Landurlaub in Neuseeland – urzeitliche Baumriesen – vom 22.1. bis 25.1.2016

Nach einer Anreise von gut 38 Stunden sitzen wir wieder im Revas, einem Caf├ę und Restaurant, im Town Basin in Whangarei.
Bis hierher lief alles wie geplant. Die Flieger von Hamburg hierher sind mehr oder weniger p├╝nktlich gestartet und gelandet. In Shanghai konnten wir, gut vorbereitet, wie wir waren, nachweisen, dass wir zwar kein R├╝ckflugticket haben, in Neuseeland in Whangarei aber unser Boot liegt, mit dem wir dann aus dem Land auch wieder ausreisen werden. Es dauerte trotzdem rund 20 Minuten, bis wir auf den Flieger eingecheckt waren. Insgesamt waren wir froh, ├╝ber zwei Stunden Aufenthalt in Shanghai zu haben. So konnten wir sogar noch eine Kleinigkeit essen, bevor es dort weiter ging.

Nachmittags bringen wir die fast 70 kg Gep├Ąck aus Deutschland, haupts├Ąchlich Bootstools, die wir mitgebracht haben, an Bord. Anschlie├čend packen wir unsere Sachen f├╝r unsere Camping-Rundreise durch Neuseeland. Eine feste Route gibt es noch nicht und die heutige ┬áNacht bleiben wir auch noch erst einmal in Whangarei, wenn auch nicht an Bord. Das wir ein Auto haben, nutzen wir, um unsere Segel noch zum Segelmacher zu bringen. Sie sollen ├╝berarbeitet werden. Den Generator bringen wir in eine eine Werkstatt, um ihn durchpr├╝fen zu lassen. Er hatte unterwegs doch so einige Male gemuckt. Und na klar, wir wollen auch die MEERBAER besuchen. Anne und Rainer sind zwei Tage vor uns aus Deutschland zur├╝ck gekehrt und wir freuen uns auf ein Wiedersehen.

Unser Vorhaben, auf einem Parkplatz in der N├Ąhe der TownBasin Marina zu ├╝bernachten, geben wir kurzfristig auf. Die Kosten f├╝r den Campingplatz zu sparen und daf├╝r eine Strafe von 200 Dollar zu riskieren, macht keinen Sinn. Also machen wir uns am sp├Ąten Nachmittag auf die Suche nach einem Campingplatz in Whangarei und landen auf einem ‚Top-10-Platz‘. Die Kosten von 44 Dollar verwundern uns etwas. Ist dieser Campingplatz teuerer als die anderen? Ein Platz f├╝r die Nacht sollte nur so um die 20 Dollar kosten laut unserem Autovermieter? Wir werden die n├Ąchsten Tage die Erfahrung machen, dass es kaum g├╝nstiger, aber auch schon mal teurer geht. Freies campen auf kostenlosen Campingpl├Ątzen geht mit unserem Camper nicht, da er nicht mit einer Toilette und einem Schmutzwassertank ausger├╝stet ist. Also haben wir nur die M├Âglichkeit auf kostenpflichtigen Campingpl├Ątzen zu ├╝bernachten, die entsprechend sanit├Ąre Anlagen bieten. Und auch hier werden wir erfahren, das es erhebliche Unterschiede in Service und Ausstattung gibt. Letztendlich werden wir uns eine zwei Jahre g├╝ltige Clubkarte f├╝r die ‚Top-10-Campingpl├Ątze‘ kaufen, die sich aufgrund diverser Ersparnisse sehr schnell bezahlt machen wird. Die hieran angeschlossenen Campingpl├Ątze bieten einen passablen bis guten Standard.

Am n├Ąchsten Morgen besorgen wir uns f├╝r die n├Ąchsten Wochen noch eine 3G-Karte f├╝r das Internet und kaufen anschlie├čend noch ein paar Lebensmittel f├╝r die Selbstversorgung ein. Und dann geht es los mit unserer Neuseelandrundreise ├╝ber Land.

‚Links fahren‘ ist erst einmal die gr├Â├čte Herausforderung f├╝r uns auf diesem Tripp. Es dauert ein paar Tage, bis wir das inhaliert haben. Da passiert es schon einmal, dass uns ein Auto auf unser Stra├čenseite entgegen kommt, und wir erst dann merken, dass wir auf der falschen Stra├čenseite sind ­čśÉ

Was uns auf der Fahrt Richtung Norden als erstes auff├Ąllt, ist der s├╝├če der Duft des Neuseel├Ąndischen Sommers, der durch die herabgelassenen Fenster in den den ganzen Wagen str├Âmt. ├ťberall bl├╝hen wei├če und lavendelfarbene Puschel (Schmucklilien?) und verstr├Âmen ihren s├╝├čen Duft. Sie bl├╝hen an den Stra├čenr├Ąndern, in den G├Ąrten, an den H├Ąngen. Kaum ein Ort, an dem wir sie nicht erblicken und ihr Duft nicht die Luft erf├╝llt. Immer wieder ist die Landschaft von 5 – 10 m hohen, schmalen Baumhecken unterbrochen, die vermutlich als Windschutz dienen. Hinter diesen Hecken sind h├Ąufig Obstplantagen angelegt. Dort gedeihen beispielsweise Kiwis, aber nat├╝rlich auch andere Fr├╝chte und auch Wein.

Wir fahren nach Opua in die Bay of Islands. Hier haben schon einige der anderen deutschen Boote, die wir inzwischen kennen gelernt hatten, vor Anker gelegen. Es ist eine gut gesch├╝tzte Ankerbucht. Das Wasser ist jedoch braun gef├Ąrbt vom Flussschlamm, der mit jeder Tide in Meer gesp├╝lt wird. Der Ort ist sehr klein und wohl mehr ein Feriendorf. Au├čer einem ‚Generalstore‘ gibt es wohl wenig Einkaufsm├Âglichkeiten. Von einem Mitarbeiter eines Boots- und Campingbedarfsgesch├Ąftes bekommen wir den Tip, nach Whangaroa zu fahren und uns auch die Westseite des Nordinsel anzusehen.

Wir schauen uns den idyllischen Whangaroa Habour an und machen Station auf den dortigen Campingplatz. Der Platz sieht eigentlich geschlossen aus. Es steht nur ein Zelt dort, von dem wir nicht erkennen k├Ânnen, ob es derzeit benutzt wird. Die Rezeption ist geschlossen und es brennt in dem dunklen Raum auch nirgends ein Licht. „Bitte klingeln“ steht auf einem Schild, was wir dann auch tun. Sekunden sp├Ąter ├Âffnet der Campingplatzbetreiber uns die T├╝r und hei├čt uns willkommen. Nat├╝rlich hat er f├╝r uns Platz. Wir d├╝rfen w├Ąhlen und uns hinstellen, wo auch immer wir m├Âchten. Die Saison sei schon fast vorbei, da die Ferien in Neuseeland an diesem Wochenende enden.
Obwohl der Campingplatz mit allem ausgestattet ist, inkl. WiFi, ist er doch insgesamt sehr einfach und nicht unbedingt wirklich sauber. Aber f├╝r die Nacht reicht es.
Unser Abendessen bereiten wir auf unserem mitgebrachten Grill und dann wird zeitig schlafen gegangen. Die wohlverdiente Nachtruhe bleibt jedoch aus. Durch die ge├Âffneten Fenster sind hunderte von M├╝cken ins Auto gekommen, die sich auch von unserer Bettdecke nicht abschrecken lassen und uns stechen. Am n├Ąchsten Morgen sind wir von M├╝ckenstichen ├╝bers├Ąht, die drei Tage sp├Ąter erst richtig zu brennen und zu Jucken anfangen. Camper-Gl├╝ck, auf das wir gerne verzichtet h├Ątten.

Die Fahrt geht am n├Ąchsten Tag weiter nach Norden, zun├Ąchst entlang der Ostk├╝ste und dann zum ’90 Miles Beach‘. Sind die Spuren im Sand dort noch von Thomas und Frauke ‚Walkabout‘, die hier im November Richtung S├╝den marschiert sind? ­čśë
Hier rollen die Wellen der Tasmansee an den Strand und gef├╝hlt ist das Meer hier deutlich k├Ąlter, als auf der Ostseite Neuseelands, wo es der Pazifik ist. Hier am Strand beschlie├čen wir, dass Nordkap auszulassen und wieder in Richtung S├╝den zu fahren. Wir d├╝rfen mit unserem Camper ohnehin nicht die letzten 20 Kilometer von Te Hapua bis zum Kap fahren. Also besuchen wir noch Ahipara. Der Ort liegt am s├╝dlichen Eingang der ’90 Miles Beach‘ und ist mit vielen H├Ąusern, die auch einen Meerblick haben, bestimmt auch ein gern besuchter Ferienort.

Stra├čenschilder, Karten und GPS – und manchmal nimmt man doch nicht die richtige Abzweigung. Schon landet man in einer Gegend, die immer einsamer wird und die Strasse zur Schotterpiste. Vereinzelt tauchen noch Farmen auf. Wir fragen nach dem Weg. Die Stra├če f├╝hrt ins Nichts und wir m├╝ssen umkehren. Belohnt wurde unser Umweg mit dem Blick auf eine wundersch├Âne Berglandschaft mit Fl├╝ssen und Seen und in der Ferne die K├╝ste und die Tasmansee.

Wir haben viele Schafherden erwartet. Sehen tun wir kaum welche und dann sind es so wenige Schafe, dass man die kaum als Herde bezeichnen kann. Haupts├Ąchlich sehen wir Rinder und Rinderherden. Aber irgendwo muss doch das ganze Lammfleisch herkommen, dass in aller Welt verkauft wird? Wir sind gespannt, ob sich das Bild noch ├Ąndern wird.

Die H├Ąuser, die wir ├╝ber Land sehen, ├Ąhneln sich irgendwie alle. ├ťberwiegend sind sie einst├Âckig, cremefarben oder hellgrau, mit meist dunklem Dach. Von weitem sehen sie aus wie Holzh├Ąuser, was einige wohl auch tats├Ąchlich sind. Tats├Ąchlich handelt es sich aber nur um eine Holzoptik und die ‚Holzbohlen‘ sind aus so etwas wie Eternit. Pflegeleichte Baus├Ątze. Steinh├Ąuser und mehrst├Âckige H├Ąuser sind auf dem Land eher die Ausnahme. Doch ab und zu sehen wir auch romantische Holzh├Ąuser im Kolonialstil mit ├╝berdachter Terrasse, auf der man einen Schaukelstuhl erwartet.

Uns fallen die Briefk├Ąsten auf, die ├╝berall vor jeder Einfahrt und jedem Haus stehen. Hier hat noch niemand, wie beispielsweise aktuell in der Schweiz, auf Normierung gedrungen. Sie sind so individuell, wie die Menschen, die hier wohnen. Da sieht ein Briefkasten schon mal aus, wie ein Legosteinhaus, ein Vogelh├Ąuschen oder es wurde eine alte Mikrowelle einfach zum Briefkasten umfunktioniert.

Wir sind wieder auf der richtigen Stra├če nach S├╝den auf der Westseite der Nordinsel. H├Ąufig f├╝hrt der Weg ├╝ber kleine, sich durch das gr├╝ne Land schl├Ąngelnde Fl├╝sse und B├Ąche und fast ebenso h├Ąufig wird dann aus der normalen zweispurigen Stra├če eine einspurige Br├╝cke. Vielleicht erfahren wir ja irgendwann einmal, warum die Neuseel├Ąnder hier gespart haben ­čśë
Und wieder wird die Stra├če einspurig und h├Ârt sogar auf. Nicht ganz. Es geht mit der F├Ąhre weiter ├╝ber den Hokianga Habour nach Ravene. So k├Ânnen wir ein ganzes St├╝ck Strecke sparen und an der K├╝ste bleiben. Eine absolut lohnenswerte Entscheidung bei dem sonnig warmen Wetter.
Der Aussichtspunkt bei Omapere, den man ├╝ber einen hochgelegenen kurzen und sehr gepflegten Wanderweg erreicht, gew├Ąhrt uns einen traumhaften Ausblick. Wir stehen hoch ├╝ber der Tasmansee, am Eingang des Fjordes Hokianga Habour, mit Ausblick auf K├╝ste und die umliegenden Str├Ąnde. Gewaltig und imposant, tr├Ąumerisch m├Ąrchenhaft und Freiheit verhei├čend. Unsere Gedanken fangen an zu fliegen. Es ist so, wie wir es m├Âgen.
Nach einem kurzen Plausch mit dem Parkplatzw├Ąchter, einem hiesigen Farmer, geht es weiter nach S├╝den. Unser n├Ąchstes Ziel sind die riesigen Kauri-B├Ąume. Sie sind Jahrtausende alt. Ihr Umfang betr├Ągt ├╝ber 13 m und sie k├Ânnen schon mal locker ├╝ber 50 m hoch werden. So einen Urwaldriesen vor sich zu haben, erweckt in uns ein Gef├╝hl der Ehrfurcht. Diese riesigen B├Ąume versetzen uns in die Urzeit und geben uns ein anderes, wiederum neues Zeitgef├╝hl. Auch die riesigen Farne in diesen W├Ąldern, durch die diese Stra├če f├╝hrt, verst├Ąrken dieses unwirkliche Zeitgef├╝hl.
Am sp├Ąten Nachmittag erreichen wir am Waipoua Forest unsern Campingplatz f├╝r die Nacht. Der Kauri Coast Top 10 Holiday Park ist vorerst einer der sch├Ânsten Campingpl├Ątze, die wir kennen lernen. Mitten im Urwald gelegen, an einem Fluss, der auch einen Badesee bildet, liegt er wundersch├Ân. Er ist nicht allzu gro├č und ├╝berschaubar. Die Ausstattung ist ansprechend, so dass wir uns durchaus wohl f├╝hlen. Langsam gew├Âhnen wir uns an das Campingleben, dass trotz allem doch sehr viel m├╝hsamer ist, als unser Bordleben.

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