Tonga – Farbenpacht im Paradise – vom 23.5. bis 28.5.2016

„Da hat jemand vergessen das Licht auszumachen!“ Was meint Hermann nur? Die Sonne scheint, weit und breit kein anderes Boot, nur Wasser und Inseln ohne HĂ€user. Aber dann ist es auch schon klar, was gemeint ist.
Nachdem wir in der letzten Nacht auf dem Ankerplatz 11 (diverse AnkerplĂ€tze sind in der Karte fĂŒr die Yacht-Charterer als Hilfestellung und FĂŒhrung nummeriert) eine ruhige Nacht an einer Mooring verbracht haben, fahren wir jetzt weiter Richtung Osten. Unser Ziel ist Kenutu Island, die zur östlichsten Inselkette von Vava’u gehört. Wir mĂŒssen besonders aufpassen, weil jetzt fast Ebbe ist und sehr viele Riffe in diesem Gebiet liegen. Mittendrin plötzlich eine Sandbank, die aussieht wie ein weißer Sandhaufen. Weiter draußen schĂŒtzt ein langes Riff vor dem Pacificschwell. Die in der Sonne leuchtenden Farben des Meeres von einem tiefen smaragd bis zu einem hellem tĂŒrkisgrĂŒn strahlen so krĂ€ftig, dass es wirkt, als wĂ€re die Lagune hell erleuchtet. Ein fantastisches Farbenspiel, dass das Farbspectrum unseres Fotoapparates einfach ĂŒberfordert.
Wir manövrieren durch die Riffe und Untiefen bis zur Insel Kenutu und ankern so nah wie möglich am Strand. Obwohl die Insel unbewohnt ist, herrscht dort doch etwas Betrieb. Die ‚Whalesong‘, ein tonganisches Motorboot, scheint dort mit AusflĂŒglern zu sein, ebenso zwei weitere kleinere Motorboote und etwas nĂ€her an unsrem Ankerplatz befindet sich am Strand ein Fischercamp.

Das große Riff im SĂŒden der Insel ist auch bei Niedrigwasser ĂŒberspĂŒlt, so dass wir es mit dem Kayak erkunden. In dem flachen Wasser sehen wir Massen von Seegurken, viele blaue Seesterne, kleine Tropenfische und aufgescheuchte FischschwĂ€rme die fluchtartig unter dem Kayak hindurch huschen. Unterwasserwelt erleben ohne nass zu werden 🙂
Doch den Badespaß im warmen Meer lassen wir uns natĂŒrlich auch nicht nehmen.
Da das Kayak schon einmal im Wasser ist, nutzten wir auch die Gelegenheit um die Wasserlinie, die schon wieder leichten grĂŒnen Algenflaum hat, zu reinigen. Und auch das Gasflaschenfach, das jetzt ja keine rostigen Eisenflaschen mehr beherbergen muss, weil es mit den neuen Aluminiumflaschen bestĂŒckt ist, wird grĂŒndlich gereinigt. Das lockt einen neugierigen Besucher an. Eine schwarz-weiß geringelte Seeschlange. Da hier fĂŒr sie nichts zu holen ist, ist sie dann auch schnell wieder verschwunden. Leider – oder Gott sein Dank? – taucht sie auch die nĂ€chsten Tage nicht mehr auf.
Wir lesen nach, dass diese Schlangenart ziemlich giftig ist. FĂŒr den Menschen soll sie insofern ungefĂ€hrlich sein, als das ihr Maul zu klein ist, um direkt zuzubeißen. Einigermaßen beruhigend. Im ĂŒbrigen hat sie wahrscheinlich im Zweifel mehr Angst als wir 😉

Die Tage vergehen wie im Fluge, da, wie immer, verschiedene kleine Arbeiten anfallen. Und da wir uns doch ziemlich allein fĂŒhlen, drehen wir auch schon mal stimmungsvoll die Bordmusik lauter. Wir sind schon ziemlich ĂŒberrascht, als dann die ‚Whalesong‘, die offenbar tĂ€glich hierherkommt, auf uns zufĂ€hrt und die beiden Tonganer uns bitten, die Musik doch leiser zu machen. So weit, wie sie von uns entfernt waren, dĂŒrften sie doch eigentlich kaum etwas gehört haben, geschweige denn sich gestört fĂŒhlen? Zur BegrĂŒndung heißt es, das dort am Strand ein Film gedreht wird.
Ein Film. Hier in Tonga. Das kann nichts großes sein, der Ausstattung nach zu urteilen, die wir mit dem Fernglas sehen können. Also muss mal wieder Google ran und Auskunft geben, was hier los ist. ‚Tonga‘ und ‚Movie‘ als Stichworte bescheren uns ein paar Filme mit durchaus bekannten Schauspielern. Nur die wurden hier schon vor etlichen Jahren gedreht und sind nicht gerade aktuell.
Am nĂ€chsten Tag ankert die ‚Whalesong‘ in unsrer NĂ€he am Strand, nachdem sie das Filmteam, wie wir jetzt wissen, am anderen Ende der Insel abgesetzt haben. Jetzt erfahren wir, dass es sich um ein deutsches Team handelt. Mit dieser zusĂ€tzlichen Information eröffnet uns Google, dass hier der Film ‚Paradise‘ im Auftrag von ZDF und ARTE gedreht wird. Die Ausstrahlung erfolgt voraussichtlich in 2017 abends gegen 23.00 Uhr im Rahmen des kleinen Fernsehspiels. Interessant. Jetzt wissen wir auch, dass die Gruppe Deutscher, die wir am ersten Tag in Neiafu im Tropicana gesehen haben, keine Reisegruppe war, sondern eben das Filmteam, dass hier am Strand dreht.
Und wir erfahren auch, dass das Team drei Monate hier vor Ort ist, wovon fĂŒnf Wochen reine Dreharbeiten waren. Mitwirkende sind zwei deutsche Schauspieler und ansonsten Tonganer.

Nach drei wunderschönen Tagen hier, denken wir, es ist an der Zeit weiter zu fahren. Also zurĂŒck nach Neiafu um die Unterlagen fĂŒr Fidschi zu besorgen, noch einmal die WĂ€sche in die WĂ€scherei zu geben, EinkĂ€ufe zu erledigen und ausklarieren nach Niuatoputapu, der nördlichsten Insel von Tonga. FĂŒr uns wird die Insel ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Western Samoa sein.

Manchmal wundert man sich. Ausklarieren heißt, die GebĂŒhren fĂŒr die Liegezeit in Vava’u beim Hafenmeister bezahlen und sich beim Customs abmelden. Der Customer lĂ€sst sich dann von uns auch die Quittung zeigen, dass wir beim Hafenmeister bezahlt haben. Als wir dort die Unterlagen zum Schluss wieder einpacken, sehen wir, dass wir versehentlich die Quittung vom letzten Jahr gezeigt haben. Dem netten Zollbeamten ist das nicht aufgefallen 🙂

Die Unterlagen fĂŒr Voranmeldung in Fidschi, die ĂŒber Internet erfolgen muss, erhalten wir im Tropicana von dem immer noch (oder schon wieder?) völlig gestresstem Greg. Er druckt die neun Seiten aus und bietet auch an, nachdem wir alles ausgefĂŒllt haben, noch einmal drĂŒber zu schauen, ob wir es richtig gemacht haben. Gestreßt, aber trotzdem immer hilfsbereit 😉

Die MOANA ist auch an diesem Wochenende noch einmal in Neiafu. Sie wollen jetzt weiter nach Fidschi. FĂŒr sie ist die Zeit fast zu Ende. Mitte Juli kehren sie in die Schweiz zurĂŒck. Es sieht so aus, als wenn sie jemanden gefunden haben, der das Boot dann am Ende der Saison nach Neuseeland bringen wird.

Weitere Boote treffen jetzt in Neiafu ein. Doch wir werden den wirklichen Saisonstart hier nicht erleben. FĂŒr uns geht es Morgen frĂŒh weiter. Wir sind gespannt, wie es in Samoa sein wird, von dem wir nun schon einiges von anderen Seglern gehört haben.

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