Fidschi – Hilde allein zu Haus – vom 13.8. bis 6.9.2016

Musket Cove. Die Bleibe von PACIFCIO fĂŒr die nĂ€chsten vier Wochen und damit auch wĂ€hrend der Zeit, die Hermann in Deutschland mit seinen Kindern verbringen wird.

Bevor Hermann abreist gibt es noch so einiges an Instruktionen, damit ich alleine klar komme. Das wichtigste ist natĂŒrlich der Generator. Ohne den gibt es nicht genĂŒgend Strom, wenn Wind und Sonne nicht das ihre dazu beitragen. Und wenn die Batterien einmal ganz leer gebraucht sein sollten, habe ich wohl ein richtiges Problem. Und Hermann auch 😅
Also lerne ich erst mal, wie man den Generator startet, wie und wo ich ihn hinstellen kann, ohne das mir das Teil ins Wasser stĂŒrzt. Hermann stellt ihn nĂ€mlich immer am Heck unten auf die Badeplattform. Das ist dann entsprechend mit Kletterei ĂŒber die Windsteuerungsanlage verbunden. Weil der Generator ja auch ein paar Kilo wiegt, könnte er mir dabei aus der Hand und ins Wasser rutschen. Also bleibt er oben an Deck und ich muss dafĂŒr den LĂ€rm, den er macht, in Kauf nehmen, aber eben nicht klettern.
Wenn der Generator zickt, was er ja so manchmal tut, soll ich Öl nachfĂŒllen. Na denn, wird schon funktionieren.
WofĂŒr der Naturstrom von Wind und Sonne bestimmt nicht reicht, ist Wasser machen. Das Wassermacher schluckt ordentlich Strom. Wie ich den Wassermacher an und aus mache, um den Tank mit bestem Trinkwasser zu fĂŒllen, habe ich die letzten Wochen noch einmal verinnerlicht. Also kein Problem.

Wir haben die landnahe Mooring Nummer 1 ergattert. Das heißt fĂŒr mich einen relativ kurzen Weg zum Dingi-Kai. Ich plane, den meistens mit dem Kanu zu machen. PACIFICA zu rudern muss ich dann wohl auch noch lernen. Bei meinem bisher einzigen Versuch in Nukualofa endete das ganze zur Belustigung aller als „Hafenkino“. Urs, von der MOANA, kam mir mitleidsvoll mit seinem Dingi zur Hilfe, weil er das nicht lĂ€nger mit ansehen konnte. Hilfe, die selbstredend hoheitsvoll abgelehnt habe. 😉
FĂŒr den Ernstfall lerne ich nun auch noch mit dem Aussenborder umzugehen, PACIFICA mittels einem Fall allein an Bord zu winschen und was Hermann ansonsten fĂŒr dringend erforderlich hĂ€lt.
Dann macht er sich auch noch Sorgen, was ich hier so wĂ€hrend seiner Abwesenheit an Bord treiben könnte: „schmeiß nicht alles weg, wenn du aufrĂ€umst!“ und dann noch „am besten lĂ€sst du alles, was du wegschmeißen möchtest, in einer TĂŒte liegen, damit wir es uns zusammen ansehen können, wenn ich wieder da bin!“
Lieber Hermann, ich werde doch nichts wegwerfen, was du anschließend vermissen wirst. 🙃
Ich beschließe, das ich auch noch lernen muss, wie Hermann unser Brot backt und die PACIFICO-Pizza zubereitet. Allerdings hoffe ich, dass es nicht hinterher immer zu meinen Aufgaben gehört, auch wenn ich dann nicht mehr sagen kann „kann ich nicht!“ 😉

Viel zu schnell ist es auch schon Mittwoch Nachmittag und ich bringe Hermann zur Malolo Island FĂ€hre, die ihn nach Port Denauro bringen wird. Von dort aus geht es fĂŒr ihn die kurze Strecke zum Flughafen Nadi und mit dem Flieger ĂŒber Amerika nach Hamburg, wo er von Familie und Freunden bereits erwartet wird.
Jetzt bin ich zum ersten Mal allein an Bord. Und dann auch noch gleich fĂŒr drei Wochen. Mich tröstet, dass wir den Platz gut gewĂ€hlt haben. Eine nette kleine SĂŒdseeinsel. Es gibt definitiv schlechtere Orte. Auch wenn es jetzt regnet und das auch noch bis Samstag anhĂ€lt.

Es dauert ein paar Tage bis ich so meinen eigenen Rhythmus finde. Morgens aufstehen, als erstes nach dem Strom sehen, die nÀchtliche Positionslampe ausschalten, Tee kochen, das Erwachen der Tages erleben, wenn morgens die Resort- und Marina-Mitarbeiter/innen mit dem Boot ankommen, die erste FÀhre abfÀhrt und weitere GÀste im Nachbarresort abholt. Die ersten Segler, die mit ihrem Dingi an Land fahren. Meinen Tag planen indem ich in mich hinein horche, worauf ich denn heute Lust habe.

Alle zwei Tage lasse ich morgens Yan, den Motor, laufen, der ja auch Strom produziert. Er muss immer dann ran, wenn ich nicht nur Strom sondern auch heißes Dusch- und Abwaschwasser möchte, was maximal zwei Tage vorhĂ€lt.
Yan ist davon weniger begeistert, wie es scheint, denn schon gleich am ersten Morgen fĂ€ngt er an zu piepen. Also nicht er, sondern die Kontrollleuchte der Motortemperatur. Also schalte ich ihn erst mal aus und verschiebe das Problem. Zwei Tage spĂ€ter springt Yan anstandslos an und ich bin erst einmal ganz erleichtert. Das hĂ€lt allerdings nicht lange vor, dann ist ihm schon wieder zu heiß. Ich schalte ihn aus und beschließe, dieser Sache nicht lĂ€nger aus dem Weg zu gehen und mich damit zu befassen. Das bedeutet, dass ich erst einmal die Betriebsanleitung heraus hole, nachlese, dass es bei der Lampe, die da vermeintlich piept, sich wirklich um die Motor-Temperatur handelt. Womit ich auch schon am Ende meiner selbststĂ€ndigen Lösung des Problems bin.
‚Hermann!!! Was soll ich jetzt tun?‘
Hermann kann natĂŒrlich auch keine Ferndiagnose starten und mir sagen, was zu tun ist. Gott sei Dank, ist die MEERBAER inzwischen eingetroffen. Rainer erklĂ€rt sich bereit, sich einmal in unseren engen Motorenraum zu zwĂ€ngen und nach dem möglichen Fehler zu schauen. Keine KĂŒhlflĂŒssigkeit im KontrollbehĂ€lter ist die Diagnose. KĂŒhlflĂŒssigkeit ist vorhanden und Rainer fĂŒllt auch gleich den BehĂ€lter entsprechend auf, erklĂ€rt mir, wo ich das zukĂŒnftig kontrollieren kann. Alles gut, Yan bekommt keine Hitzeattacken mehr. 👍🏻😄

Es mĂŒffelt wieder in der Bilge. Hier war uns ja fast eine ganze Flasche FlĂŒssigwaschmittel ausgelaufen. Im ersten Moment riecht das wirklich gut, frisch und sauber. Nach einiger Zeit verwandelt sich der Geruch in modrig und erinnert an den Geruch verfaulter Eier. Also hatten wir schon mehrfach die Bilge gespĂŒlt. Zuletzt war Hermann auf die Idee gekommen, vorne die Logge auszubauen und so kontrolliert Meerwasser durch die Bilge laufen zu lassen. Danach war der Geruch erst einmal weg.
‚Ob ich das auch kann???? Er hat dafĂŒr irgend etwas unter dem Bodenbrett vor dem vorderen Bad gemacht.‘
Also schau ich da mal.
‚Wenn ich das schwarze Teil da jetzt herausdrehe, gehe ich dann mit PACIFICO unter???‘ Ich beschließe, das dann doch lieber zu lassen und den Geruch zu ertragen, bis Hermann wieder das ist. Doch entdecke ich bei dieser Aktion den Duschfilter fĂŒr das vordere Bad.
‚Der sollte doch gereinigt werden, oder? Hat er wohl vergessen. Also das bekomme ich hin. Einfach abdrehen, abspĂŒlen und wieder draufschrauben. Perfekt. Das kann ich fĂŒr das hintere Bad sicherlich auch tun.‘
Doch dort finde ich im Motorraum kein Teil, das genauso aussieht. Nur etwas in der Art, in einer anderen Farbe und grĂ¶ĂŸer. Nein, lieber nicht. Lieber warten bis Hermann mir das zeigt.
Ich will ja nichts kaputt machen und keinen Ärger. 😉 Zumindest nicht, solange sich dass vermeiden lĂ€sst.
Leider passieren dann einfach Dinge und es geht doch etwas kaputt. Da gibt es KĂ€fer, die sehen aus wie kleine Kakerlaken und sie sind auch mindestens eben so schnell. Vier StĂŒck. Einen erledige ich sofort, die anderen verkriechen sich hinter dem Herd. Ich ziehe die Herdabdeckplatte heraus um den Zwischenraum dahinter zu untersuchen.
‚Ich werde euch schon kriegen!‘
Aber die Hitchhiker sind, wohin auch immer, verschwunden.
‚Ok. Ich werde dieses Problem heute Nacht nicht lösen. Morgen ist auch noch ein Tag.‘ Als ich die Abdeckplatte wieder an ihren Platz schieben will, bricht eine Ecke der Holzleiste ab. Uuuupppppsss!!!! Sorry. 😣
Die Hitchhiker mĂŒssen gleich am nĂ€chsten Morgen ihre RĂ€umungsklage entgegen nehmen, nachdem ich, auf der Suche nach ihnen, den gesamten KĂŒchenschrank ausgerĂ€umt habe.
Das mit der abgebrochenen Ecke ist ein anderes Thema. Das muss auch sofort wieder in Ordnung gebracht werden. Also leime ich die Ecke erst einmal wieder an. Nachdem das einen Tag durchgetrocknet ist und hÀlt, schleife ich die gesamte Leiste ab und lackiere sie neu. Das Ergebnis ist zwar nicht wie neu, aber akzeptabel.
‚Das habe ich doch gut gemacht.‘ 😄
Naja, das ich das kaputt gemacht habe, war natĂŒrlich nicht so gut. 😔

Da ich schon mal am schleifen und lackieren bin, gibt es auch so einige andere Sachen, die der Pflege bedĂŒrfen: die Sitzbretter von PACIFICA, die Schrankoberseite im Schlafzimmer, bevor sie ganz aufweicht, das Brett, auf dem der Aussenborder klemmt, und so einiges mehr. Ich hab ja sonst nichts tun. 😉

Irgendwie vergehen die Tage sehr schnell. Da gibt es SpaziergĂ€nge auf der Insel, ein Besuch im Village auf der Nachbarinsel mit Kava-trinken und VerkaufsstĂ€nden mit allerlei Handarbeiten, die meisten ‚Made in China‘, will mir scheinen. Wenn ich schon Urlaub habe, ist auch ein Besuch im SPA des Resorts dabei. Ein Grillabend an der Bar mit den MEERBAERS. Und ĂŒberhaupt freue ich mich jedes Mal, wenn ich von der MEERBAER Besuch bekomme, fĂŒhle ich mich doch dadurch nicht so allein.

Das Brot ist alle. Das heißt entweder kein Schwarzbrot, Brot aus dem Shop oder selbst Brot backen. Ich entscheide mich, ein Schwarzbrot nach unserem Rezept zu backen. Da ich vorher alles genau aufgeschrieben habe, was bisher nur in Hermanns Kopf vorhanden ist, bin ich ĂŒberrascht, wie einfach es eigentlich ist. Zumal das Mehl aus den verschiedenen Getreidearten mit der neuen elektrischen MĂŒhle ohne Kraftaufwand gemahlen wird. Das Brot gelingt, ist schmackhaft und wird schwesterlich mit Anne Meerbaer geteilt. Und auch sie befindet das Ergebnis fĂŒr gut und lecker. Geht doch. 😉

Der Liegeplatz ist schon toll. Wenn ich mag, kann ich direkt vom Boot ins Wasser springen und baden. In einer Marina wĂŒrde ich das ganz sicher nicht machen. Und das meiste kann ich wirklich mit dem Kanu erledigen, sogar ein Besuch bei Rainer und Anne, die mit der MEERBAER mindestens eine halbe Meile weiter draußen vor Anker liegen. GefĂŒhlt schon fast die halbe Strecke bis Cloud 9, was etwas mehr als 4 Meilen sind. 😅
Eine Schildkröte dreht fast tĂ€glich ihre Runde ums Boot und als Anne sich vor der MEERBAER-Abreise verabschieden kommt, schwimmt sogar eine kleine schwarz-weiß geringelte Schlange am Rumpf entlang.

In dem tollen Badewasser bringt es auch Spaß, die Wasserlinie zu reinigen und von Algen zu befreien. Etwas fassungslos betrachte ich unsere Badeleiter. Sie ist aus Edelstahl, aber inzwischen ist sie völlig grĂŒn vom Algenbewuchs. So lange sind wir doch nun wirklich noch nicht hier!!!

Die Nachrichten aus Deutschland hören sich gut an. Das Wetter macht mit, so das der Campingurlaub mit dem Kindern nicht zum Fiasko wird. Die Tasche, die in Amerika hĂ€ngen geblieben war, hat nach vier Tagen auch ihren Weg nach Deutschland gefunden, so das Hermann den inzwischen gekauften neuen Schlafsack dann doch nicht benötigt und zurĂŒck geben kann. Die Mails lassen die gute Stimmung erkennen, dass die drei Spaß haben und ihre Zeit miteinander genießen. So soll es doch sein.

Wie nicht anders zu erwarten, zickt auch irgendwann der Generator. Nun, er möchte jetzt wohl etwas Öl und hat hoffentlich kein anderes Problem, wie beispielsweise verschmutztes Benzin, einen verstopften Vergaser oder sonst etwas. Mein Kopfkino lĂ€uft zu Höchsttouren auf.
Also Öl, nicht Benzin, denn das hat er noch reichlich, wie ich als erstes feststelle. Und natĂŒrlich weht es gerade heute mit 20 Knoten. Also alles festhalten. Schließlich haben wir schon einmal die Erfahrung gemacht, dass die GehĂ€useplatte des Generators, die man fĂŒr den Ölbetankung abnehmen muss, sich schnell mal selbststĂ€ndig macht. Allerdings ist hier das Wasser nicht so klar, dass wir sie dann auch auf dem Meeresboden leicht wieder finden können. Ich lege den Generator also, wie Hermann es mir gezeigt hat, auf die Seite, öffne den Ölstutzen und prĂŒfe mit dem StĂ€bchen den Ölstand.
‚Wieso wird es jetzt unter dem Generator plötzlich so feucht??? – Mist!!! Ich habe den Tankdeckel nicht wieder richtig zugeschraubt!‘
Es dauert ein Weilchen, bis Öl nachgefĂŒllt ist, nichts weggeflogen ist, das Deck wieder sauber ist und auch der Generator wieder lĂ€uft.
Beim nĂ€chsten Mal passiert mir das so nicht mehr und Übung macht den Meister. 😎

Alles in allem: wenn Hermann zurĂŒck kommt, wird PACIFICO noch schwimmen, keine grĂ¶ĂŸeren SchĂ€den verzeichnen und ich leider bei vielen Dingen nicht mehr sagen können „Das kann ich nicht!“ 😄

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