Samoa – „Where are you going?“ – vom 15.6. bis 20.6.2016

Nach Apia ist unser erster Zwischenstopp die Matautu Bay auf Savai’i. Wie schon erwĂ€hnt, gibt es leider nur sehr wenige gut geschĂŒtzte AnkerplĂ€tze und so sind wir in unserer Auswahl sehr eingeschrĂ€nkt. Der Ankerplatz ist dann auch eher unruhig, da wir immer wieder quer zum Schwell liegen. Der ausgebrachte Heckanker bringt auch nur vorĂŒbergehend wirkliche Beruhigung, also leben wir mit der Schaukelei
Den ersten Morgen nach unserer Ankunft erkunden wir die Dörfer der kleinen Bucht zu Fuß. Da unsere Datenmenge fĂŒr das Internet verbraucht ist, suchen wir nach einem entsprechenden GeschĂ€ft, wo wir 3G-Datenvolumen nachkaufen können. Der erste Samoaner, der uns bei unserem Landgang entgegenkommt, fragt uns erst einmal „Where are you going?“ und gleich danach „Where do you come from?“ Wir beantworten die Fragen natĂŒrlich, bevor wir ihn nach dem GeschĂ€ft fragen können. Die nĂ€chste Querstraße gibt es einen Kiosk/Laden. Dort steht schon mit einer etwas schlĂ€frigen Haltung eine Kunde davor: ein Pferd. Ob das Pferd auf ein StĂŒck Brot hofft? Es rĂŒhrt sich auf jeden Fall nicht vom Fleck und lĂ€sst sich auch von uns nicht stören. Der VerkĂ€uferin beantworten wir auch die beiden „Where…“ -Fragen, bevor wir dann unser Internet aufladen können.
Als nĂ€chstes machen wir uns auf die Suche nach einem Taxi fĂŒr eine Inselrundfahrt. Da es so wenige Buchten gibt, haben wir uns entschieden noch einmal eine Fahrt mit dem Auto zu machen, um etwas mehr auch von Savai’i zu sehen. Bei dem ersten Taxi sind wir dann doch ziemlich ĂŒberrascht ĂŒber die Höhe des Preises fĂŒr die geplante Fahrt. Mehr als doppelt so viel, wie wir in Apia gezahlt haben. Letztendlich finden wir ein Taxi, bei dem wir mit dem Preis ‚leben‘ können und verabreden uns fĂŒr den nĂ€chsten Morgen um 9.00 Uhr.
Am Ende der kleinen Bucht liegt ein Resort. Ob wir dort wohl etwas zu trinken bekommen? Zu Fuß gehen bei diesen Temperaturen macht schließlich durstig. Wir treffen den Manager vor dem Resort Savai’i Lagoon auf der Straße. Yachties sind herzlich willkommen und einen Augenblick spĂ€ter sitzen wir auf der Terrasse bei einem kĂŒhlen Bier. Der Manager kĂŒmmert sich rĂŒhrend um uns und wir haben wirklich das GefĂŒhl willkommen zu sein. WĂ€hrend wir unser eiskaltes Bier trinken, lernen einen ganz Teil der HotelgĂ€ste kennen, die ĂŒberwiegend aus Neuseeland kommen. Es ist sogar eine junge Familie aus Schweden dabei. Am Abend findet hier eine der Shows nach dem Dinner statt. Das Resort macht einen sehr netten Eindruck, wie eben auch der Manager, so das wir am Abend wieder kommen wollen. „Dann kommt doch mit eurem Dingi. Das könnt ihr natĂŒrlich hier am Strand lassen.“ Etwas zweifelnd schauen wir uns das Riff vor dem Resort an. Doch da dort auch einige Motorboote liegen, mĂŒsste es eigentlich gehen. Allerdings werden wir dann schon etwas frĂŒher kommen, um die erste Fahrt hierher bei Tageslicht zu machen. Man kann ja nie wissen 😉
Vor dem VergnĂŒgen steht die Arbeit. Als wir PACIFICA mit dem Aussenborder bestĂŒckt haben und los wollen, springt der Motor nicht an. Also Aussenborder an Bord und auseinander nehmen. Nach einer guten halben Stunde ist das Problem jedoch behoben und es kann losgehen. Wie gut, dass Hermann soviel technisches VerstĂ€ndnis hat.

Der Abend im Resort mit dem Dinner-BĂŒffet und der anschließenden Show ist dann auch sehr schön. Wir treffen noch einmal die neuseelĂ€ndischen Familie, die wir mittags schon kennen gelernt hatten. Sie betreiben eine Schaf- und Rinderfarm und haben nur eine Woche Urlaub hier mit ihren beiden Töchtern. Die 4.000 Schafe werden solange von einer Vertretung betreut
Die RĂŒckfahrt mit PACIFICA in der mondhellen Nacht ist, wie schon befĂŒrchtet, zunĂ€chst etwas hakelig, zumal inzwischen fast Ebbe ist. Doch der Mond scheint so hell, das wir im flachen Wasser jede einzelne Koralle und jeden Stein sehen können. Fast gespenstig schön und unwirklich. Bald erreichen wir das tiefere Wasser. Wir fahren weit hinaus, um nicht auf dem nĂ€chsten Riff zu landen. Dann können wir ĂŒber die Bucht auch auf PACIFICO zuhalten.

Inselrundfahrt. Unser Taxifahrer Moses ist am nĂ€chsten Morgen pĂŒnktlich am vereinbarten Treffpunkt. Wir sehen den östlichen Teil mit seinen vielen Dörfern, bestaunen an der SĂŒdseite der Insel die raue, felsige KĂŒste mit den Blowholes, eine romantischen Wasserfall, unter dem wir ein kĂŒhles Bad genießen. Höhepunkt dieser Rundfahrt ist wohl die Kirchenruine, die 1911 bei einem Vulkanausbruch von Lawa grĂ¶ĂŸtenteils verschĂŒttet wurde. Leider können wir unseren Taxifahrer nicht all zu viel fragen und das, was er so erzĂ€hlt, ist aufgrund seines Akzentes kaum zu verstehen. Sein Englischkenntnisse reichen kaum ĂŒber die „Where …“ – Fragen hinweg. Leider hatten wir am Vortag darauf nicht genĂŒgend geachtet. Und Moses scheint das auch ĂŒberhaupt nicht zu stören. Er hat eben ein freundliches, leichtes GemĂŒt

Am Samstag Vormittag segeln wir weiter in die nĂ€chste und fĂŒr uns letzte Bucht Savai’is, nach Asau. Die relativ schmale Zufahrt erfordert Eyeball-Navigation, denn die Karten sind nicht wirklich genau genug. Laut unserem Plotter ankern wir spĂ€ter auf dem Land
Wir fahren erst in der Lagune am Ufer entlang und ankern schließlich direkt vor dem Dorfzentrum. Unser Rundgang an Land fĂŒhrt uns auch hier in ein Resort zu einem kĂŒhlen GetrĂ€nk. Wir vermuten, dass dies das Resort ist, vor dem im letzten Jahr die GREEN DUCK gelegen hatte und das er uns als sehr nett empfohlen hatte.
Die erste Nacht verbringen wir dann am Nord-Ost-Ende der Lagune vor einem schönen Palmenstrand. Wir ankern bei 5 Meter tiefe. Als wir mit dem Wind um den Anker drehen sind es dann nur plötzlich nur noch 2,50 Meter. Ein Blick auf die Tidentabelle beruhigt uns, das es nicht noch weiter nach unten geht. Sonst hĂ€tten wir mitten in der Nacht noch einmal umankern mĂŒssen und das ohne wirklich Sicht.

Nach dem FrĂŒhstĂŒck fahren wir rĂŒber zum Resort, fragen ob wir dort Ankern dĂŒrfen und unsere PACIFICA tagsĂŒber am Strand lassen dĂŒrfen. Wir dĂŒrfen. Yachties sind herzlich willkommen. Dann leihen wir uns zwei Mountainbikes, um eine Radtour zum Regenwald mit HĂ€ngebrĂŒcke zu machen. Auf unsere Nachfrage scheint die geplante Tour immer lĂ€nger zu werden. Wo wir dachten, es wĂ€ren vielleicht 10 Kilometer pro Strecke, scheint es jetzt eher die doppelte Entfernung zu sein. Wir fahren trotzdem. VerrĂŒckte Segler! Bei den Temperaturen in der Sonne, kaum Wind, und dann Berg hinauf und Berg hinunter. Hilde steht zudem mit der doppelten Schaltung des Rades auf dem Kriegsfuß. Wo ist das Hollandtourenrad mit 7-Gang-Nabenschaltung und das flache Land???!!!
Außerdem lĂ€stert Hermann, „wenn man immer nur in der Sonne liegt …..“ Bei der grĂ¶ĂŸten Steigung, die ĂŒberhaupt kein Ende nimmt, trete ich in den Streik. Also fĂ€hrt Hermann allein weiter, wĂ€hrend ich im Schatten eines Mandarinenbaumes mit sĂŒĂŸen FrĂŒchten auf seine RĂŒckkehr warte. Und es dauert gar nicht lange, da kommt Hermann schon zurĂŒck. Die Steigung will und will keine Ende nehmen und letztendlich war es ihm dann die Sache auch nicht wert. Bevor er beim Mandarinenbaum im Schatten ankommt, wird er von einem Samoaner förmlich abgefangen. „Where are you going?“
Wir werden zu einem ErfrischungsgetrĂ€nk im Schatten der BĂ€ume eingeladen. Er hĂ€tte uns schon vorher gesehen und wollte uns doch begrĂŒĂŸen. Viktor lebt und arbeitet mit sein Familie in Wellington, Neuseeland. Im Moment besucht er fĂŒr eine Woche seine Familie hier an seinem Geburtsort. Auch von der deutschen Vergangenheit Samoas spricht er mit gewissem Stolz. Zum Abschied bekommen wir noch einen großen Beutel Mandarinen, extra fĂŒr uns gepflĂŒckt, mit auf den Weg. Samoanische Gastfreundlichkeit

„Where are you going?“ heisst hier wahrscheinlich so viel wie „how are you?“ in Neuseeland und erwartet wohl hĂ€ufig keine wirkliche Antwort. Niedlich sind die ganz kleinen Kinder, die uns zuwinken und „bye bye“ rufen. Auch sie versuchen sich schon im englischen um sich mit den Fremden zu verstĂ€ndigen.

Jetzt warten wir nur noch auch den richtigen Wind, um Samoa zu verlassen. Völlig im Gegensatz zu den Wetterberichten weht er im Moment aus Nord-West und es soll eigentlich SĂŒd-Ost sein. Das wĂ€re der Wind, den wir fĂŒr unsere Weiterreise benötigen.
Also bleiben wir, obwohl schon reisefertig, noch eine weitere Nacht.

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