell liegen. Das funktioniert hier genau so gut wie in Patagonien. Am Sonntag Morgen gegen 5.30 Uhr wird unsere Nachtruhe von einem lauten Krachen beendet. Sekunden spĂ€ter sind wir alle vier in der noch wĂ€hrenden Dunkelheit auf dem Deck. Schnell ist klar, dass der Anker nicht gehalten hat. Dabei hatten wir das am Vortag, wie immer, ausgiebig getestet. Wir ziehen die Ankerkette ein, soweit es geht. Kurz darauf setzt sich der Anker hinter einem Stein fest und wir haben wir vernĂŒnftigen Halt. Als es eine Stunde spĂ€ter hell genug ist, besieht sich Hermann die Situation unter Wasser. Wir sind seitlich weg gedriftet und haben dabei kurz mit dem Ruder auf einem Korallenkopf aufgesetzt. Der Schaden ist gering und wird bei Gelegenheit ausgespachtelt. Das ist noch einmal gut gegangen.

Da wir schon mal so unerwartet frĂŒh wach sind, der Anker ohnehin noch mal neu gelegt werden mĂŒsste, beschließen wir weiter zu fahren. Wir werden auf unserem RĂŒckweg noch einmal die Gelegenheit nutzen und mit den Mantas zu schwimmen. Jetzt zieht es uns zu einem dann wirklich mal ruhigen und auch geschĂŒtzten Ankerplatz in der durch den gleichnamigen Film berĂŒhmten Blue Lagoon. Eine Fahrt, die ungefĂ€hr drei Stunden in Anspruch nehmen wird.

Wir freuen uns ĂŒber unsere Mitsegler. Ihre Kommentare zum Meer, zu den Inseln, den StrĂ€nden und den AnkerplĂ€tzen lassen uns erkennen, was fĂŒr uns schon ein stĂŒckweit selbstverstĂ€ndlich geworden ist. Die Schönheit der Landschaft, die Besonderheit unserer Lebensweise. Uns wird wieder bewusster, dass es doch etwas ganz besonderes ist, was wir hier erleben dĂŒrfen.

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