Chile – vom Paso Victoria bis Golfo de Penas – jenseits von Eden – vom 20.3. bis 28.3.2015

Unsere Nacht in der Caleta Victoria verlaeuft weniger ruhig als erwartet. Spaet abends kommt noch ein weiteres, also mittlerweile das vierte, Fischerboot in die Caleta. Waehrend wir die Manoever der anderen Boote, die bei uns jetzt laengsseits liegen, kaum bemerkt hatten, werden wir jetzt aufmerksam, durch einen hochtourigen laufenden Dieselmotor. In der Dunkelheit will das Boot laengsseits gehen, stellt aber dann fest, das alle Liegeplaetze belegt sind. Die anderen Fischer nehmen es gelassen. Es ist eben kein Platz mehr. Kurz bevor wir schlafen gehen wollen, geht ein Ruck durch PACIFICO, ein lautes Geraeusch von achtern und im Hintergrund wieder wildes Motorengeheul. Aufgeschreckt sehen wir nach, was passiert ist. Der Nachzuegler hat das ueber die Bucht gespannte Tau, an dem wir alle liegen mit seiner Schraube geschreddert und zerrissen und jagt jetzt mit Volldampf auf die anderen Fischerboote zu, waehrend PACIFICO, jetzt der stabilen Lage beraubt, anfaengt zu driften. Kurzes Geschrei der anderen Fischer, die schon Sorge um ihre Schiffe haben, bremsen den Chaoten. Insgesamt nehmen sie die Situation jedoch erstaunlich gelassen: der Chaot waere eben nur betrunken! Nach kurzem Hin uns Her wird PACIFICO zusaetzlich an einem der beiden groesseren Boote festgemacht, der chaotische Fischer legt sich hinter die anderen Boote und nach einer halben Stunde ist wieder Ruhe. Und wir etwas verwundert, wie das hier so laeuft :-)
Am naechsten Morgen machen wir uns, kurz nach den Fischern, auch auf den Weg. Kaum sind wir aus der Caleta, hoeren wir komische Geraeusche aus dem Motorraum. Also zurueck in die Caleta um nach zu schauen. Da das Haltetau ja nicht mehr da ist, gehen wir vor Anker. Es ist der Keilriemen, der nachgespannt werden muss. In Port Montt wird es dann einen neuen geben. Aber erst einmal kann es weiter gehen.
Gut eine Stunde spaeter fahren wir in den Canal Colling Wood ein und haben dann mal wieder muntere Begleitung einer kleinen Gruppe von Delfinen. Auch Robben tauchen dann und wann auf. Uns wird nie langweilig, ihnen zu zuschauen und wir werden nicht muede uns an so einer Begleitung zu freuen. Das Wetter ist annehmbar und der Wind so guenstig, dass wir gute Strecke nach Norden segeln koennen, vorbei an der Isla Newton. Und natuerlich bleibt es nicht so und man kann es sich ja schon denken: der Wind dreht mal wieder und frischt auf. In den letzten Wochen haben wir gelernt, die unterschiedlichen Grautoene des auf uns zukommenden Wetters zu differenzieren und ein zu schaetzen. Meistens koennen wir schon gut erkennen, ob es heftig wird und man Schutz suchen sollte, oder ob das, was da kommt, nur vorueber gehend ist und wir weiter segeln koennen. Jetzt haengen die dunklen Wolken tief ueber dem Kanal. Zum greifen nah. So nah, das Fetzen der Regenwolken in Augenhoehe vorbei fliegen. Wir kreuzen bei Boeen bis zu 35 Knoten auf dem Kanal Sarmiento nach Norden und nehmen dort die erste gute Moeglichkeit fuer die Nacht vor Anker zu gehen in der Caleta Balandra. Vom Zick-Zack-Kurs auf dem Plotter haben wir ein Foto gemacht. Kreuzen vom Feinsten ;-) Die Caleta Balandra ist eine durch vorgelagerte Inseln geschuetzte Bucht, in der wir uns in der hintersten Ecke ein traumhaft schoenes Plaetzchen suchen. Dicht bewachsenes Ufer mit einem kleinen Strand, dahinter die, wegen der Pazifiknaehe schon weniger hohen Felsen mit einem Wasserfall. Auch hier ist das Wasser klar bis auf den Grund. Vorteilhaft ist ausserdem, dass wir von hier aus den Kanal Sarmiento monitoren koennen, der am naechsten Morgen immer noch weisse Wellenkaemme hat von dem immer noch starken Wind aus noerdlichen Richtungen. Es ist dann schon Mittag, als es sich endlich beruhigt und wir weiter koennen.
Wir wollen baldmoeglichst Puerto Eden erreichen, da wir uns mittlerweile Sorgen machen, wie weit wir wohl noch mit dem Diesel in unserem Tank kommen werden. In Puerto Eden soll es meistens Diesel geben. Die Betonung liegt auf “meistens”. Vorsichts halber schreiben wir die Armada per Mail an, um Diesel vorzubestellen. Wir brauchen ja immerhin 400 Liter! Also nutzen wir auch diesen Nachmittag, um weiter nach Norden zu kommen. Wenige Stunden spaeter suchen wir die schwer zu findende Einfahrt zur Caleta Moonlightshadow. Wer hier wohl Namensgeber war? Nun es gibt hier noch freies Potential fuer fantasievolle Namensgebungen. Inseln, Fjorde und Kanaele, die nach wir vor unbenannt sind und auch teilweise noch nicht vermessen wurden. Hier kann man offenbar zum Namensgeber werden, wie die Schwestern Dardé. Nach ihnen wurde die Bucht im Kanal Smyth benannt, in der wir einige Tage und Naechte abgewettert haben.
Die Caleta Moonlightshadow zieht sich 2 Seemeilen ins Landesinnere in flacher Umgebung und gehoert wie die Caleta Balandra zur Insel Piazzi. Nur wenige Seemeilen nord-westlich kommt man ueber den Nelson-Strasse schon in den Pazifik.
Kaum sind wir in die Caleta eingefahren haben wir wieder Delfin-Begleitung. Eine Mutter mit ihrem Jungen, das knapp halb so gross ist, wie sie selbst. Wir sehen sie am naechsten Morgen noch einmal wieder, draussen vor der Caleta auf dem Kanal, in einer grossen Gruppe weiterer Delfine, die immer wieder springend auf uns zu schwimmen. Ungewoehnlich fuer uns, da wir bisher nur erlebt haben, dass die Delfine meist hinter PACIFICO auftauchen und uns dann neben und vor dem Bug spielerisch begleiten.
Wir haben grosse Plaene fuer diesen Tag. Auch wenn wir nicht segeln koennen, wollen wir den heute wenigen Wind, der nach wir vor noch aus Norden kommt, nutzen, um moeglichst viel Strecke zu machen. Am noerdlichen Horizont sehen wir einen blauen Streifen Himmel, der uns magisch anzieht. Die Fischer hatten uns gesagt, das Wetter wuerde die naechsten Tage besser werden und der Wind auch etwas auf Sued-West drehen. Auch unsere Wetter-Grips und Hamburg bestaetigen diese Vorhersagen. Wenn es wirklich zutreffend ist, koennten wir in drei Tagen in Puerto Eden sein. Der ersten Zivilisation nach Puerto Williams, also nach ungefaehr vier Wochen. Und tatsaechlich geht es gut voran. So gut, das wir uns schon bremsen muessen. Das heisst, nicht zu weit zu fahren und damit zu riskieren, erst bei Dunkelheit an einem geeigneten Ankerplatz an zu kommen. Dabei ist es zu verlockend bei Sonne und fast Windstille nicht einfach weiter zu fahren. In der Naehe der Caleta Vappu, in der wir dann vernueftiger Weise ankern und uebernachten wollen, sehen wir ein weisses Fischerboot. Es sind noch ungefaehr 4 Seemeilen bis dorthin. Da wir unseren Merlusa schon verzehrt haben, wollen wir bei den Fischern wieder nach Fisch fragen. In der Hoffnung, dass sie noch etwas in der Gegend bleiben, halten wir auf sie zu. Gut eine Meile vor dem Boot kommt uns das im Sonnenschein auf die Caleta zu fahrende Boot dann doch etwas merkwuerdig vor und wir nehmen noch einmal das Fernglas. Es ist kein Fischerboot. Es ist eine riesige Eisscholle!!! Im spiegelblanken Wasser treibt das “Eis-Boot” mit der Stroemung. Weit und breit kein anderes Eis. Wahrscheinlich hat sie es aufgrund ihrer Groesse vom Gletscher in einem entfernter liegenden Seno bis hierher geschafft. Wir sind allerdings dann doch etwas enttaeuscht, weil es nun keinen Fisch zum Abendessen gibt :-(
In der Caleta Vappu fahren wir direkt an die Klippen heran, steigen aus und machen an einem Baum fest. Zusaetzlichen lassen wir noch den Anker fallen. Das Wetter ist noch so schoen, das wir im Cockpit zu Abend essen und dabei das Gefuehl haben, wir sitzen auf einer Terrasse im gruenen Garten.
Am naechsten Tag ist Sonnenbaden angesagt. Wenn man soviel Wind und Regen und Kaelte hatte, wie wir in den letzten Wochen, kann man sich sicherlich vorstellen, was das fuer ein Genuss ist. Windstille! Also nicht gegenan kaempfen. Die warme Sonne, das herrliche Panorama der Berge, der Inseln, der Kanaele geniessen. Gut voran kommen. Am Nachmittag erwartet uns noch etwas ganz besonderes. Whale-Watching! Zunaechst sehen wir die Wale nur aus sehr weiter Entfernung und erkennen sie nur an dem Blas, den sie beim Atmen meterhoch in die Luft spruehen. Und dann wird es mehr. Scheinbar sind ganze Gruppen von Walen hier in den Kanaelen Conception und Wide in oder aus Richtung Pazifik unterwegs. Wir hoffen auf einen Wal in unserer Naehe. In knapp einer halben Meile Entfernung sehen wir dann auch einen Wal auftauchen und, kurz bevor er wieder weg ist, noch die weisse Unterseite seiner Schwanzflosse. Nach den uns vorliegenden Zeichnungen muesste es ein Finn-Wal gewesen sein. Fuer ein Foto reichte es leider nicht.
Nur noch eineinhalb Tage bis Puerto Eden. Diesel tanken und frische Vorraete einkaufen. Obst und Gemuese sind fast zu Ende. Fuer eine letzte Uebernachtung vor Puerto Eden waehlen wir die Caleta Dock. Hier koennen wir ankern ohne Landleinen, zumal wir ohnehin kein schweres Wetter erwarten. In der Daemmerung laeuft ein weiterer Segler in die Caleta ein, die Suditude aus der Schweiz. Wir werden sie am naechsten Tag auch in Puerto Eden sehen, einige Tipps und Informationen erhalten und erfahren, dass sie auch zu den Marquesas unterwegs sind, dann aber ueber Hawaii nach Alaska wollen.
Am Dienstag, den 24.3., treten wir bei schoenstem Wetter die letzten Meilen nach Puerto Eden an. Unterwegs sehen wir Robben und wieder Wale. Diesmal gluecken sogar einige Fotos. Im Kanal Wide treiben auch vermehrt grosse Eisscholen. Gelegenheit fuer Hermann, noch einmal auszusteigen und das Gefuehl, auf einer Eisscholle zu stehen, zu erleben. Mit Hammer und grossem Messer pickern wir Eis von der gewaehlten Scholle fuer unseren defekten Kuehlschrank, da wir ja in Puerto Eden Fleisch einkaufen wollen, das kuehl gehalten werden muss.
Hinter ein paar Inseln im Kanal liegt auf der Isla Wellington Puerto Eden. Der erste Ort seit Puerto Williams. Ein Fischerdorf. In unserem Fuehrer beschrieben als ein Ort mit mehreren Geschaeften und einer Einwohnerzahl von 280, Tendenz sinkend. Vor uns sehen bunte Haeuser an der Kueste entlang. An einer Bruecke mit grosser Rampe fahren wir in die Hafenbucht ein und beschliessen an einer freien Bruecke anzulegen. Wir werden von zwei Maennern begruesst, die bestaetigen, dass wir hier festmachen koennen, da PACIFICO nur 1,45 m Tiefgang hat. Ob wir Wasser brauchen, ob wir duschen wollen oder sonst etwas benoetigen? Diesel. Wir brauchen Diesel. Ja, gibt es. Morgen Mittag. Der Preis liegt etwa bei 190 Prozent des normalen Preises. Man haette ja schliesslich auch die Transportkosten zu tragen. Nach unseren Informationen ist der jedoch kostenlos. Die Frage nach einem Restaurant, denn wir wollen abends gerne Essen gehen, erntet Gelaechter. Nein, so etwas gibt es nicht. Es gibt auch keinen Strassen. Nur einen Bohlenweg an der Kueste entlang, um zu den Haeusern zu gelangen. Und einen Bohlenweg ueber den Berg an der Satelitenstation vorbei und als Abkuerzung zur anderen Seite, damit man nicht außen herum laufen muss. Es gibt tatsaechlich mehrere Geschaefte, zum Teil jedoch geschlossen, mehr Stubenlaeden, mit wenig Angebot. Nur das Noetigste. Kaum Obst und Gemuese. Nach Fleisch fragen wir gar nicht erst. Am naechsten Tag kommt die Faehre aus Port Montt. Dann gibt es Obst und Gemuese. Aber man muss rechtzeitig da sein, denn es ist immer nach kurzer Zeit ausverkauft. Die Faehre kommt einmal die Woche aus Port Montt und einmal die Woche, dann auf der Rueckfahrt, von Puerto Natales. Das war es. Kein Geldautomat. Kein WiFi. Zumindest keines das fuer uns funktioniert, wie wir gehofft hatten. Was es reichlich gibt sind Hunde und Katzen. Ein riesiges Werbeplakat, dass hier Massnahmen zur Entwicklung des Ortes erfolgen. Eine im Verhaeltnis riesige Schule mit einer Aula, in der bequem 250 Leute Platz haben, fuer vier Kinder, die hier unterrichtet werden. Und nur noch 165 Einwohner. Die Dorfbewohner, die wir unterwegs treffen, sind durchweg nett, hilfsbereit, freundlich und gruessen uns.
Wir bemuehen uns am naechsten Tag unseren Bedarf an Obst und Gemuese einzukaufen, zu horrenden Preisen fuer das wenige, dass wir bekommen, und nehmen 400 Liter Diesel am Anleger ab, mit dem guten Gefuehl, mit der Menge bis Port Montt zu kommen. Den Preis nehmen wir so hin. Aendern koennen wir daran sowieso nichts. Kurz nach 15.30 h legen wir dann in Puerto Eden ab Richtung Norden. Wir wollten eigentlich laenger bleiben, nur gab es nichts weiter, fuer dass sich das gelohnt haette.
Die Nacht fahren wir durch, um den vorerst letzten Tag des guten Wetters zu nutzen, und den Golfo de Penas zu ueberqueren. Hier schwimmt PACIFICO das erste mal im Pazifik-Wasser! Der Wind ist noch nicht zurueck. Dafuer dichter Nebel. Vorbei fahrende Schiffe sehen wir nur auf dem Plotter, obwohl sie kaum 1,5 Seemeilen entfernt sind. Die Sicht liegt bei der Ueberquerung dieses mit 100 m Tiefe sehr flachen Gewaessers teilweise unter 100 m. Dazu die Duenung des Pazifiks. An anderen Tagen, vor allem bei Westwind, wird vor den Gefahren dieses Gewaessers gewarnt. Da soll der Seegang betraechtlich sein, eben weil hier der Pazifik innerhalb von knapp 20 Seemeilen von ein Wassertiefe von ueber 3.000 m auf 100 m ansteigt. Wie Brandung am Strand!.
Wir gehen nachmittags in einer grossen geschuetzten Bucht, wie ein See, der Caleta Barroso auf der Peninsula Tres Montes vor Anker und werden hier die naechsten Tage auf geeignetes Wetter warten, um die Halbinsel zu umrunden und ueber den Pazifik Richtung Norden in den Kanal Darwin zu segeln.
Die Temperaturen liegen hier tagsueber schon einmal bei 17 Grad, das Wasser schon bei fast 16 Grad. Grund genug unsere mehrfach reparierte Heizung zu schonen und auch schon mal wieder draussen im Cockpit zu duschen.

Chile – Kanal Smyth, Paso Victoria – Zucker auf den Bergen vom 16.3. bis 19.3.2015

Nachdem wir den Kanal Smyth erreicht haben, verbringen wir eine ruhige Nacht in der der Caleta Teokita.
Am Eingang des Kanal Smyth liegt die kleine Inselgruppe Fairway mit einem Leuchtfeuer und einer Station der Armada. Das ist das erste Haus, dass wir seit dem Kanal Noroeste sehen. Der Posten, der uns von den Isoletes Fairway anruft, ist sehr nett und freundlich. Allerdings muss er mehrfach nachfragen, wo wir denn vor Anker gegangen sind. Obwohl fast in Sichtweite, kann er den Namen Caleta Teokita nicht zuordnen. Er fragt mehrmals, wo im Puerto Profundo wir denn liegen, der Bucht, die dann an die Caleta anschliesst und wo ueblicherweise die Schiffe festmachen. Teokita ist dann wohl eher der Geheimtipp. Schmal, auf der Seekarte ohne Tiefenangabe, pflanzenreich und von ueberwucherten, nicht sehr hohen Felsen umgeben, liegen wir in der Teokita an der Muendung eines kleinen Wasserlaufes sehr geschuetzt. Jede Caleta und Bucht, die wir bisher kennen gelernt haben, hat so ihren ganz eigenen Charme. Das Bild dieses dichtbewachsenen Fjordes wirkt vor den kargen, also kaum gruenen windtrotzenden Bergen fast bizar und unwirklich in seiner Schoenheit.
Hatten wir gehofft, dass das Wetter nach der Magallanstrasse besser wird und die Temperaturen etwas angenehmer, so trifft dies nur fuer das Wasser zu. Mittlerweile zeigt das Thermometer immerhin 12° und ist damit ist es waermer als die Luft. Und Hamburg und unsere Wettergrips sagen weitere Starkwinde und Tiefdruckgebiete voraus.
Am naechsten Morgen geht es in der Fruehe weiter im Kanal Smyth nach Norden. Anfangs koennen wir sogar segeln und kommen gut voran. Aber, wie man sich mittlerweile denken kann, haelt das nicht lange. Windboehen um die 40 Knoten stoppen uns auf und PACIFICO macht nur noch 0,9 Knoten gegen den Wind und die Wellen. Kurzentschlossen kehren wir um und suchen die Einfahrt zur Caleta Dardé in der Isla Hose. Wir richten uns auch hier wieder nach den Angaben in den Buechern, da auch diese Caleta in der Seekarte nicht beschrieben ist und nur grob skizziert. Wir ankern hier frei ohne Landleinen, obwohl es die Moeglichkeit zum zusaetzlichen festmachenan an einer anderen Stelle in der Caleta gibt. Eine Entscheidung, die uns in der zweiten Nacht zum umankern zwingt, da der drehende Wind PACIFICO Richtung Kelb und Halbinsel treibt – der Wind, der hier ja immer das macht, was er moechte, und nicht unbedingt das, was vorher gesagt wurde ;-)
Die Caleta Dardé bietet guten Schutz gegen den draussen auf dem Kanal mit 40 bis 60 Knoten tobenden Wind. Am zweiten Morgen hat sich das Wetter offenbar beruhigt. Es weht nur noch mit durchschnittlich 15 Knoten, so dass wir uns mit dem ersten Tageslicht wieder auf den Weg machen.
Nicht mal eine Stunde spaeter gehen wir erneut in der Caleta Dardé vor Anker. Wir hatten von unserem geschuetzten Platz keinen Blick auf den Kanal! Jetzt wissen wir, wie die Hinweise auf die Moeglichkeit zum “Monitoring des Kanals” vom Ankerplatz aus, die wir gelegentlich in unseren Buechern finden, zu werten sind. Draussen auf dem Kanal fegt der eisige Wind wieder aus Nord mit ueber 35 Knoten. Also ist an ein Weiterkommen nicht zu denken, trotz anderer Windvorhersagen auf unserem Wettergrip. Zeit sich mit den Buechern und Informationen ueber die Suedsee zu beschaeftigen. Da wird es zumindestens in den Gedanken etwas waermer.
Am dritten Morgen ist es draussen sehr kalt. So um die 3 Grad Lufttemperatur. Auf den Bergen hat es ueber Nacht geschneit. Der Wind hat sich erwartungsgemaess beruhigt. Und auch die Stroemung der Flut im Kanal Smyth ist an diesem Morgen mit uns. Dafuer hat die Heizung schon wieder ihren Betrieb eingestellt. Ihr ist es offenbar zu kalt zum arbeiten ;-)
Es gibt also viel heissen Tee und dicke warme Kleidung. Jedoch der Blick auf die Berge, die wie mit Puderzucker ueberstreuter Schokoladenkuchen aussehen, die Sonne, die sich auch immer mal wieder blicken laesst, entschaedigen uns fuer alles. Es ist eine unglaublich schoene, wilde und faszinierende Landschaft, durch die wir reisen. Und die Eindruecke, die wir gewinnen, sind unwiderbringlich.
Am Nachmittag verlassen wir den wieder in Richtung Pazifik fuehrenden Kanal Smyth und laufen fuer die naechste Nacht in die Caleta Victoria in der Isla Hunter. Dort machen wir, ohne Anker, an dem quer ueber die Bucht gespannten Fischertau fest.
Kurz vor der Einfahrt begegneten wir zwei Fischerbooten. Die freundlichen Maenner warnten uns vor einer Untiefe innerhalb der Caleta. Auf die Frage, ob sie Fisch fuer uns haben, bieten sie uns einen Riesenfisch an, an dem wir wohl mindestens eine Woche gegessen haetten. Das kleinere der beiden Boote wird auch in der Caleta uebernachten und schenkt uns dann spaeter am Nachmittag einen “etwas kleineren” Merlusa, ein Weissfisch mit sehr wenig Graeten, den sie dann auch noch fuer uns filetieren. Das Gegengeschenk, eine Flasche Wein mit Korkenzieher, wird sofort probiert und fuer gut befunden. Und wir freuen uns ueber die Abwechselung in unser Speisekarte und geniessen am Abend die erste der drei Filetseiten des Fisches

Chile – Kanaele am Ende der Welt, Wasserballett der Robben vom 7.3. bis 15.3.2015

Unseren letzten "Landausflug" haben wir in der Caleta Brecknock gemacht. Bevor der Regen und Starkwind es unmoeglich machen, lassen wir das Dingi zu Wasser und rudern an das Ende des Fjordes zu einem kleinen Strand. Durch die ueppige Vegetation und dicke wassertriefende Mooskissen, in denen man mehr als knoecheltief versinkt, finden wir einen Zugang zu einem hoeher gelegenen Plateau. Von hier aus kann man ueber Granitfelsen wandern und ist kurz darauf etwas ueber einem hoeher gelegenen Bergsee. Dahinter sehen wir weitere Seen, die noch weiter oben gelegen sind. Unerreichbar ohne zu klettern. Wir steigen noch etwas hoeher und koennen jetzt vom Berg aus auch die Caleta ueberblicken und sehen die kleine Bucht, in der wir PACIFICO "eingesponnen" haben, von oben. Auf dem Rueckweg zum Strand, wo das Dingi auf uns wartet, biegen wir zu frueh ab und landen in einem Pflanzendschungel. Farne, knorrige dickbemooste alte Baeume, wilde Azaleen und Rhododendren versperren uns den Weg und die Sicht. Letztendlich finden wir dann doch den Weg durch das Dickicht und fuehlen uns dabei, wie auf einer Expedition in einer unberuehrten Natur. Am Samstag Morgen hat der Wind nachgelassen und wir nutzen die Gelegenheit um jetzt weiter nach Norden zu reisen, Richtung Magallanstrasse. Unser Kompetenz-Zentrum in Hamburg hat uns eine Perlenkette von weiteren Wetter-Tiefs vorausgesagt, so dass es jetzt gilt jede Moeglichkeit weiter zu kommen zu nutzen. Etwas wehmuetig verlassen wir die traumhafte Caleta Brecknock, bisher einer der schoensten Plaetze um gut zu ankern. Werden wir in unserem Leben wohl noch einmal an diesen Ort zurueckkehren? Bis zum naechsten Ort, Puerto Eden, angegeben mit 280 Einwohnern, Tendenz sinkend, sind es noch ueber 400 Seemeilen durch die chilenischen Kanaele. Auf offener See eine Strecke, die gut in vier Tagen zu erreichen waere. Da wir hier nachts jedoch nicht segeln koennen, wetterbedingt und auch weil wir auf Sicht angewiesen sind, wissen wir nicht, wie lange wir brauchen werden. Die Zeit nimmt eine andere Dimension ein. Es zaehlen nicht mehr die Wochentage. Wind und Wetter und die naechste Ankermoeglichkeit, die ausreichend Schutz bietet gegen die vorwiegend auch noerdlichen und westlichen Richtungen starken Winde, bestimmen unser Zeitgefuehl. Und natuerlich auch die Frage des Tages: was essen wir heute??? Unsere Vorraete an frischen Obst und Gemuese halten sich im Vorschiff sehr gut, da es dort kalt und nicht zu trocken ist. Wir kochen in der Regel zweimal am Tag: an Seetagen mittags eine heisse Gemuesesuppe, die gut durchwaermt, und abends Fleischgerichte oder hausgemachte Pizza. Zudem steigt unser Tee-Konsum an sehr kalten Tagen bis auf 6 Kannen taeglich. Nicht nur fuer die innere Waerme, sondern auch um sich die kalten Haende zu waermen :-) Es sind wirklich sehr wenige Schiffe und Boote, die wir unterwegs treffen. Segler so gut wie gar nicht. Den letzten Segler haben wir im Kanal OBrien gesehen. Am heutigen Samstag, als wir wieder in den Kanal Cockburn zurueckkehren, und zunaechst Richtung Osten an vielen Inseln vorbei segeln, treffen wir mehrere Fischer und auch einen kleinen Frachter. Die Leute gruessen und winken. Die ersten Menschen, die wir nach den Fischern in der Caleta Silva wieder sehen. Es ist kaum vorstellbar, wie weit wir von einer wirklichen Zivilisation entfernt sind. Internet ist zu einem Fremdwort geworden. Nachrichten von Freunden werden wir erst in einigen Wochen wieder beantworten koennen. Die wenige bezahlte Zeit ueber Seamail reicht gerade fuer die Familie, unser Kompetenz-Center und Wetterberichte. Und auch das ist nicht jederzeit moeglich und man muss auf eine gute Verbindung warten,es mehrmals, meist abends, versuchen, bis ein Empfang hergestellt werden kann. Es ist ein relativ sonniger Tag. Auch die Seerobben scheinen diesen Tag zu geniessen. Immer wieder sehen wir sie aus dem Wasser springen. Die kleinen Robbengruppen sehen aus, als wuerden sie immer Wasser mit einander spielen und tanzen. Ab und zu tauchen sie auch direkt neben dem Boot oder in unserem Kielwasser auf. Neugierig stecken sie ihre Koepfe aus dem Wasser und beobachten uns, die fremden Besucher. Bis zum Ende der Magallanstrasse werden die lustigen Kerle immer wieder zu sehen sein und wir freuen uns, wie zahlreich sie hier sind. Bei guter Sicht finden wir die Einfahrt in den Kanal Acwalisnan und Seno Pedro. Wir sind hier, mehr als sonst, auf die Angaben im Buch angewiesen, da der Kanal nicht vermessen ist und nicht weiter kartografiert. Uebrigens wird es wohl deshalb seitens der chilenischen Armada nicht so gern gesehen, wenn man diesen Weg nimmt, um in die Magallanstrasse zu kommen. Wir arbeiten uns nach dem Buch vor, beachten die Tiefenangaben dort, gleichen sie mit unserer Position ab, um uns dann entsprechend links oder rechts vom Kanal zu halten. Es gibt flache Stellen mit Stromschnellen, kleine Inseln und Felsen, die zu umschiffen sind. Hinter der naechsten Kanalinsel taucht unvorhergesehen der Mast eines Seglers auf. Und wie immer seit der Caleta Horno, heisst es wie bei jeder entlegenen Strecke oder Ankerplatz "das ist bestimmt die MANTA!!!", der finnische Segler mit der Sauna an Bord. Der Segler laeuft unter Motor und kommt uns mit schneller Fahrt entgegen. Im Gegensatz zu uns, hat er die Stroemung mit sich und rauscht an einer besonders engen Stelle foermlich an uns vorbei. Und diesmal ist es tatsaechlich die MANTA, die wir seit Puerto Deseado nicht mehr gesehen haben. Offenbar haben sie den Weg durch die Magallanstrasse genommen und sie haben jetzt den Wind mit sich in Richtung Ushuaia. Ein Moment des froehlichen Winkens und Gruessens – dann sind sie vorbei. Am spaeten Nachmittag entscheiden wir uns, in der offenen Bucht der Caleta Felix am Seno Pedro zu ankern, nur etwa 7 Seemeilen vor der Magallanstrasse. Der Ankerplatz ist diesmal nicht gegen alle Winde geschuetzt, aber wir erwarten eine ruhige Nacht nach diesem schoenen Tag. In der Bucht gibt es viele Seevoegel, das Wasser ist klar und ruhig. Wenige Meter hinter dem Heck steigt eine Felswand empor, die dicht bewachsen ist. Jetzt noch bluehen die Pflanzen in gelb und pink. Im Fruehjahr muss es dort ein noch mehr bunter, duftender Anblick sein. Es ist dazu fast windstill. Bei unter 10 Auentemperatur sitzen wir noch bis in die Dunkelheit draussen im Cockpit und erleben hier die wunderbare und urspruengliche Natur Suedamerikas. An der Magallanstrasse erwartet uns zum ersten Mal der Blick auf Wale, die in der Ferne auftauchen und blasen. Leider kommen wir nicht naeher heran. Es erwartet und aber auch ein boeiger Nord-West-Wind. Also muessen wir mal wieder, wenn wir segeln wollen, gegen an kreuzen. Die Magallanstrasse ist an dieser Stelle ziemlich breit und fuer einen Schlag brauchen wir ueber eine Stunde Dabei ist der Winkel manchmal so schlecht, dass wir kaum wirklich voran kommen. Es ist kalt und regnerisch, die Sicht entsprechend schlecht. Mehrfach ueberlegen wir umzukehren und die erste Ankermoeglichkeit an der Stelle zu nehmen, an der wir auf die Wasserstrasse gekommen sind. Bis zur naechsten Ankermoeglichkeit sind es doch immerhin noch 12 Seemeilen. Aber irgend etwas treibt uns doch voran und eben nicht zurueck, so dass wir dann am spaeten Nachmittag in die Bahia Gallant einlaufen. Die Zufahrt ist ziemlich eng durch eine Sandbank, die weit in die Bucht hinein reicht. Konzentriert suchen wir den Weg in die geschuetzte Bucht, in der wir dann frei ankern koennen und keine Landleinen benoetigen. Ploetzlich zeigt das Lot in schneller Folge nur noch Wassertiefen von 1,80 m, 1,70 m, 1,60 m … Bei 1,50 m aendern wir die Richtung. Es wird wieder tiefer. Gerade noch einmal Glueck gehabt! Nicht aus zu denken, wenn wir uns hier fest gefahren haetten. Bei der Ausfahrt am naechsten Tag ist Ebbe und ueber den Plotter sehen wir, wo wir ueber die Sandbank geschlittert sind ;-) Die Bahia Gallant bietet Schutz vor alLen Winden, aber man bekommt die Williwaws zu spueren, starke Windboen, die die umliegenden Berge herunterjagen und schnell mal um die 40 Knoten sein koennen. Gleich danach ist es wieder ruhig und der Spuk vorbei. Fuer uns ist die Bahia Gallant in seiner Weite und in der flachen Ebene vor den Bergen eher ein angenehmer Rastplatz, als ein landschaftlicher reizvoller Ankerplatz. Und so freuen wir uns auf spektakulaere Ankerplaetze an der Magallanstrasse, die noch auf uns warten. Z.B. die Caleta Campamento an der Isla Spider, zwischen Insel und winzig-Insel, wo wir uns nur mit Leinen einspinnen und wohin wir, nach einem gescheiterten Versuch weiter zu kommen, aufgrund der Starkwinde auch noch ein zweites Mal festmachen. Die Caleta Playa Parda Chica, wo wir rueckwaerts in eine schmale Landenge einfahren und wo das Wasser so klar ist, dass wir Muscheln und Seesterne auf den Steinen sehen koennen. Die Caleta Mostyn, wo wir am Ende des Fjordes in einer gigantischen Berg-Kulisse in tiefem klaren Wasser ankern und mit drei Landleinen festmachen und zwei weitere Tage bleiben, um ein zweites Mal die Heizung zu reparieren, die zwei Tage vorher ihre Taetigkeit eingestellt hat, und schweres Wetter ab zu warten. Wer das scheusslichste Wetter der Welt sucht, der wird es in der Magallanstrasse finden. Das ist es, was es so schwierig macht voran zu kommen. Fuer unseren Absprung in Richtung Norden und Einfahrt in den Kanal Smyth benoetigen wir unbedingt gute Windverhaeltnisse, damit es klappen kann. Sonst haengen wir im Puerto Tamar, am Eingang der Magallanstrasse fest. Wir starten unsere hoffentlich letzte Etappe von der Caletta Mostyn aus morgens um 5.00 h. Es ist noch stockdunkel. Die schwierigste Stelle ist die nur knapp 50 m breite Durchfahrt in den Hauptarm des Fjordes. Den Weg von fast einer Stunde zurueck zur Magallanstrasse steuern wir nach unserer Einfahrtslinie auf dem Plotter. Die Berge um uns herum sind nur schemenhaft zu erkennen. Es ist fast windstill. Wir wissen, dass es so nicht bleiben wird und hoffen, dass die Zeitangaben unseres Wettergrips in etwa stimmen werden. Der Wind kommt zunaechst moderat aus Nord-Nord-Ost. Der richtige Wind, um in Richtung der Insel Tamar zu segeln, unserem Wendepunkt nach Norden zum verlassen der Magallanstrasse und um in den Kanal Smyth einzufahren. Die Strecke ist besonders schwierig, da hier die Magallanstrasse in den offenen Pazifik muendet und auf dieser Strecke Wind und Stroemungen extrem gegen uns sind. In unserem Buch beschreiben Segler, dass sie 9 bis 12 Tage warten mussten, um ueberhaupt den Puerto Tamar zu erreichen. Der moderate Wind wird immer boeiger und der Windanzeiger zeigt dann auch schon mal wieder 28 Knoten. Wenn er nicht rechtzeitig dreht, segeln wird entweder zu den Osterinseln oder zurueck zum Puerto Tamar. Kurz vor 11.30 beginnt der Wind tatsaechlich zu drehen, wie bestellt! :-) Wir rauschen Richtung Kanal Smyth und erreichen zwei Stunden spaeter unser "hochgestecktes" Ziel. Beim Abendessen in der Caleta Teokita, die parallel zum Kanal Smyth liegt, freuen wir uns immer noch, dass wir den Absprung und diese schwierige Strecke so gut geschafft haben.

Chile – O’Brien, Londonderry, Brecknock – vom 1.3.-6.3.2015

Wenn man die Namen liest, koennte man denken, wir sind in Europa. Irland vielleicht. Aber wir sind nach wie vor in Suedamerika. Feuerland um etwas genauer zu sein. Heute hat Vincent Geburtstag. Also ein ganz besonderer Sonntag. Und das taucht heute natuerlich immer wieder in unseren Gespraechen auf. Frueh am Morgen verlassen wir den Seno Pia mit seinen Gletschern und dem Treibeis in Richtung Kanal O’Brien, vorbei an der Insel O’Brien. Unser Tagesziel legen wir waehrend der Fahrt fest. Das Wetter ist gut. Die Sonne haetten wir uns auch fuer unseren Gletschertag gewuenscht. Aber man kann ja nicht immer alles haben ;-) Unterwegs begegnet uns, selten genug, ein anderes Segelboot und zum zweiten Mal die Maximiliano, ein brasiliansches Marineschiff. Der Wind erlaubt es auch endlich wieder einmal zu segeln. Entsprechend unserem guten Vorankommen und der Vorstellung, moeglichst gegen 15.00 h immer irgendwo vor Anker zu gehen, entscheiden wir uns fuer die Caleta Silva im Puerto Engano. Caleta Silva? Nein, wir sind nicht zurueck gefahren. Den Namen gibt es mehrfach. Und hier sollen auch Fischer vor Anker gehen. Vielleicht gibt es ja heute Abend als Geburtstagsessen Fisch? Der Puerto Engano ist schlecht aus zu machen. Wir sind etwas unsicher, weil ja auch GPS und Karte im Moment abweichen. Um fast 1 Seemeile, was bei der Bestimmung der Einfahrt in eine Caleta schon zu Schwierigkeiten fuehren kann. Von Norden kommt eine graue Wettwand auf uns zu, die definitiv nach Regen aussieht und es waere schoen, den Ankerplatz vorher zu erreichen. Kurz vor der Kueste stellen wir dann fest, dass wir doch zu weit suedlich sind und was von weitem wie die Ankerbucht aussah, ein eher steiniges Gebiet ist. Also noch einmal einen Schlag zurueck in den Kanal Ballenero segeln, um dann hoeher nach Norden zu kommen. Der Wind wird staerker und es brist auf. Wir laufen unter voller Besegelung mit Genua. Das ist fuer den jetzt aufkommenden Wind einfach zu viel. Bei der naechsten Wende wird gerefft. Und das ist der Moment, wo es uns “kalt erwischt”. Der Regen wird von einer Sturmboe getrieben. Schlagartig zeigt der Windmesser ueber 40 Knoten und in der Spitze fast 50 Knoten. Das Reffen der Genua wird zum Kraftakt, auch weil die Winsch immer wieder ueberspringt. PACIFICO legt sich heftig auf die Seite und die naechste Welle geht sogar ueber die Heckreling. Jetzt weiss Hilde, was es in etwa bedeutet, wenn Hermann “kotz” sagt. Es ist etwas gar nicht in Ordnung. Der Versuch die Genua dann ueber die elektrische Winsch einzureffen, endet damit, dass die Roll-Schot ploetzlich nachgibt und scheinbar gerissen ist. Gott sei Dank als die Genua fast eingerollt ist. Nur ein kleiner Teil in halber Hoehe schlackert noch heftig in den Boen. Wir steuern PACIFICO in den Wind um auch das Grosssegel einzureffen, was bei dem Sturm und Regen auch nicht gerade ein Spass ist. Sorgenvoll blicken wir nach vorne zur Genua. Was machen wir, wenn der Wind sie wieder ausrollt???!!!. Hermann macht sich bereit nach vorne zu gehen, um das Roll fest zu binden. Der Bug taucht immer wieder in die Wellen und Wasser kommt ueber. Eine Viertelstunde spaeter ist das Roll der Genua festgesetzt und wir koennen Kurs auf Land nehmen. Der ganze Spuk hat nicht mal eine Stunde gedauert. Trotzdem sind wir froh als wir dann endlich in der Bucht nebem einem Fischerboot aus Punta Arena vor Anker liegen. Die Roll-Schot ist nicht gerissen, sondern aus der Klemme gerutscht, weil die Rollvorrichtung durch eine Schraube blockiert war. Glueck im Unglueck, dass dadurch auch die Genua nicht wieder ausrauschen konnte. Noch vor dem Essen ist der Schaden fachkundig behoben, die Genua, bei der sich eine Naht geffnet hat, liegt verpackt auf dem Deck und die Fock ist angeschlagen. Wir sind also wieder startklar. Gott sei Dank ist letztendlich doch alles gutgegangen. Die Fischer sind keine Fischer, wie wir erfahren, sondern tauchen nach rotem Tang, der fuer die Kunststoffherstellung verwendet wird. Sie schenken uns aus ihrem Beifang zwei grosse Krabben (ca. 40 cm Durchmesser) – mit der Erlaeuterung, wie sie zu zubereiten sind, und dem Hinweis, dass wir sie nur kalt essen duerfen. Wir erwidern das Geschenk mit einer Flasche Wein aus unserem Bestand. Guter Tausch, denn die Krabben sind wirklich eine Delikatesse. Das Wetter hat sich auch am naechsten Tag noch nicht voellig beruhigt. Regen und weisse Schaumkronen draussen auf dem Kanal Ballenero vor unser geschuetzten Caleta. Also geht es erst am Dienstag sehr frueh weiter Richtung der Isla Brecknock. Wir nutzen jede Gelegenheit zum Segeln, aber haeufig kommt der Wind aus genau der Richtung, die es uns unmoeglich macht. Zumal der Wind sich auch selten fuer nur eine Richtung, und das mit Bestaendigkeit, entscheidet, sich in der Staerke ungern an die Wetter-Grips haelt und durch die vielen Inseln sowieso macht, was er moechte. Das Ganze endet dann haeufig in Segel raus, Segel rein, Reff raus, Reff rein, den Versuch durch kreuzen schneller oder gleich schnell zu sein, als wuerden wir mit dem Motor gegen die Stroemung anfahren. Entspanntes segeln ist also etwas anderes. Und so ist es dann auch mit der Zeitplanung. Wir brauchen ein Ziel, dass wir bis zum Nachmittag erreichen koennen. Ein moeglichst vor allen Winden geschuetzter Platz, wo der Anker gut halten wird und es am Besten auch Baeume zum festmachen gibt. Denn die Wettervorhersagen sind im Moment alles andere als ermutigend. Unser Kompetenzzentrum in Hamburg hat fuer Donnerstag Wind mit Staerken von 7 – 9 Bft. mitgeteilt. – Danke, fuer die rechtzeitige Warnung! – Da sollten wir also spaetestens in einer sehr geschuetzten Caleta sein. Deshalb machen wir uns am Dienstag Morgen trotz Regen und schechter Sicht wieder auf den Weg. Die Sichtweite liegt haeufig unter 10 Meilen und die Inseln tauchen sehr spaet im Dunst auf. Wir navigieren zusaetzlich ueber Radar und gleichen damit unsere Karte auf dem Plotter ab und koennen so den GPS-Versatz gut mit einplanen. Unser Tagesziel ist es, den Kanal Brecknock zu erreichen. Hier kommt man schon ganz nah an den Pazifik. Das Bild vor uns aendert sich, Die Inselwelt ist gepraegt von schroffen, kargen und unwirtlich wirkenden Felsen, die hier den Naturgewalten des Windes und des Meeres die Stirn bieten. Man sieht nur wenige Pflanzen, die in geschuetzten schmalen Felsspalten wachsen. Hier hat man wirklich das Gefuehl am Ende der Welt zu sein. Wir ankern am Dienstag Abend in einer Bucht zwischen Festland (also Insel Brecknock) und einer kleinen Insel. In unserem Patagonienfuehrer wird dieser Ankerlatz als “bombensicher” bezeichnet. Aber wir fuehlen uns im Puerto Paso Aguirre gar nicht sicher und wissen, das wir hier auf keinen Fall das fuer Donnerstag angesagte Wetter abwarten wollen. Wir sind verpflichtet taeglich zweimal, morgens und abends, unsere Position an die chilenische Armada (Marine, Prefektur)zu melden. Als wir heute Abend unsere Mails senden und erhalten, ist auch ein Mail der Armada dabei. Eine Wetterwarnung fuer Donnerstag! Wir empfinden diesen Service als sehr positiv und aus unseren Erfahrungen in anderen Laendern durchaus nicht als selbstverstaendlich. Auch die Fischer machen es uns Seglern leichter. An vielen Ankerplaetzen sind Taue gespannt und Schlingen gelegt, an denen auch die Segler festmachen knnen, wenn man zustzlich zum Anker weiteren Halt und Sicherung des Bootes benoentigt. Am Mittwoch mittags erreichen wir die wunderschoene und sehr geschuetzte Caleta Brecknock am Kanal Occasion. Besser haetten wir nicht wahlen koennen. Die kleine geschuetzte Bucht in dem Fjord ist dicht von Pflanzen bewachsen und der Wasserfall am Anfang der Bucht sieht aus, als wuerde er durch einen Urwald herabstuerzen. Die knorrigen Baeume sind dick mit Moos bewachsen. Es wachsen hier wilde Azaleen und Rhododendron. Blickt man auf die andere Seite des Fjordes, so sieht man blanke Granitfelsen. Eine guter Platz, an dem wir uns neben dem Anker mit fuenf Landleinen “einspinnen” und dem schlechten Wetter gelassen entgegen sehen.

Ushuaia – 17.2. – 23.2.2015

Ushuaia – das Ende der Welt. Wir gewinnen den Eindruck, dass das Ende der Welt Ziel vieler Weltenbummler ist. Wir treffen einen Deutschen aus Ulm, der mit seinem umgebauten Lkw Adventure Tours durch Südamerika macht. Ein junges Pärchen kommt zu uns an den Steg und fragt nach einer Mitnahmegelegenheit nach Puerto Williams. Beide sind Deutsche. Er ist in den letzten 10 Monaten von Ecuador mit dem Fahrrad hierher gefahren. Ein Biker an der Tankstelle kommt aus Oregon, USA, und hat fast 6 Monate bis hierher gebraucht. Der Clubmitarbeiter kommt von den Osterinseln. Seine Frau kommt aus Bayern. Auf die Frage hin, ob er Kindern hat, erzählt er, er sei Pirat. Er hätte vier Kinder, eins in Deutschland, eins in Brasilien, eins irgendwo ebenfalls in Südamerika, und eins würde hier bei ihm leben. Und dann natürlich die Segler, viele, wie wir, aus Europa. Alles keine normalen Touristen, eher etwas wie Abenteurer. Hinzu kommen die Kreuzfahrttouristen und die, die für ein paar Tage oder Wochen per Charter in die Arktis wollen. Es tummeln sich hier alle möglichen Menschen unterschiedlicher Nationalität.
Bei unserer Ankunft hören wir in Hafennähe schon Musik. Es ist Karneval. Die Tanzgruppen ziehen entlang der Hafenstraße bis zu einer Tribüne, an der die Gruppen wohl an einem Wettbewerb teilnehmen. Die Stimmung ist toll und die Straßen voller Menschen. Wir hören die Musik die ganze Nacht noch bis in die frühen Morgenstunden.
In der Nähe der großen Pier gehen wir in eine Pandaria, Museum, steht draußen dran. Wir gehen hinein, neugierig, was uns erwartet. Der Raum ist ein teilweise im Original erhaltener laden, in dem es früher wohl so alles gegeben hat, was man für das tägliche Leben so brauchte. Jetzt ist eine Art Bistro in dem man so ganz nebenbei sich die alten Haushaltsgegenstände, Blechdosen, die alles mögliche an Lebensmitteln enthalten haben usw. ansehen kann. Und natürlich kann man auch frisches Brot dort kaufen. Es ist ja eine Pandaria.
Die Einkaufsstraße liegt in der parallel Straße zum Hafengebiet. Viele nette kleine Geschäfte und Kaufhäuser, die zum Teil mit Duty Free werben, obwohl hier alles ohne Mehrwertsteuer ist. Was nicht unbedingt heißt, dass es wirklich günstig ist. Aber es soll wohl zusätzlich die Touristen anreizen, hier zu kaufen. Wer dann auch die weiteren Straßen erkunden möchte, muss schon gut im bergan gehen sein. Ushuaia liegt am Berg und die Straßen sind teilweise mehr als steil. Wir fragen uns, wie das hier im Winter geht. Wer an einer der oberen Kreuzungen bremst, rutscht der dann gleich bis runter zum Hafen???
Am Hafen gibt es viele. Möglichkeiten per Bus oder Schiff Ausflüge zu buchen. Wir entscheiden uns für einen Transfer zur “Tren el fin del Mundo”, der Bahn am Ende der Welt. Die Bahn, die seid 20 Jahren wieder existiert, ist dem Sträflingszug Anfang des letzten Jahrhunderts nachgebaut. Nach Ushuaia wurden damals Schwerstverbrecher deportiert, ähnlich dem englisch- australischen Vorbild, die dort für den Bau des Gefängnisses und späteren Betrieb sowie für ein Energiewerk Bäume westlich von der Stadt abgeholzt haben. Sträflinge und Holz wurden mit eben dieser Bahn transportiert. Baumstümpfe in dem Gebiet sind Zeitzeugen, an deren Höhe man sehen kann, zu welcher Jahreszeit sie gefällt wurden. Kurze Stümpfe, die Bäume wurden im Sommer gefällt, je höher dér Stumpf, je mehr Schnee hat damals dort gelegen. Die Bahn ist eine Touristenattraktion, aber auch traurige Erinnerung an frühere Zeiten und Schicksale. Es gab übrigens keine Gefängnisausbrüche damals, da die Gefangenen spätestens nach zwei bis drei Tagen freiwillig zurück gekommen sind, hungrig und Wärme suchend.
Wir verzichten auf einen Besuch des Nationalparks, da wir Natur in Chile in den Kanälen ganz individuell erleben werden.
Den geplanten Ausflug ins Museum Naval schaffen wir am Sonntag nicht, weil wir den ganzen Tag mit unseren Einkäufen für die nächsten Wochen beschäftigt sind. Vorräte, die jetzt für die nächsten 6 – 8 Wochen reichen werden. Vor allem Fleisch, Obst und Gemüse. Gulasch und Bolognese haben wir die letzten Tage schon eingekocht. Die einzigen Konserven, die dazu gekommen sind, ist Thunfisch für unsere Pizza.
Montag werden wir dann nach den Behördengängen Argentinien verlassen und nach Puerto Williams segeln.

Ankunft im Süden – Ushuaia 17.2.2015

Wir kommen in Ushuaia mittags an, noch bevor der Westwind sich wieder richtig ins Zeug legt. Vorgestern sind wir direkt nach dem Frühstück aus der Bahia Relegada wieder in den Beagle Kanal, in der Hoffnung, bis zum frühen Abend in Ushuaia zu sein.
Da der Wind leicht aus westlicher Richtung kommt, motoren wir. Im Sonnenschein, begleitet von Albatrossen, Haubentauchern und anderen Seevögeln, dann und wann auch Pinguine, kommen wir die ersten Meilen gut voran. Links und rechts des Kanals ist die Landschaft noch grün, dahinter jedoch liegen die schneebeckten Berge. Es wird wieder etwas wärmer. So um die 12° Lufttemperatur. Die lassen sich im Windschatten gut aushalten. In der Kabine ist es nicht viel wärmer, obwohl dort der kleine Heizlüfter läuft und zumindest die Bettdecken vor der Luftfeuchtigkeit bewahrt.
Doch nicht lange und der Westwind legt wieder los. Bis über 30 Knoten Windstärke. Wir setzen Segel und kreuzen. Damit schaffen wir immer noch mehr, als mit dem Motor gegen Wind und Strömung, wo wir nur noch 1 Knoten schaffen. Am frühen Nachmittag beschließen wir, den Kampf zu beenden und uns eine geeignete Ankerbucht zu suchen, für eine ruhige Nacht und einen weiteren Stopp auf unserer Reise in den Süden nach Ushuaia. Der nächstgelegene argentinische Hafen ist uns bei dem starken Wind zu unsicher. Bleibt nur die chilenische Seite mit Puerto Williams oder die weiter westlich gelegene Bahia Silva. Da wir in Argentinien noch nicht ausgecheckt haben, scheuen wir einen möglichen Behördenkrieg, der uns unweigerlich in Puerto Williams mit den Chilenen bevorstehen würde. Deshalb entscheiden wir uns für die Ankerbucht Bahia Silva. Und wir freuen uns, als wir dort ankommen, sind wir das einzige Boot. Wir haben die ganze Bahia für uns allein, werden nur von Kühen und Pferden und den Wildtieren beäugt. Gleich hinter der Baumgruppe liegt der Beagle Kanal, wo sich weiter der Westwind austobt. Wir genießen die romantische Idylle und haben eine ruhige Nacht.
Am nächsten Morgen haben wir verschlafen. Wegen dem wieder am späten Vormittag zu erwartenden starken Winden, wollten wir schon um 6.00h unterwegs sein, kommen aber tatsächlich erst um kurz nach 7.00 h los. Gefrühstückt wird also erst, als wir wieder auf dem Kanal sind. Trotzdem schaffen wir die letzten Meilen recht gut und der Wind ist auf dem letzten Stück so günstig, das wird wieder segeln können.
Vor uns liegt Ushuaia. Mit vielen Holzhäusern vom Anfang des letzten Jahrhunderts bietet sich ein buntes einladendes Bild. Eine kleine Stadt mit ca. 50 tausend Einwohnern und eigener Industrie. Wir vermuten jedoch als Haupteinnahmequelle den Tourismus. Während unseres Aufenthaltes legen täglich ein oder mehrere Kreuzfahrtschiffe am Pier an.
Bevor wir uns den touristischen Zielen in Ushuaia widmen können, fangen wir zunächst einmal an unsere technischen Probleme zu. lösen. Ganz oben an steht das Heizungsproblem. Ein Techniker, der auf dem Nachbarboot an dem wir festmachen arbeitet, will am nächsten Abend kommen und Funkgerät und Heizung in Ordnung bringen. Aber wie das so ist, es scheint ihm immer etwas dazwischen zu kommen. Letztendlich baut Hermann selbst die komplette Anlage auseinander, reinigt sie, und baut alles wieder zusammen. Mit Erfolg!!! Ein Stein fällt uns vom Herzen. Auch Generator und Aussenborder laufen wieder, nachdem wir es mit neuem Benzin ohne Ölzusatz probiert haben. Beim Funkgerät ist eine Elektronikschweissstelle gebrochen. Wir hoffen, das in der Crew der KAT von Wilfredo Schurmann, ein Elektroniker ist, der das löten kann. Wilfredo Schurmann ist die brasilianische Seglerprominenz. Sein neues Schiff, die KAT, das erst vor wenigen Monaten ins Wasser gekommen, liegt hier seit 38 Tagen und wartet auf einen neuen Motor aus Europa. Die Genehmigungs- und Zollbestimmungen sind für diese lange Wartezeit verantwortlich. Seine Reise soll noch in die Arktis gehen, bevor auch er dann wie wir Richtung Port Mont in Chile segelt.
Kaum sind einige Probleme gelöst, taucht das nächste auf. Der Kühlschrank will nicht mehr. Auch hier suchen wir nach einem Techniker. Aber Hauptsache es ist warm an Bord. Den Kühlschrank füllen wir zur Not zur Hälfte mit Eis und später mit Gletschereis bis wir in Port Mont sind und dort nach einen Lösung suchen.
Am Wochenende jedoch werden wir Touristen sein. Geplant ist eine Rundreise mit der “Bahn vom Ende der Welt” und ein Besuch des maritimen Museums hier in Ushuaia.

 

 

Reise nach Süden – Isla de los Estados, Bahia Relegada 10.2. – 17.2.2015

Es ist wirklich wunderschön hier. Fast den ganzen restlichen Tag scheint die Sonne und es ist windstill, aber die Luft ist kalt mit 8°, dass Wasser hat nur noch 9° hier. Obwohl hier jetzt Spätsommer ist, liegt in den Senken der Berge an einigen Stellen noch Schnee. Das Wasser der Caleta ist so still, das sich die umliegenden Berge sich darin spiegeln. Es scheint, als wäre man auf einem Bergsee in den Alpen und doch ist es Feuerland, Argentinien, nicht mehr weit bis Kap Horn. Anders als in Patagonien sind hier die Berge grün und dicht bewachsen. Wir sehen und hören nur wenige Tiere, meist Vögel und Pinguine. Abends tauchen direkt neben dem PACIFICO zwei Seelöwen auf, sehen uns und verschwinden wieder. Möglicherweise haben wir Ihren Lieblingsplatz belegt? Es liegen riesige Steine im Wasser, die erst bei Ebbe sichtbar werden, dicht bewachsen mit Miesmuscheln. Leider können wir sie nicht ernten und essen, da die Muscheln hier krank (marea roja) sind und eine vergifte Muschel zu essen endet unweigerlich tödlich. Unser holländischer Nachbar versucht sein Glück mit den riesigen Krabben dieser Caleta. Hat auch zweimal eine an der Angel, bekommt sie aber nicht aus dem Wasser. Er war dann doch etwas enttäuscht über seinen Misserfolg und das es mit dem delikaten Abendessen nicht klappt. Wir dürfen noch den Mittwoch im Sonnenschein genießen. Drei Decksfenster werden ausgebaut und neu eingebaut, da das überkommende Wasser hier eingedrungen ist. Wir sind erstaunt, als wir bei den ausgebauten Fenstern sehen, dass diese seitens der Werft fast ohne Abdichtung eingebaut worden waren. Eine Schwachstelle die jetzt behoben ist. Auch die Deckslüfter lassen überkommendes Wasser durch. Trotz Abdeckkappen. Ein Problem, dass wir noch lösen müssen. Genauso, wie der Generator, der nicht richtig laufen will und dem Außenbordmotor. Hier sieht es allerdings so aus, nachdem der Vergaser als mögliches Problem ausgeschlossen ist, als wenn es an dem ölhaltigen Benzin aus Brasilien liegt. Hoffen wir mal!

Und wie von Unserem Kompetenz-Center in Hamburg angekündigt kommt dann richtig schlechtes Wetter, mit so viel Wind, dass sich selbst in der windgeschützten Caleta die Boote auf die Seite neigen. Kein Gedanke an eine Weiterreise. In der Straße Le Maire, durch die wir müssen um in den Beagle Kanal zu kommen, sollen die Wellen bis vier Meter hoch sein. Wir nutzen das schlechte Wetter um die Weiterreise durch die chilenischen Kanäle zu planen, die wir im einzelnen aufgeben müssen, um die Zarpe in Port Williams bei der Prefectura zu beantragen.
Außerdem entwickelt sich ein nachbarschaftliches Verhältnis zu den anderen beiden Booten. Wir haben jeden Tag Besuch. Erfahren viel Neues und spannende Geschichten und haben Spaß. Social Life in Puerto Hoppner :-)
Am Freitag Abend findet ein letztes Zusammentreffen statt. Wir gleichen die Informationen zum Wetter ab und wann die Gezeit am günstigsten ist, um hier die schmale Ausfahrt nehmen zu können und auch zwei Stunden vor Hochwasser an der le Maire Street zu sein, damit wir nicht Wind und Tidenstrom gegen uns haben.
Als wir drei am Samstag gegen 13.00 h dann Auslaufen sieht auch zunächst alles gut aus. Um die rund 100 sm zur Bahia Relegada zu erreichen, unserem vereinbarten neuen Treffpunkt, wollen wir die Nacht durchfahren. Kurz vor erreichen des Beagle Kanals wird es dann richtig kappelig. Eine Stunde früher los wäre doch besser gewesen. Aber es bleibt windig. Unter Land ist der Nordwind- West-Wind dann merklich erträglich, auch weniger Welle und Strömung. Und dann geht es am Morgen richtig los. Mit 45 Knoten Wind. Um diese Zeit verlieren wir auch den letzten Sichtkontakt zu den anderen, die weiter südlich und nicht so dicht unter Land segeln. Wir brauchen für die Strecke mehr als 28 Stunden, bevor wir letztendlich wohlbehalten und ohne Schäden in der Bahia Relegada ankommen.
Der Wind hat etwas nachgelassen. In der Bahia, umgeben von einen grünen und bewaldeten Landschaft mit rauhen Bergen im Hintergrund, ist es warm. 16° sind nach Temperaturen in Puerto Hoppner mehr als angenehm, zumal wir ja ohne Heizung sind. Fast ohne Heizung. Hermann hat einen kleinen Heizlüfter aktiviert, der auf der ECO Stufe wenig genug braucht um über den Bordstrom laufen zu können. Beim Abendessen im Cockpit fühlen wir uns wie Naturreservat, beobachten die Tiere, schauen aber auch immer wieder erwartungsvoll nach Süden, ob die anderen auch bald kommen.
Die AdiejeWah trifft vier Stunden später , noch bei Tageslicht ein. Nicht ganz unbeschadet, wie wir dann erfahren. Das Großsegel ist eingerissen und an der Ankervorrichtung ist etwas verbogen, so das die Kette nicht ohne Hilfe rausläuft. Die Perluoit wird nicht mehr kommen und hat anderswo Schutz gesucht. Wir denken, wir werden sie dann in Ushuaia wieder sehen.
Am nächsten Morgen sitzen wir bei 3° im Cockpit und frühstücken. Der Wind hatte am Abend vorher innerhalb weniger Minuten um 180° auf Süd-Ost gedreht und kalte Luft gebracht. Und Schnee! Die Berge rundherum sind jetzt bis zur Baumgrenze eingeschneit, ein traumhaft schönes Bild, dass uns bis Ushuaia begleiten wird.

 

 

 

von der
PACIFICO

 

 

Reise nach Süden – Cla. Horno, Puerto Deseado, Isla de los Estados vom 1.2 .bis 10.2.2015

Wir geniessen bei bestem sonnigen und warmen Wetter die Caleta Horno. Es gibt jetzt für das frische Obst ein Netz zwischen Kartentisch und Salon. Kleinere Reparaturarbeiten sind erledigt und die Handwäsche endet damit, dass Hermann das Kanu ins Wasser lassen muss um das dabei über Bord gegangene kleine Wäscheteil von Hilde zu retten ;-)

Mit dem Banana-Boot und Außenborder unternehmen wir einen Ausflug ans Ende der Caleta. Sie endet in einer steppenähnlichen Landschaft. Irgend jemand hat in dieser Wildnis sogar einen Zaun aufgestellt, der ein stückweit ins Wasser ragt. Es ist jedoch nicht zu erkennen, welchen Sinn er machen soll. Die Felsen der Caleta sind sehr unterschiedlich. Einige scheinen nur aus Löchern zu bestehen, als wenn es sich um ausgewaschene Laver handelt, andere sehen aus, wie die schuppige Haut riesiger Reptilien, die dort in der Sonne liegen. Schön und bizar.

Am Sonntag bekommen wir Besuch. Als wenn wir es nicht vermisst hätten. Prefectura. Sie stehen mit ihrem Quad oben auf der Klippe und geben Signale. Was wollen die???? Ach so – mit uns sprechen. Per Funk. Also dann. So geht es wenigstens einmal ohne Papierkrieg. Offenbar hatten sie aus Mar del Plata die Information, dass wir hierher wollten. Nachdem sie uns die ueblichen Fragen gestellt haben und auch mit dem dem finnischen Boot, der “Manta” gesprochen haben, ziehen sie nach einer Weile wieder von dannen. Wir beschliessen den guenstigen Wind am Dienstag unter Beruecksichtigung der Ankunftszeit passend zum Tidenstrom für unsere Weiterfahrt nach Puerto Deseado zu nutzen. Dafuer heisst es frueh aufstehen und Landleinen los.Wir bemuehen uns darum, dass das recht leise von statten geht, um unsere finnischen Nachbarn nicht zu stoeren.

Auf den Wind ist nicht immer Verlass. So kommen wir spaeter als geplant am Mittwoch in Puerto Deseado an, aber noch rechtzeitig genug um mit der Flut in die Flussmuendung ein zu laufen. Als wir auf die Flussmuendung zuhalten faellt uns schon auf, wie viele Pinguine hier im Wasser sind. Und dann sehen wir gegenueber der Hafenstadt an der Kueste eine ganze Pinguinkolonie. Wie wir spaeter feststellen, ein Ausflugziel fuer Touristenfuehrungen auf dem Fluss.

Bei Ebbstrom haetten wir ausweichen müssen auf eine Ankerbucht ein paar Meilen weiter suedlich, da der so stark sein soll, dass wir nicht gegen an gekommen waeren. Und wir sind enttaeuscht, dass wir nicht im Hafen festmachen duerfen. Wir ankern auf Anweisung der Prefectura gegen 14.00 h eine dreiviertel Meile ausserhalb. Hinter uns kommt die “Manta” in die Flussmuendung. Die Finnen wollten offenbar auch den guenstigen Wind aus nördlichen Richtungen nutzen und sind wohl kurz nach uns los. Aber sie ankern nicht, wie von der Prefectura vorgegeben neben uns sondern laufen durch bis zur Gipsy Werft und machen neben einem anderen Segler fest.

Nach einigem hin und her mit der Prefectura bekommen wir dann doch auch einen Platz am Pier zugewiesen. Wir duerfen neben der Yamana, einem Schlepper festmachen. Der “Marinero” Enrique des Schleppers steht schon bereit uns zu begruessen und unsere Festmacher entgegen zu nehmen. Und auch sonst stellt sich heraus, dass er sehr hilfsbereit ist. Spaeter duerfen wir uns in sein Gaestebuch eintragen. Offenbar machen hier regelmaessig Segler fest auf ihrem Weg nach Sueden.

In Puerto Deseado werden wiruns nur mit frischen Obst und Gemuese versorgen, kommen aber auch hier nicht um die Aktionen mit der Prefectura herum. Die Stadt selbst ist kaum sehenswert und aehnelt eher einer amerikanischen Wuestenstadt. Breite Strassen, die aus dem Nichts kommen und ins Nichts gehen. Der Ort hat aber scheinbar einen ganz eigenen Rythmus. Die Geschaefte oeffnen nachmittags noch einmal von 17 h bis 2 h morgens! Und wir sehen ueberwiegend junge Menschen und Kinder. Fuer unsere Einkaeufe muessen wir feststellen, dass nicht alles, was wir uns vorstellen, zu bekommen ist oder die Qualitaet so schlecht ist, so dass es sich an Bord nicht halten wird. Als wir zum Schlepper zurueck kommen, steht uns ein kleiner Schock bevor. Ebbe. Schlepper und PACIFICO liegen fast 5 m tiefer. Das heisst mit den Einkaeufen 7 – 8 m eine schmale Eisenleiter senkrecht an der Kaimauer herunter. Mit den Einkaeufen hilft uns der Enrique. Und dann ueberwindet auch Hilde ihre Hoehenangst und schafft den Abstieg :-)

Am Donnerstag Nachmittag um 15.30 h laufen wir aus Richtung Isla de dos Estados, Feuerland, wohl wissend, das der Wind nicht optimal sein wird.

Am Samstag Morgen kommen dann noch schlechte Nachrichten aus dem Kompetenzzentrum Hamburg: ein Tief rollt auf uns zu – Windstaerken bis 7 Bfd. und Wellen bis 4 m Hoehe. Wir suchen nach Schutzmoeglichkeiten entlang der 150 Meilen entfernten Kueste, finden jedoch keine wirklich geeigneten Haefen oder Ankerbuchten. Aber die Winde unter der Kueste sollen moderater sein. Wir aendern den Kurs und laufen auf die Magellanstrasse zu, um sie am Sonntag Nachmittag zu erreichen. Aber moderat heisst trotzdem bis zu 7 Windstaerken, nur weniger Welle. Bis wir am Dienstag, wie von Hermann dann geplant, um 10.00 h morgens unser Ziel erreichen, haben wir so ziemlich jedes Wetter durch – von Sonne bis Regen, von Flaute bis Windboen um die 40 Knoten. Und kalt ist es geworden. Luft 8°, Wasser nur noch 9°.

Wir laufen heute Morgen um 10.00 h in den Puerto Hoppner ein und ankern in der hintersten Ecke hinter einen kleinen Insel, ganz windgeschuetzt neben einem belgischen und einem hollaendischen Segler. Die Zufahrt in die hintere Bucht betraegt bei Ebbe 10m Breite. Unsere Pacifico misst schon etwas ueber 4m.!! Eine wunderschöne Bucht, umrahmt von hohen Bergen, auf denen teilweise noch Schnee liegt. Man koennte meine, man ist auf einem Bergsee in den Alpen. Traumhaft schoen. Die ganze Insel ist uebrigens unbewohnt und steht unter Naturschutz. Der Name “Puerto” wirkt da schon etwas irre fuehrend, wenn man damit menschliche Ansiedelungen verbindet. Wir sind von diesem Fleckchen Erde begeistert.

Was macht man ausser segeln auf so einer Tour? Manchmal diskutiert man(n) und frau. Albatrosse. Sind Albatrosse Moewen????!!!! Wir einigen uns nach einigem hin und her. Alles, was ueber dem Wasser fliegt, sind Moewen. Da braucht man dann ncht lange ueberlegen. Und die Albatrosse, die uns seit Mar del Plata immer wieder begleiten, sind also Moewen. Nur Pinguine sind keine Moewen, weil die fliegen ja nicht und sind deshalb Pinguine. Alles klar? :-)

Auch sehen wir jetzt mehrmals am Tag Delphine, die neben unserem Schiff auftauchen. Es ist immer wieder ein Erlebnis. Besonders wenn, wie am Samstag, das Meer klar und himmelblau ist und die Delphine aus den Wellen springen und groessere Gruppen unseren Bug umspielen, immer wieder aus dem Wasser springend.