Samoa – TALOFA – vom 1.6. bis 14.6.2016

Am Mittwoch, den 1. Juni verlassen wir morgens frĂŒh Tonga. Außerhalb der geschĂŒtzten Lagune weht der Wind mit um den 20 Knoten aus Ost-Nord-Ost. Etwas mehr sĂŒdlich wĂ€re fĂŒr unsern Kurs bequemer, aber es reicht um am Wind Samoa anlegen zu können. Segel setzen und Angel ausbringen ist eins. Uns es dauert keine zehn Minuten, da ist das AngelvergnĂŒgen fĂŒr Hermann auch schon vorbei. Ein rund 7 kg schwerer Thuna hĂ€ngt an unserer Angel. Damit sind unsere KapazitĂ€ten im KĂŒhlschrank erschöpft und es herrscht zumindest bis zum nĂ€chsten Tag, also bis kurz vor Ankunft in Samoa, Angelverbot 🙁
Beim ersten Tageslicht am Donnerstag Morgen tauchen im frĂŒhen Dunst auch schon die Konturen der Inseln von Samoa vor uns auf. (American Samoa liegt weiter östlich und soll nicht so reizvoll und vor allen teuer sein).

——-Zur gleichen Zeit, als wir durch die beiden großen Samoainseln durchsegeln, begibt sich Hermanns Mutter, Tibeta Stoltz, auf ihren letzten Törn. Bei sanften Winden und wenig Welle gleitet sie dahin. Mögen gute Winde mit ihr sein!—–

Wir wollen zunĂ€chst in die Hauptstadt Apia, der einzige Port of Entry fĂŒr Samoa, auf der Insel Upolu. Es wĂ€re natĂŒrlich gĂŒnstiger gewesen die Insel östlich zu umfahren und dann mit dem Wind bis Apia zu segeln. Da uns der Wind in der letzten Nacht aber nicht den Gefallen getan hatte auf SĂŒd -Ost zu drehen, hat uns unser am-Wind-Kurs direkt zwischen die beiden Inseln Savai’i und Upolu gefĂŒhrt. Jetzt heißt es vier Stunden an der Nordseite der Hauptinsel Richtung Apia gegen den Ostwind an zu motoren. Zeit zum Wasser machen und die Tanks zu fĂŒllen und die Batterien aufzuladen. Ist doch auch gut 😉
Die Einfahrt nach Apia fĂŒhrt durch die Riffe. Vergeblich suchen wir die in unserem Buch beschriebenen Peilmarken, die wenn man, wie wir von Westen kommend, erst sehr spĂ€t sehen soll. Es wurde nĂ€mlich das jetzt in UfernĂ€he gelegene RegierungsgebĂ€ude vor die hintere Peilmarke gebaut. Wir halten uns deshalb an den Peilstrich auf unserem Kartenplotter. Und dann entdecken wir auch, dass die zweite Peilmarke jetzt oben auf einem Berg steht. Also, alles gut. Wir sind auf dem richtigen Weg.
Wir wollen vor der Stadt vor Anker gehen. Doch erst einmal rufen wir ĂŒber Funk die Hafenbehörden an, um uns anzumelden und die Genehmigung zum ankern zu bekommen. Die Hafenbehörden fĂŒhlen sich jedoch fĂŒr uns nicht zustĂ€ndig. Wir möchten bitte in die Marina fahren und dort alle FormalitĂ€ten erledigen. Na denn. Wir hatten ja schon vorher ĂŒber Radio Coco erfahren, dass man die Angelegenheiten hier sehr individuell und unterschiedlich regelt.
Die Marina ist so gut wie leer und wir können unseren Liegeplatz mit Strom- und Wasseranschluss frei wĂ€hlen. Es dauert etwas, bis wir jemanden von der Marina auftreiben. Heute ist nĂ€mlich Feiertag. Besser gesagt ’nach-Feiertag‘ 🙃 Der nationale Feiertag (Samoa independence-day) war nĂ€mlich gestern, also am 1. Juni. Und weil ja alle wieder einen klaren Kopf bekommen mĂŒssen, ist heute auch noch frei. Von der Marina ist also nur einer der Securities greifbar. Der ist aber sehr nett und versucht sein Möglichstes, um Health, Quarantine, Migration und Customs trotz nach-Feiertag zu aktivieren und zu uns kommen zu lassen. Aber vor Freitag Morgen besteht keine Möglichkeit. Wir dĂŒrfen offiziell also nicht an Land. Doch das Hafenrestaurant direkt am Steg ist ok. Und dort können wir auch mit Kreditkarte bezahlen, so dass wir auch kein WĂ€hrungsproblem haben. Zum Geldautomaten und zum Einkaufen geht es dann eben erst am nĂ€chsten Nachmittag.

TALOFA! Willkommen in Apia.

Vielleicht war es ganz gut vorher noch einmal in Tonga gewesen zu sein. Die paradiesischen Inseln und StrĂ€nde Tongas werden wir hier nicht finden. Doch das Leben der Menschen in Tonga haben wir als an der Armutsgrenze empfunden. Es gab nicht mehr, als unbedingt notwendig. Und eben auch nicht immer alles oder manchmal ĂŒberhaupt etwas, wie zum Beispiel Obst und GemĂŒse in Pangai. Entsprechend ist auch das Bild der Autos, Straßen und HĂ€user dort geprĂ€gt.
Der erste Eindruck von Samoa hier in Apia unterscheidet sich deutlich von Tonga, aber auch von den ĂŒbrigen SĂŒdseeinseln. Es ist nicht so stĂ€dtisch, wie beispielsweise Papeete, aber moderner als Nukualofa. Das Sheraton versprĂŒht einen Hauch internationalen Flairs. Die Autos, die hier fahren, sehen ĂŒberwiegend gepflegt aus und nicht, als wenn sie seit Jahren TÜV-ĂŒberfĂ€llig sind. Die Straßen sind ĂŒberwiegend gut befahrbar. Die HĂ€user sind allerdings ein Thema fĂŒr sich, das wir weiter unten noch beschreiben werden. Der Obst- und GemĂŒsemarkt soll 24 Stunden am Tag geöffnet sein. Das wird wohl nicht so ganz stimmen. Doch sind die Öffnungszeiten weit ausgedehnter, als in Tonga. Wie in Tonga sind auch die meisten Samoaner freundlich, hilfsbereit und jederzeit fĂŒr ein SchwĂ€tzchen zu haben. Ob Kinder oder Erwachsene, fast jeder grĂŒĂŸt, wenn man vorĂŒbergeht. Man kann getrost ĂŒber die Straße gehen, ohne gleich ĂŒberfahren zu werden, denn die Autofahrer sind hier freundlich und rĂŒcksichtsvoll. Es wird viel gehupt, doch nur um andere vorĂŒberfahrende zu grĂŒĂŸen. Wenn wir durch die Straßen gehen und die Menschen beobachten, haben wir den Eindruck, es ist ein glĂŒckliches Leben hier. Die ganze AtmosphĂ€re strahlt eine gewisse Leichtigkeit und Zufriedenheit aus, die wir als besonders empfinden.

Übrigens war Samoa Anfang des letzten Jahrhunderts einmal Deutsche Kolonie, bis dann Neuseeland die Verantwortung nach dem ersten Weltkrieg im Rahmen der englischen Commonwealth ĂŒbernommen hat. Vereinzelt findet man noch den deutschen Kolonialbaustil und es soll auch immer noch deutschsprachige Familien geben.

Es gibt Unmengen von Taxis. Fast jedes vierte Auto scheint ein Taxi zu sein, dass versucht, eine Tour zu ergattern. Einige Taxifahrer stehen auch hĂ€ufig am Ende des Steges der Marina und bieten ihre Dienste an, zu ĂŒbrigens sehr unterschiedlichen Preisen.
Wir verabreden fĂŒr Sonntag eine Inselrundfahrt zur Besichtigung des östlichen Teils der Insel. Unser Taxifahrer heißt Junior. Er ist ein netter Kerl, geht aufgrund seines Körperumfangs wie ein Sumoringer und scheint sich deshalb insgesamt nur sehr ungern zu bewegen. Ihm liegt am Herzen uns sein Samoa zu zeigen. Er wird uns erzĂ€hlen, was Traditionen sind, uns die ĂŒblichen Speisen probieren lassen und uns zu den schönsten PlĂ€tze der Insel fĂŒhren.
Wir sehen die teilweise sehr herrschaftlichen GebĂ€ude der einzelnen Botschaften hier vor Ort, den Botanischen Garten mit der schönen alten Villa, utopisch anmutende Kirchen, ĂŒberhaupt liegen Unmengen von Kirchen an unserer Route, WasserfĂ€lle, auch mit Bademöglichkeit, diverse schön angelegte Resorts. Dann besuchen den Ocean-Trench-Park. Ocean Trench deshalb, weil es hier zwei Kraterlöcher mit ca 50 bis 80 m Durchmesser gibt, die unterirdisch einen Zugang zum Meer haben. Über eine Leiter kann man in das eine Loch hinunter steigen und dort in einem Pool baden, der durch Meerwasser bei Flut immer neu gefĂŒllt wird. Den Mittagslunch gibt es in einem Resort. Ein Omu-BĂŒffet wird serviert. Neben dem im traditionellen Erd-Stein-Ofen zubereiteten Schwein gibt es Tarowurzeln und mit Kokos zubereitete TaroblĂ€tter, außerdem rohen Fisch in Kokos und verschiedenes mehr. Die Fahrt geht durch die Berge, Dschungelgebiete, zahllose kleine Dörfer an der KĂŒste entlang. Weiße StrĂ€nde, Riffe, Resorts und Lavafelder wechseln sich ab. Wir erfahren, dass viele HĂ€user hier beim letzten Tsunami zerstört wurden und nur teilweise wieder aufgebaut. Die traditionellen HĂ€user wurden weitestgehend damals nicht zerstört, das sie offen sind und das Wasser sofort wieder heraus lĂ€uft (erklĂ€rt uns Junior). Viele Familien sind inzwischen aber auch in höher gelegene Gebiete gezogen, was fĂŒr sie eine Schwierigkeit anderer Art nach sich zieht. Dort, wo sie jetzt wohnen, fĂ€hrt kein Bus. So mĂŒssen sie erst einen beschwerlichen Fußweg auf sich nehmen, um zur KĂŒstenstraße zu gelangen. Verpassen sie den einzigen Bus am Morgen, haben sie keine andere Möglichkeit zur Arbeit in die Stadt zu kommen.
Nachmittags um 4.00h erreichen wir nach der siebenstĂŒndigen Rundfahrt wieder die Marina, erfĂŒllt von vielen neuen EindrĂŒcken.

Hatten wir schon erwĂ€hnt, dass hier unser Cockpit-Thermometer eine Wassertemperatur von ĂŒber 31° anzeigt? ☀ Die Lufttemperatur betrĂ€gt meist um die 33°, gefĂŒhlte 38°. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit ist es hĂ€ufig sehr drĂŒckend. Wer glaubt, SĂŒdsee heißt blauer Himmel und Sonnenschein, ist jedoch im Irrtum. Wir sind in den Tropen. Das bedeutet, dass es außerhalb der der Cyclon-Saison und Regenzeit, etwas weniger regnet. Etwas 😉 Also es regnet fast jeden Tag, manchmal nur nachts. WĂ€re das anders, wĂŒrde die Landschaft nicht so grĂŒn sein, sondern wĂ€re verbrannt.

Dienstag Abend ist Showtime. Im Restaurant gegenĂŒber der Marina gibt es die „heisseste“ Show Apias 😉 Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Schließlich möchten wir auch einen Eindruck von den traditionellen TĂ€nzen und der Musik gewinnen. Man kann wĂ€hlen ob man Show mit Dinner oder nur die Show buchen möchte. Da uns der Ă€ußere Eindruck des Restaurants nicht ĂŒberzeugt, gehen wir also nur zur Show hin. Gezeigt werden neben den TĂ€nzen auch eine heiße Feuershow. Selbst die ganz jungen AnfĂ€nger dĂŒrfen an diesem Abend auftreten. Der Moderator, und wohl auch Lehrer der Kids, ist besonders stolz darauf, dass zwei dieser ehemaligen Strassenkinder es mit ihrem Können bis in eine Show nach Hongkong geschafft haben. Die beiden jungen MĂ€nner haben dort jetzt einer Dauerengagement.
Wir finden den Abend gelungen und haben Spaß an den VorfĂŒhrungen.

Die WĂ€hrung in Western Samoa heißt Tala. Wir ĂŒberlegen, ob der Name wohl von dem deutschen Taler kommt?
1 Tala entspricht in etwa 0,34 Euro-Cent.

HĂ€user in Samoa
Die traditionellen HĂ€user in Samoa sind besonders. Sie haben keine WĂ€nde. Auf der Bodenplatte, etwa einen halben Meter ĂŒber dem Erdboden, stehen am Ă€ußeren Rand diverse SĂ€ulen die das Dach tragen. Die DĂ€cher sind heutzutage meist Wellblech und die SĂ€ulen aus Beton. Einige HĂ€user haben zudem außerhalb der SĂ€ulen so etwas, dass in etwa aussieht wie ein Gartenzaun. Es gibt vereinzelt auch noch HĂ€user, die mit Palmwedeln gedeckt sind oder auch mit Holzschindeln. Die Stirnseiten der DĂ€cher sind traditionell rund, so dass sie insgesamt wie ein langgezogenes Oval aussehen. HĂŒbsch und einladend. In diesen Fales (Fale = Haus) wird gelebt. Wir sehen Tisch, Bett, StĂŒhle, Fernseher usw. Andere HĂ€user stehen leer und dienen nur als Versammlungsraum. Meistens sitzen die Menschen dann auf dem Boden mit dem RĂŒcken an eine der SĂ€ulen gelehnt, wie beispielsweise bei den Frauenversammlungen, die wir hĂ€ufiger sehen.
Vor den HĂ€usern sind hĂ€ufig in den GĂ€rten Grabstellen oder sogar kleine HĂ€user, in denen die Familienmitglieder beigesetzt werden. Von Junior erfahren wir, dass nur wer auf einem MietgrundstĂŒck wohnt, seine Angehörigen auf einem Friedhof beisetzen lĂ€sst.
Als wir mit dem Taxi am Nachmittag durch die Dörfer fahren, sehen wir so HÀufchen in den HÀusern liegen: Menschen, die ihren Mittagsschlaf halten.
Es gibt zeitgemĂ€ĂŸ auch fast genauso viele HĂ€user mit gemauerten WĂ€nden, TĂŒren und Fenstern. Oder HĂ€user die zur HĂ€lfte WĂ€nde haben und die andere HĂ€lfte ist eben traditionell offen. Aber bei fast jedem Steinhaus steht dann im Garten auch ein kleineres oder grĂ¶ĂŸeres Haus ohne WĂ€nde.
Die GĂ€rten sind ĂŒbrigens fast ausnahmslos gut gepflegt und sehr nett angelegt. So fahren wir durch eine bunte Landschaft von verschiedenfarbigen Pflanzen, duftenden Blumen und in allen möglichen Farbvariationen gestrichenen HĂ€usern. Selbst die gemauerten HĂ€user sind bunt gestrichen und die Mauerfugen farblich abgesetzt.
MĂ€rkte
Wir gehen fast jeden Tag auf die beiden großen MĂ€rkte in Apia. Den Stoff- und Souvenir-Markt und auf den Obst- und GemĂŒsemarkt, wo es auch Stoffe und Handwerksarbeiten, also beliebte Souvenirs gibt.
Die Preise variieren sehr. Eine Kleine TĂŒte MohrrĂŒben kostet beispielsweise 5 Tala. Ein genauso großes TĂŒtchen Tomaten 15 Tala, 5 bis 6 große Mandarinen oder eine Papaya kosten 2 Tala. Unser Taxifahrer sagt dazu, dass es in der Stadt teuer ist. Auf dem Land sei das viel gĂŒnstiger.
Unsere Marktfrau, die schon am ersten Tag sehr freundlich und hilfsbereit war, freut sich auf jeden Fall, jedes Mal wenn Sie uns sieht und wir etwas bei ihr kaufen 😉
Zum Mittag gibt es eine gute Portion Fish/Chicken and Chips auf dem Markt fĂŒr 8 Tala, ein GetrĂ€nk fĂŒr 0,75 Tala. Oder ein mit Fleisch gefĂŒlltes Brötchen fĂŒr 1,50 Tala. Diese Brötchen werden hier mittags in Massen verkauft. Denn auch bei den Schulkindern scheinen diese Brötchen das ĂŒbliche Mittagessen zu sein.

Bei den Souvenirs verstehen wir das Preissystem allerdings ĂŒberhaupt nicht. Da steht zum Beispiel auf einer Kawa-Schale ein Preis von 140 Tala. Nimmt man das Teil in die Hand, bietet der VerkĂ€ufer Sie uns fĂŒr 90 Tala an. Zahlt man letztendlich 60 oder 70 Tala dafĂŒr, ist der Deal perfekt. Und das war ĂŒberall auf den MĂ€rkten so. Alle Preise sind verhandelbar, manchmal eben bis zu weniger als die HĂ€lfte.

Taxis/Leihwagen
Ein Taxi fĂŒr die Strecke von der Marina bis ins Zentrum kostet 5 Tala. Doch meistens gehen wir den Weg ins Zentrum zu Fuß und nehmen nur fĂŒr den den RĂŒckweg ein Taxi, damit wir unsere EinkĂ€ufe nicht tragen mĂŒssen.
Der erste Taxifahrer, der uns eine Inselrundfahrt anbietet, nennt uns einen Preis von 250 Tala. Wir informieren uns auf Grund dessen, was ein kleiner Mietwagen kostet. Der liegt bei 120 Tala. Hinzu kommen die Kraftstoffkosten. Ansonsten keine versteckten Kosten, wird uns ausdrĂŒcklich versichert. Hat man jedoch keinen internationalen FĂŒhrerschein, ist eine ÜbersetzungsgebĂŒhr zu zahlen. Deshalb haben wir das Angebot von unserem Taxifahrer Junior (so nennt er sich wirklich) direkt angenommen, der die Tour mit uns fĂŒr 160 Tala macht.
Wir treffen andere Touristen, die glatt das doppelte bezahlt haben. Wir machen die Erfahrung, das man gut einen Deal machen kann, wenn man 20 Tala die Stunde anbietet. Und worauf man unbedingt achten sollte, sind die englischen Sprachkenntnisse des Taxifahrers. Es bringt nĂ€mlich ĂŒberhaupt keinen Spaß, wenn man 7 Stunden mit jemanden durch die Gegend fĂ€hrt, den man einfach nicht versteht und der umgekehrt die einfachsten Fragen nicht beantworten kann.
Wir hatten also wirkliches GlĂŒck, den richtigen Taxifahrer erwischt zu haben. Nicht nur das der Preis fĂŒr uns in Ordnung war, nein, es lag ihm daran uns wirklich sein Samoa zu zeigen und zu erklĂ€ren. So ist es nicht verwunderlich, das wir ihn fĂŒr eine zweite Tagestour fĂŒr den westlichen Teil der Insel buchen.

Die Behörden
Alles ist relativ einfach beim ein- und ausklarieren. Man benötigt nur Zeit und Geduld. FĂŒr den Ausreise-Zwischenstopp in Savai’i benötigt man eine Ausnahmegenehmigung, die man kostenlos im RegierungsgebĂ€ude bekommt. Die Dame informiert dann eigentlich auch alle anderen Behörden.
Nur der Customs, der macht Theater. Trotz Ausnahmegenehmigung fĂŒr Savai’i dĂŒrfen wir dort auf dem Weg nach Wallis und Futuna keinen Zwischenstopp machen. Wenn wir dort hin möchten, mĂŒssten wir anschließend wieder zurĂŒck nach Apia kommen und hier ausklarieren. FĂŒr uns wĂŒrde das bedeuten mindestens einen Tag gegen den Wind zu segeln. Ausserdem haben wir uns schon bei der Migration abgemeldet nach Wallis via Savai’i und unseren Ausreise-Stempel im Pass erhalten.
Alle anderen mit denen wir darĂŒber gesprochen haben, darunter auch zwei Zollbeamte, hatten gesagt, es ist kein Problem erst auszuklarieren und dann trotzdem noch einen Zwischenstopp in Savai’i einzulegen. Und nun dĂŒrfen wir diesen Zwischenstopp auf der Nachbarinsel nicht einlegen. Es gibt eine ziemliche Diskussion, weil es auch auf offiziellen Seiten im Internet als ĂŒbliche Möglichkeit erklĂ€rt ist, und wir nicht einsehen wollen, dass das jetzt nicht möglich sein soll. Letztendlich zahlen wir die AusklarierungsgebĂŒhr von 54 Tala und dĂŒrfen dann doch via Savai’i Samoa verlassen.

Culture Village
Hinter der Touristeninformation in Apia liegt das Culture Village. Diese Entdeckung machen wir eigentlich eher zufĂ€llig. Jeden Dienstag, Mittwoch und Donnerstag morgens um 10.30 Uhr gibt es hier eine VorfĂŒhrung, die Einblick in die Kultur der Samoaner gibt. Wir finden dieses Angebot fantastisch und haben so etwas bisher noch nicht kennen gelernt. Am letzten Dienstag vor unserer Weiterfahrt gehen wir dorthin um es uns anzuschauen. In den folgenden drei Stunden bekommen wir einen nachhaltigen Eindruck von der Kultur der Samoaner.

Omu heißt das Essen, das im Erdofen (auf der Erde, nicht im Erdloch) zubereitet wird. HierfĂŒr wird ein krĂ€ftiges Feuer angezĂŒndet. In die Glut kommen Flusssteine, auf denen die Speisen dann gegart werden. Gegart wird Fisch, Tarowurzeln (Ă€hnlich unserer Kartoffel), grĂŒne unreife Bananen, TaroblĂ€tter mit Kokossaft. Es wird gezeigt, wie eine Kokosnuss (ziemlich flott) geschĂ€lt und geknackt wird, ausgeschabt und der Saft in einem dĂŒnnen Fasergewebe (hergestellt aus den BlĂ€ttern einer nichttragenden Bananenart), ausgedrĂŒckt wird. Üblicherweise gehört zum Omu auch hĂ€ufig ein Schwein. Heute in der VorfĂŒhrung gibt es jedoch Fisch. Die Speisen werden zum garen mit BananenblĂ€ttern abgedeckt und dem Brennmaterial des letzten Omu. Das alte Brennmatrial wird rundherum um die Feuerstelle festgestampft, um möglichst die Hitze bei den Steinen zu halten. Es ist wie ein Tanz zudem gesungen wird. Das Essen braucht eine Dreiviertel Stunde zum garen. Das ist die Zeit, die es braucht, zum besteigen einer Palme und Flechten von zwei Körben, in denen das Essen dann getragen werden kann. So wurde die Zeit gemessen bevor es Seiko gab. 😉
Im nĂ€chsten Haus wird anschließend gezeigt, mit welchen Werkzeugen die Holzarbeiten hergestellt werden, wie beispielsweise die Kawa-Schalen.
Weiter geht es zu den Tatoos. Wir dĂŒrfen zuschauen, wie ein Mann und eine Frau tĂ€towiert werden, und erfahren, was die aufwendigen Tatoos bedeuten. Wie beispielsweise die Tatoos der MĂ€nner von Nierenhöhe bis hinunter zu den Knien. Uns war schon aufgefallen, dass in Samoa viel weniger Menschen tĂ€towiert sind, als beispielsweise auf den Marquesas. Hier erfahren wir jetzt, woran es liegt. Wer sich tĂ€towieren lĂ€sst, muss es in einem StĂŒck machen lassen. Also tĂ€glich einige Stunden und das bis zum einem Monat. Eine echte Tortur. Wer so eine TĂ€towierung anfĂ€ngt und nicht zu Ende bringt, bringt Schande ĂŒber die ganze Familie. Deswegen machen das eben nicht so viele, sondern nur die besonders mutigen MĂ€nner und Frauen.

Jedes Dorf hat seine Heilerin. Zu der gehen die Samoaner auch heute noch. Zum Arzt oder ins Krankenhaus geht man nur, wenn die Heilerin nicht helfen kann. Allheilmittel bei Kopfschmerzen sind ĂŒbrigens die roten BlĂ€tter eine bestimmten Pflanze, die wir in fast jedem Garten gesehen haben.

Besonders spannend finden wird die Herstellung der Tappas. Von einer bestimmten Pflanze wird ein etwa 1 m lĂ€nger Zweig mit ca. 3 cm Durchmesser genommen und die Rinde abgeschĂ€lt. Von der Rinde wird die innere Schicht abgetrennt, ein Streifen von ca. 7 cm Breite. Über diesen Streifen wird jetzt mit Wasser und einer Muschel gestrichen, bis das Gewebe die doppelte Breite erreicht hat. Dann wird der Streifen gefaltet und wieder so behandelt, immer wieder gefaltet, befeuchtet, gestrichen und letztendlich gerollt und geschlagen. Auf diese Weise entsteht ein sehr dĂŒnnes , aber stabiles Tuch von ca. 40 cm Breite und 1 Meter LĂ€nge. Wenn es getrocknet ist, werden mit Naturfarben die traditionellen Muster aufgebracht. Löcher werden mit der Tapiocawurzel (StĂ€rke) und kleinen StĂŒckchen zugeklebt. GrĂ¶ĂŸere Tappas werden auf diese Art zusammengeklebt, meist in mehreren Lagen. Verwendet werden Tappas (Ă€hnlich einem Filz) als Deko und fĂŒr Kleidung.

Zum Abschluss der Veranstaltung bekommt jeder eine Portion der verschiedenen Speisen aus dem Omu bevor es noch eine tolle Tanz- und Gesangsshow zu sehen gibt.

Es scheint ĂŒblich zu sein, das die Tanzgruppen anschließend Geld fĂŒr sich sammeln, ganz gleich, ob Eintritt gezahlt wird oder es, wie in diesem Fall eine kostenlose Veranstaltung ist.
Überhaupt wundern wir uns, wo ĂŒberall kassiert wird. GebĂŒhren fĂŒr den Eintritt in den Ocean-Trench, fĂŒr den Besuch eines Wasserfalls, der Sliding Rocks, der Blow Wholes. Eigentlich muss man bei fast jeder SehenswĂŒrdigkeit bezahlen. In der Regel sind 5 Tala Eintritt pro Person zu zahlen. Das etwas kostenlos ist, ist eher die Ausnahme. Das Hotel Return to Paradise beispielsweise nimmt sogar 25 Tala, wenn man nur auf das GelĂ€nde zum Hotel fahren möchte, vergĂŒtet wohl aber einen Teil beim Verzehr von Essen und GetrĂ€nken.

Schade finden wir nur, dass die Ankermöglichkeiten nur sehr beschrĂ€nkt sind. Es ist schwierig geschĂŒtzte Buchten zu finden. So bleiben wir in Apia in der Marina bis zum ausklarieren und der Weiterfahrt zur Nachbarinsel Savai’i.

Die EindrĂŒcke und das Erlebte der knapp zwei Wochen hier auf der Insel ist so vielfĂ€ltig und reichhaltig, dass wir gar nicht alles wieder geben können. Samoa ist aus unserer Sicht auf jeden Fall eine Reise wert und wir sind froh, dass wir hierher gekommen sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.