Wallis und Futuna – Fisch und Gaumenfreuden – vom 24.6. bis 2.7.2016

Wir sind wieder unterwegs. Durch den fast achterlichen Wind rollt PACIFICO ziemlich und schĂŒttelt uns durch, doch wir kommen sehr gut voran. Der Wind blĂ€st mit 20 bis 25 Knoten aus SĂŒdost, was sich auch in der gesamten nĂ€chsten Woche nicht Ă€ndern wird. In der letzten Nacht mussten wir uns erst wieder an das unruhige Bett und den Schlaf-Wach-Rhytmus gewöhnen. Aber so ist es eben. Wir kommen zu dem Schluss, das lĂ€ngere Strecken so gesehen einfacher sind und die NĂ€chte weniger anstrengend, als Kurzstrecken ĂŒber zwei NĂ€chte. Hermann macht die Nachtwachen nach wie vor allein. Wenn dann noch Fischerboote unseren Weg in der Nacht kreuzen, der Wind nicht konstant genug ist und die Route an Riffen vorbeifĂŒhrt ist an Schlaf kaum zu denken. Und die fehlende Nachtruhe kann am folgenden Tag dann auch kaum aufgeholt werden.

Die Angel hĂ€ngt wieder draußen. Wir hĂ€tten gerne zur ErgĂ€nzung unseres Speiseplans einen Mahimahi. Aber irgendwie mögen uns diese Fische dieses Jahr nicht.
Unser Angelerfolg besteht heute aus zwei Baracudas und zwei großen Bonitos. Die beiden Baracudas gehen lebend wieder ins Wasser. Der Fisch soll nicht besonders schmackhaft sein und außerdem riecht er sehr nach Fisch. Wenn ein Baracuda an der Angel hĂ€ngt, ist er kaum aus dem Wasser, da ist er schon riechen. Die andern Fische riechen nach Tagen noch nicht. Über die beiden großen Bonitos freuen sich am nĂ€chsten Tag auf Wallis die Crew der Aorie, Tahiti, und eine Familie, die in der Gahi Ankerbucht wohnt. Hermann geht einfach zu der vor dem Haus sitzenden Familie und fragt, ob sie Fisch möchten. Nein, sie möchten keinen. Erst als er klar macht, dass wir kein Geld dafĂŒr möchten, nehmen sie das Angebot gerne an. Doch auch wir werden im Gegenzug von ihnen dann gastfreundlich beschenkt mit Bananen und Yamswurzeln aus dem eigenen Garten.
Yamswurzeln sind fĂŒr uns neu. Wir bereiten Sie zu wie Tapioca, also kochen, trocknen und dann in der Pfanne braten. Die Konsistenz ist leichter und mehliger als Tapioca und hat unserer Meinung nach auch weniger Geschmack. Wir entscheiden uns zukĂŒnftig bei Tapioca zu bleiben. Geschmacksache eben 😉

Am frĂŒhen Samstag Morgen erreichen wir den Kanal, der durch das Riff in die Lagune der Iles Wallis fĂŒhrt. Der Kanal ist mit 150 Meter nicht so besonders breit und kann, bei sich gegen die Tide aufbauenden Wellen, wohl schon mal recht ungemĂŒtlich werden. Doch wir kommen zu einer guten Zeit an. Es flutet noch und die Tide ist kurz vor dem Stillstand. Die Seezeichen mĂŒssen wir mal wieder suchen. Die beleuchteten Backbordtonnen sind zwar gut zu sehen, doch finden wir die Peilmarken nicht. So fahren wir wieder nach dem Plotter, denn die Seekarten stimmen hier sehr gut. Zur Hauptstadt Mata Utu benötigen wie dann noch ĂŒber eine Stunde, trotz guten Windes. Dort angekommen, ist es unmöglich ruhig zu ankern. Der Wind fegt ĂŒber die Lagune und bringt das Wasser in Aufruhr. Trotzdem liegt dort ein Kat aus Cannes vor Anker. Das Boot schaukelt in den rauen Bedingungen bestĂ€ndig hin und her. Darauf haben wir nun gar keine Lust. Also den Weg, den wir gekommen sind, wieder ein StĂŒck zurĂŒck und in die Gahi Bucht , die als ruhiger Ankerplatz ausgewiesen ist. Es ist dort zwar auch windig, was uns die MĂŒcken vom Leib hĂ€lt, das Wasser ist hier doch sehr viel ruhiger als vor Mata Utu.

Aus Hamburg erfahren wir, dass wir vor der Vincent St. Pauls Kirche ankern. Aha! Unser Kompetenz-Centrum hat uns hier ĂŒber AIS also auf dem Schirm. Man merkt, wir sind mal wieder in „Europa“. Wallis und Futuna werden, wie Französisch Polynesien, von Frankreich verwaltet. Sogar die WĂ€hrung ist hier die gleiche wie in Polynesien.
In Samoa hatte uns der Besitzer des Vai Moana Resort erzĂ€hlt, man hĂ€tte Nonnen von Samoa nach Wallis entsandt zur Missionierung der Inseln. „Aber die sprechen dort immer noch französisch und kein englisch!!!“ war sein abschließender Kommentar zu seiner Geschichte 😉

Wir machen uns an Land auf den Weg zurĂŒck nach Mata Utu, um dort einzuklarieren. Es ist drĂŒckend heiß auf der Straße, die durch eine ĂŒppige grĂŒne Landschaft vorbei an Kirchen und kleinen Dörfern fĂŒhrt. Kein kĂŒhlender Seewind erreicht uns hier. So sind wir ganz froh, das uns ein Auto mitnimmt und wir die 8 Kilometer nicht laufen mĂŒssen. Überhaupt funktioniert es hier mit dem per Anhalter fahren sehr gut, wie wir feststellen. Und meistens bringen uns die Leute genau dorthin, wohin wir möchten, auch wenn es fĂŒr sie ein Umweg ist.
Der Zoll hat am Samstag geschlossen, doch bei der Gendarmerie bekommen wir unseren Stempel in den Pass. Vom Chief werden wir mit Handschlag begrĂŒĂŸt. Er spricht deutsch mit uns. Schließlich war sein Bruder mal in Hamburg zur Ausbildung und ihm selbst hat es auf der Reeperbahn besonders gut gefallen 😎😉
Nun sind wir also offiziell eingereist und können uns frei bewegen. Wir machen einen kurzen Rundgang durch Mata Utu. Der Ort, der sich, wie wir spĂ€ter erfahren aus mehreren Dörfer zusammensetzt, wirkt etwas verlassen. Viele GebĂ€ude stehen leer oder sind ĂŒber den Rohbau nicht hinaus gekommen. Leerstehende GeschĂ€fte und Restaurants zeugen davon, dass hier wohl einmal ein belebtes Ortszentrum entstehen sollte. Vielleicht sind die Menschen wieder weggezogen oder es hat auch möglicherweise nie genĂŒgend Menschen hier gegeben, um diese GeschĂ€fte zu beleben.

Doch nun wollen wir erst einmal einkaufen. Wir sind schon ganz gespannt was es hier so zu kaufen gibt. So sehr groß ist Wallis ja nicht und es liegt auch ziemlich abseits. Die Frau, die uns mit hierher genommen hat, empfiehlt den Supermarkt in der NĂ€he der Gendarmerie als beste Einkaufsmöglichkeit.
Es ist ein relativ großer Supermarkt mit einem guten, ĂŒberwiegend europĂ€ischen, Angebot und sogar einem richtigen Obst und GemĂŒsestand. Vieles was hier angeboten wird, ist mit dem Flugzeug gebracht worden, wie beispielsweise die neuseelĂ€ndischen Tomaten. Die kosten dann allerdings auch rund 2.000 polynesische Franc das Kilo, also rund 17 Euro. Gekauft werden sie trotzdem. Wir wundern uns nicht so sehr, da wir vorher darĂŒber gelesen haben. Rund Dreiviertel der ArbeitsplĂ€tze sind der französischen Regierung zuzuordnen. Die Arbeitnehmer aus Frankreich verdienen hier, laut unserem SĂŒdsee-Buch, das dreifache von dem, was sie zu Hause verdienen. Und das steuer- und sozialversicherungsfrei. Damit lĂ€sst es sich leben, doch entsprechend hoch sind hierdurch eben die Verkaufspreise in den GeschĂ€ften. Das meiste ist jedoch nicht so ĂŒberteuert wie die Tomaten.

Einkaufen wie in Frankreich. Wir kaufen uns Foie Gras, frisches Baguette und dazu einen leckeren Sauternes. Voller Vorfreude geht es zurĂŒck an Bord. Hier wird zunĂ€chst der Wein gekĂŒhlt, dann das beste Geschirr mit Goldrand herausgeholt, der Cockpit Tisch eingedeckt und nun genießen wir mit allen Sinnen diesen köstlichen Gaumenschmaus im Licht der untergehenden Sonne. Kaum zu beschreiben, welch ein LuxusgefĂŒhl diese Gaumenfreuden bei uns auslösen an diesem entfernten Ort im Pacific.

Am Montag ist das ZollbĂŒro wieder geöffnet. Also fahren wir wieder per Anhalter nach Mata Utu und werden auch direkt bei der Duane auf dem Pier abgesetzt. Wir haben uns ĂŒberlegt bis Mittwoch zu bleiben, dann weiter nach Futuna zu fahren und von dort dann am Samstag nach Fidschi zu segeln. Wir wollen auf Fidschi nicht am Wochenende ankommen. Das wĂŒrde teuer werden, weil dort fĂŒr Samstag und Sonntag hohe Overtime GebĂŒhren berechnet werden.
Die Behörden machen auch gleich die Ausreisepapiere fertig, damit wir nicht noch einmal wiederkommen mĂŒssen. Sehr entgegenkommend und unkompliziert.

Vor dem Supermarkt werden wir von einem Franzosen angesprochen. Fremde sind hier eher selten. Er heißt Christian und betreibt hier ein Hotel. Und er war auch einmal Segler. Offenbar sind wir im sympathisch, denn kurzentschlossen lĂ€dt er uns zum einem Drink in seinem Hotel ein.
Zu einem kaltem Bier werden uns hauchdĂŒnne, noch warme Brotfrucht-Chips serviert aus der eigenen Herstellung. Die dĂŒnnen Scheiben werden zweimal frittiert, damit sie so knusperig gelingen. Von Christian erfahren wir, das es hier eigentlich keine Touristen gibt. Und Segelboote kommen im Jahr auch nur vier bis fĂŒnf. Seine HotelgĂ€ste sind in der Regel GeschĂ€ftsreisende und andere BerufstĂ€tige, die die Insel besuchen. Aber hauptsĂ€chlich gehen die GesprĂ€chsthemen ums Segeln, wie sollte es anders sein.
Als es Zeit fĂŒr uns wird zu gehen, fĂ€hrt uns Christian selbstverstĂ€ndlich zurĂŒck ins Ortszentrum. Zu Fuß gehen hier offenbar die wenigsten.

Auf dem Heimweg kaufen wir noch einmal im Supermarkt ein. Diesmal ist auch ein ganz einfaches Glas Apfelmus dabei. In der SĂŒdsee eine RaritĂ€t und ein Gaumengenuss der ganz anderen Art. Als Kind konnte meine Mutter mir keine grĂ¶ĂŸere Freude machen, als mir einen Pfannkuchen mit Apfelmus zu servieren. Noch heute empfinde ich das gleiche kindliche VergnĂŒgen daran. Wenn es bei Hermann zum FrĂŒhstĂŒck Spiegelei mit Tomaten und Zwiebelringen gibt, mache ich mir einen Pfannkuchen. Und jetzt sogar mit Apfelmus. Wunderbar 😉

Die letzte Nacht in Wallis verbringen wir vor einem der Motus und Riffe, die die leuchtend blaue Lagune vor dem Pacificschwell schĂŒtzen. Zur Ausfahrt sind es hier nur noch zwei Meilen. Eine kurze Strecke, denn wir mĂŒssen morgens wegen der Tide vor 8.30 Uhr durch den Kanal hindurch sein, wollen wir nicht hohe Wellen und Gegenströmung riskieren. Es wird eine unruhige Nacht, gestört durch unseren Ankeralarm. Sind wir ins driften gekommen? HĂ€lt der Anker trotz sorgfĂ€ltiger PrĂŒfung nun doch nicht? In der Dunkelheit ist es schwer zu erkennen. Dann stellen wir fest, das der Wind um fast 90° auf Nord gedreht hat. Haben wir irgendwelche Steine ĂŒbersehen, die hier im Übergang zum flachen Wasser bis kurz unter die WasseroberflĂ€che reichen? Wir sind beunruhigt und sitzen in dieser Nacht eine ganze Weile im Cockpit, um unsere Situation zu beobachten. Letztendlich kommen wir zu dem Schluss, das wohl doch alles in Ordnung ist und keine Gefahr droht. Also gehen wir wieder schlafen. Doch die Unruhe bleibt, bis wir morgens aufstehen und uns segelfertig machen. Der Anker hat gehalten. Alles ist gut.

Um nicht zu frĂŒh in Futuna anzukommen, fahren wir mit stark gerefften Segeln und verlĂ€ngern die Route in dem wir einem Bogen in Richtung SĂŒden machen. Am Donnerstag, im frĂŒhen Morgenlicht, gleitet die PACIFICO zwischen der Ile Futuna und Ile Alofi hindurch. Zwei doch eher sehr kleine, felsige Inseln hier im Pacific, die von einem dichten grĂŒnen Dschungel ĂŒberwachsen sind. Wir ankern in der einzigen Möglichkeit in Futuna, einer kleinen Bucht an der Westseite der Insel vor dem Hauptort Leava. Seezeichen fĂŒr diese Bucht sind auf der Karte nicht eingezeichnet. Um so mehr verwundert es uns, dass es neben beleuchteten Tonnen sogar zwei Peilmarken mit nachts blauem Licht gibt, um die Bucht anzufahren.

In dem kleinem Ort gibt es nicht viel zu sehen. Genau wie Wallis ist auch Futuna nicht fĂŒr den Tourismus erschlossen. Doch sind hier die Straßen sehr viel schlechter und es wirkt ungepflegter und unbewohnter als in Wallis. Nach dem ein- und ausklarieren (auch hier können wir gleich beides machen) gehen wir in den Supermarkt. Das Angebot ist relativ gut, jedoch sehr viel weniger reichhaltig als in Wallis. In einem KĂŒhlschrank sehen wir hinter der Glasscheibe ein nur sehr kleines Angebot an Obst (Orangen und Birnen) und kein GemĂŒse. Nun, wir ja haben noch etwas an Bord und Montag sind wir ja auch schon in Fidschi. Bis dahin wird unser begrenzter Vorrat an Obst und GemĂŒse schon reichen.
Das einzig erstaunliche hier, ist das Angebot an Champagner und Wein. Auf Wallis gab ein gut sortiertes Weinangebot. Hier ist das Angebot etwas weniger gut sortiert, dafĂŒr sind die Flaschen grĂ¶ĂŸer. Neben Drei- und FĂŒnf-Liter-Flaschen Wein in unterschiedlichen QualitĂ€ten werden auch jeweils eine 12 und 15-Liter-Flasche Champagner angeboten zum Preis von umgerechnet rund 2.000 Euro. Das finden wir schon ziemlich beeindruckend, da die Flaschen sicherlich auch verkauft werden. Ist das hier das Highlight der Freizeitgestaltung???

Wir sehen uns den Rest der Insel nicht mehr an und genießen statt dessen eine entspannte Zeit bis zur Abfahrt am Samstag Vormittag. Am Freitag gesellt sich die Aorie aus Tahiti noch dazu und geht neben uns vor Anker. Wenn nur maximal fĂŒnf Boote diese Inseln im Jahr besuchen, ist das Limit mit uns schon fast erreicht 😉

Wie bedauern es nicht, auf unserem Weg von Samoa nach Fidschi auch die beiden Inseln Wallis und Futuna besucht zu haben. Eine Woche waren wir mal wieder in Frankreich. Doch finden wir diese Zeit auch mehr als ausreichend. Wir hĂ€tten auch bereits ein oder zwei Tage frĂŒher unsere Weiterreise angetreten, hĂ€tte es mit der zeitlich entsprechenden Ankunft, also eben nicht am Wochenende, in Fidschi gepasst.

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